Urs Steigmeier und Jürg Stalder
Bauer Steigmeier holt den Störkäser auf den Hof

Bauer Urs Steigmeier hat heute seinen eigenen Käse. Er macht ihn nicht selber. Dafür hat er der Störkäser Jürg Stalder aus dem Bernbiet. Im letzten März fuhr dieser erstmals in seinem Lastwagen auf dem Strickhof vor - und kommt immer wieder.

Barbara Vogt
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Urs Steigmeier mit Jürg Stalder

Urs Steigmeier mit Jürg Stalder

Milchbauer Urs Steigmeier (36) schneidet ein Stück Käse ab und hält es der Journalistin hin. Köstlich schmeckt es, wie Tilsiter, würzig, unverfälscht. «Unsere Käse sind aus reiner Rohmilch und haben den natürlichen Geschmack behalten», erklärt er.

Im letzten März fuhr Störkäser Jürg Stalder aus dem Bernbiet erstmals in seinem Lastwagen auf dem Strickhof vor, heizte das «Dampfkessi» mit Holz ein, leerte 1500 Liter Milch ins Rührwerk und begann Käse zu produzieren: 150 Kilogramm Schnitt- und Raclettekäse, Mutschli, nature, mit Baumnüssen und Gewürzen und Rüebli. Der Rüeblikäse hat seine Geschichte: Weil Bauer Steigmeier mit Futterrüebli handelt, kam ihm die Idee, solche in den Käse zu raffeln.

Mit Käse mehr verdienen als mit Milch

Dreimal ist der Störkäser schon auf dem Strickhof erschienen, an den übrigen Tagen holt Emmi Suhr die Milch ab. Doch mit dem tiefen Milchpreis ist der Landwirt alles andere als glücklich. Als er das Inserat des mobilen Chäsers in der Bauernzeitung entdeckte, eröffneten sich für ihn und seine Familie eine neue Marktnische. «Ich hoffe, mit dem Käse mehr zu verdienen als mit der Milch.» Als Landwirt könne man nicht nur jammern, sondern müsse handeln. «Verkauft sich der Käse schlecht, können wir jederzeit aufhören.» Doch das tut er nicht: Viele Kunden kämen ins Hoflädeli, um sich mit Käse einzudecken. Steigmeier geht das Projekt vorsichtig an. Zukunftspläne hat er allemal, etwa, dass er eine Stubete mit Racletteplausch auf seinem Hof durchführen will.

Bevor der Käse schmilzt, muss er reifen. Dafür hat der Landwirt einen originellen Ort gefunden: einen Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg. Stockdunkel ist es dort, feucht und glitschig und nicht mehr als 14 Grad – die richtige Temperatur für den Reifeprozess. Mit einer Taschenlampe leuchtet Urs Steigmeier in den Raum, auf einem improvisierten Gestell stehen die Käse. «Ein Schnittkäse braucht rund zwei Monate, bis er reif ist, beim Raclettekäse dauert es doppelt so lang.»

Jeden Tag steigt sein Vater Franz Steigmeier zum Bunker hoch, bürstet die Laibe sorgfältig mit Salzwasser und wendet sie. Verständlich, dass die Familie Steigmeier eine Käsesorte mit einem besonderen Namen getauft hat: «Bunkerchäs».