Niederbipp
Bahnhof Niederbipp: 600 Meter Gleise werden an zwei Wochenenden ersetzt

Am Bahnhof wird gebaut, sowohl die Gleise als auch Schwellen und Schotter werden ersetzt. Die SBB haben über das Wochenende begonnen, die in die Jahre gekommenen Schiene zu ersetzen.

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Niederbipp: 600 Meter Gleise werden an zwei Wochenenden ersetzt

Niederbipp: 600 Meter Gleise werden an zwei Wochenenden ersetzt

AZ

Tak-tak, tak-tak. So nostalgisch wird sich in dieser Woche die Fahrt mit der Eisenbahn durch den Bahnhof Niederbipp anhören. Denn die SBB haben über das Wochenende begonnen, die in die Jahre gekommenen Schienen zu ersetzen.

Hier sind echte Männer an der Arbeit. Das erkennt man nicht nur an den vielen tätowierten Oberarmen, sondern vor allem an der Art, wie die Arbeiter der SBB und der Scheuchzer SA zupacken. Da sitzt jeder Handgriff. Alles geht rasch, aber ohne Hektik.

Die Abläufe sind durchdacht und aufeinander abgestimmt. Schliesslich haben die rund 40 Arbeiter pro Schicht nur ein Wochenende Zeit, um die erste Etappe ihrer Mission zu erfüllen. Sie entfernen im Bahnhof Niederbipp auf gut 600 Metern die Gleisjoche mit dem Gleisumbauzug «Puscal T». Anschliessend wird der Schotter mit dem «Elefanten» ausgebaggert und ersetzt. Dann montieren sie die alten Schienen auf die neuen Schwellen.

Diese wurden provisorisch verlegt, damit am Montag beim Morgengrauen die ersten Personenzüge wieder ungehindert durch den Bahnhof Niederbipp fahren konnten.

Nächstes Wochenende werden in einem zweiten Arbeitsschritt die neuen Schienen verlegt. Die Schwellen werden millimetergenau in Position gebracht, indem der neue Schotter mit der sogenannten Stopfmaschine nochmals verdichtet wird.

Zum Schluss werden dann die neuen Schienen geschliffen, und es ist wieder vorbei mit dem romantischen Tak-tak, Tak-tak. Die modernen Schweissstellen werden keine lärmenden Lücken zwischen den einzelnen Schienen offen lassen.

18 Meter in einem Stück

Zwei Wochenenden sind erstaunlich wenig Zeit für so viel Aufwand. «Logistik und Planung machen mehr als die Hälfte der Arbeit aus», erklärt Georges Jacquat, Projektleiter der SBB. Je rund 25 Männer der Scheuchzer SA und 15 Männer der SBB arbeiten zusammen, und das im Dreischichtbetrieb. Unter den insgesamt rund 120 Arbeitern hat es erstaunlich viele Portugiesen, und im Zweifelsfall spricht man auf der Baustelle Französisch.

Die magische Zahl der Schienenbauer ist 18. Der Kran kann 18 Meter alte Gleise in einem Stück anheben. Auf dem «Puscal T» werden gleichzeitig immer 18 Meter Schienen auf die neuen Schwellen geschraubt.

Zwischen Alt und Neu geht es vor und zurück auf provisorischen Geleisen, die in Portionen von neun Metern gelegt werden. Denn so ähnlich, wie sich der Baron von Münchhausen an den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen konnte, zieht sich der Gleisumbauzug «Puscal T» auf seinen eigenen Gleisen aus dem Schotter.

Nur der «Elefant» an der Spitze fährt auf Raupen. Der Bagger heisst so, weil seine Schaufel an einen Rüssel erinnert. Damit schaufelt er den alten Schotter auf Förderbänder, welche die Steine in Richtung Solothurn weit nach hinten in die Mulden auf dem Materialzug transportieren.

«Der Schotter geht in unser Werk nach Lyss zur Reinigung und Aufbereitung», sagt Jacquat. In Richtung Olten steht schon der frische Schotter auf dem anderen Materialzug bereit.

Sicherheit geht vor

Leuchtendes Orange ist auf der Baustelle die dominierende Farbe der Kleider. Aber überwacht werden alle Arbeiten von einem Mann mit weissem Helm. «Das ist der Sicherheitsbeauftragte», erklärt Georges Jacquat.

«Mit gezielten Massnahmen konnten die Arbeitsunfälle bei Bahnbaustellen massiv reduziert werden. Heute gelten die SBB bei der Suva im Bereich der Bauarbeiten als vorbildlich.»

Aber rentiert das, wenn einer nicht mit anpackt, sondern nur überwacht? «Jeder Arbeitsunfall bedeutet viel menschliches Leid, das wir so vermeiden wollen. Aber es ist auch finanziell interessant, denn die Lohnkosten der Sicherheitsbeauftragten sind viel tiefer als die Unfallkosten, die wir dank ihnen einsparen können.»

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