Affoltern im Emmental
Bauern fordern faire Preise für die Nahrungsmittel

Die Bauern schütten Volkswirtschaftsdirektor Andreas Rickenbacher ihr Herz aus. Sie bemängeln den tiefen Milchpreis. Wenig Freude haben sie auch für die Vernetzungsvorschriften bei den ökologischen Ausgleichsflächen.

Bruno Utz
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Solothurner Zeitung

Roland Ryser-Rutschi und Beat Marti sind Bauern und ihre Höfe liegen beide im idyllischen Affoltern im Emmental. Martis Betrieb gehört mit 22 Hektaren Nutzfläche, 24 Milchkühen und 165 Mastschweinen zu den grösseren in der Region. Trotzdem arbeitet seine Partnerin Monika Schmid 80 Prozent auswärts. Und auch Bauer Marti hat einen 15-Prozent-Nebenjob als Aushilfe bei der Post.

Rysers Nebenerwerb bringt 30 Prozent vom gesamten Einkommen in die Familienkasse: Er stellt der Firma Kreativ Training AG Land zur Verfügung, wartet deren Anlagen und seine Frau Christine bewirtet die Kursteilnehmer. Zu Rysers Betrieb gehören 18 Hektaren Landwirtschaftsland und 3,5 Hektaren Wald. Die 18 Milchkühe befinden sich meist auf der Weide, jedenfalls im Sommer.

Milchpreis ist zu tief

Beide liefern Milch an die Emmentaler Schaukäserei im Dorf: Straub besitzt ein Milchlieferrecht für 108'000 Kilogramm, Marti eines für jährlich 170'000 Kilo. Damit sind wir bereits bei einer der grossen Sorgen angelangt, die beide plagen – dem Milchpreis.

Inklusive der Verkäsungszulage bezahle ihnen die Schaukäserei etwas mehr als 50 Rappen pro Kilo Milch, monierte gestern Ryser beim Besuch von Volkswirtschaftsdirektor Andreas Rickenbacher. Dieser war zusammen mit mehreren Kadermitarbeitern vom Amt für Landwirtschaft und Natur (Lanat) – darunter befand sich auch der von den sechs Ehemaligenvereinen der Landwirtschaftsschüler angeschossene Urs Zaugg – einer Einladung der Bauernorganisation Lobag gefolgt.

Runder Tisch mit Emmi

«Wir vermögen es nicht mehr, zu diesem Tiefpreis Milch zu produzieren», erklärte Straub. Deshalb hätten die Bauern der Schaukäserei die Milchlieferung gekündigt (das az Langenthaler Tagblatt berichtete). Für Beat Marti ist klar, «der Milchpreis muss steigen, sonst leben wir von der Substanz.» Ob der runde Tisch mit Vertretern der Schaukäserei und der Käsevermarkterin Emmi vom 5. September eine Lösung bringt, liessen gestern beide offen.

Wenig Verständnis hätten sie für die so genannten Vernetzungsvorschriften bei den ökologischen Ausgleichsflächen. Diese seien zu rigoros. Viel Zeit müssten sie auch in den Bürokram und Formularkrieg investieren. Marti erklärte Rickenbacher unter anderem den «Feldkalender sowie verschiedene Ordner für Nährstoffbilanzen, Tiergesundheit, Spritzzeittest und den Nachweis für das Coop-Label Naturafarm. Diese müssten stets nachgeführt werden.

Lobag-Präsident Walter Balmer und Heinz Kämpfer – Präsident Landwirtschaft Emmental und Gemeinderat von Affoltern – verwiesen auf die regionale volkswirtschaftliche Bedeutung der Bauern. «In Affoltern spüren wir, dass das Geld eng wird bei unseren 60 Bauernbetrieben», sagte Kämpfer: «Investieren die Bauern weniger, so merken das die einheimischen Gewerbler.»

Balmer brachte schliesslich die vom Regierungsrat an den Bund verabschiedete Vernehmlassung des Kantons Bern zur Agrarpolitik 2014 bis 2017 aufs Tapet. Der Regierungsrat habe beim künftigen Direktzahlungssystem den Fokus zu stark auf die ökologischen Aspekte gerichtet. Balmer: «Wir Bauern wollen sinnvoll wertvolle Nahrungsmittel produzieren und davon existieren können.»

Rickenbacher zeigte Verständnis für die Anliegen, meinte aber, der Besuch auf den Betrieben habe ihm bestätigt, dass sich Landwirtschaft und Ökologie nicht gegenseitig ausschliessen. Die kantonale Politik tue alles Machbare für die Bauern. «Doch der Steuerzahler will auch, dass wir haushälterisch mit dem Geld umgehen.» Und als Folge der globalen Finanzkrise befinde sich derzeit nicht nur die Landwirtschaft in einer schwierigen Situation.

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