Tour de Baselbiet
Baselbieter Bauern sorgen für kulinarische Höhenflüge

Baselbieter Bauern- und Familienbetriebe trachten mit einer bemerkenswerten Wissbegierde und Neugier danach, mit ihren Eigenprodukten Neuland zu betreten. Dies ist das Fazit der grossen bz-Herbstserie Tour de Baselbiet.

Bojan Stula und Thomas Immoos
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In acht Folgen klapperte die bz in den vergangenen 14 Tagen ganz unterschiedliche Hofläden und Familienbetriebe im Landkanton ab, die vom Zwetschgentörtchen für das Coop-Slow-Food-Sortiment bis zum Galloway-Rindsfleisch weit mehr anbieten als die üblichen Sonntagszöpfe und selbst gebrannten Kirschschnäpse.

Es erstaunt deshalb nicht, wenn Gregor Gschwind, Präsident des Bauernverbands beider Basel, die eigenen Produzenten im nationalen Vergleich als innovative Vorreiter bezeichnet.

Waren die Baselbieter Bauern einst von der Seidenbandherstellung abhängig, um neben ihrer Feldarbeit über die Runden zu kommen, haben sich heute ihre Hofläden vielerorts zu einem unverzichtbaren Standbein des eigenen Betriebs entwickelt. Sinnigerweise vertreibt die Wenslinger «Zwetschgenkönigin» Dora Meier ihre Produkte unter dem Markennamen Posamenter, in Anspielung auf die frühere Seidenbandweberei.

Weg von der Subventionspolitik

Nicht zuletzt wegen der innovativen Eigenproduktion haben viele Baselbieter Landwirte den Systemwechsel weg von reichlich sprudelnder Bundessubventionen hin zu nachhaltiger Bewirtschaftung geschafft. Schaut man sich auf den von der bz besuchten Höfen um, scheint das neue Erfolgsrezept eine wohldosierte Mischung aus Know-how, Experimentierfreude, regelmässiger Weiterbildung und Wissensdurst zu sein.

In dieser Hinsicht vorbildlich ist die Philosophie des Hofguts Farnsburg oberhalb von Ormalingen. Dort setzt man auf extensive Landwirtschaft, sorgsamen Umgang mit der Natur mit Magerwiesen, Biotopen sowie Hochstammbäumen. Und beim Fleisch hat man ganz gezielt der Qualität, und nicht der Quantität, den Vorzug gegeben. Dank dieser Prinzipien hat es die Familie Dettwiler geschafft, selbst Spitzenköche aus dem Raum Zürich als Kunden zu gewinnen.

Um eine solche Betriebsphilosophie umsetzen zu können, bedarf es aber offenbar auch einer entsprechenden Mindestfläche. So waren die von der bz besuchten Vorzeigebetriebe in der Regel zwischen 30 und 50 Hektaren und damit überdurchschnittlich gross. Gleichzeitig zeigte sich dort, dass es für Bauern unmöglich ist, grössere Betriebe ohne die Unterstützung der Ehefrau oder sogar der Eltern zu führen.

Moderne Kommunikation

Obschon Betriebe wie die Mühle Maisprach oder der Weidhof in Ormalingen seit sechs bis acht Generationen im Besitz der gleichen Familie sind, sind es gerade diese, welche die Tradition und Kontinuität geschickt mit Innovation verbinden. Sämtliche von der bz vorgestellten Produzenten zeigten sich offen gegenüber Neuem und betrieben ihr Gewerbe mit Liebe und Leidenschaft.

Mindestens ebenso auffallend ist, wie professionell inzwischen die Betriebe auf moderne Kommunikationsmittel setzen. Bestellmöglichkeiten via Internet gehören fast schon zum Standard. Allerdings heisst das noch lange nicht, dass damit der wirtschaftliche Erfolg garantiert ist. Denn auch das zeigte die Tour de Baselbiet: Trotz aller Innovationsfreude bleibt der ganz grosse finanzielle Erfolg meist aus.

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