Alternative Antriebe
Autosalon Genf: Wo bleiben die grünen Wunder?

Der diesjährige Autosalon, der heute eröffnet wird, zeigt: Vieles, das noch vor zwei Jahren als alternativer Antrieb galt, ist heute bereits grossserientauglich. Die grossen Wunder kommen (vielleicht) etwas später

Markus Chalilow, Genf
Merken
Drucken
Teilen
Die Zukunft verspricht Innovationen: Doch noch lässt im Gebiet der alternativen Antriebe die grosse Idee auf sich warten. Darum lenken die Hersteller mit futuristischen Designideen ab.

Die Zukunft verspricht Innovationen: Doch noch lässt im Gebiet der alternativen Antriebe die grosse Idee auf sich warten. Darum lenken die Hersteller mit futuristischen Designideen ab.

Keystone

Hybrid war das grosse Zauberwort der letzten Jahre, wenn es darum ging, den Verbrauch von Autos zu senken. Oder man setzte gleich auf Elektroantriebe mit entsprechend grossen Batterien. Eine Trendwende, das zeigt ein Rundgang auf dem Autosalon in Genf, der heute eröffnet wird, ist derzeit nicht in Sicht – interessante Alternativen allerdings schon.

Nachdem sich etwa Mercedes oder BMW in den letzten Jahrzehnten an der Brennstoffzellentechnik die Zähne ausgebissen haben, will es nun Toyota wissen. Die Japaner bieten mit dem Mirai bereits in einigen Ländern ein Fahrzeug an, das zum Betrieb eigentlich nur Wasser braucht. Bei Toyota setzt man auf die Brennstoffzelle, welche elektrische Energie liefert und das Auto mittels Elektromotoren antreibt.

Das scheint der gangbarere Weg zu sein, als wenn man den Wasserstoff als Treibstoffersatz einsetzt und in einem adaptierten Ottomotor verbrennt. An solchen Modellen haben BMW und Mazda beispielsweise lange gearbeitet oder arbeiten – unter Ausschluss der Öffentlichkeit – immer noch daran. In die Schweiz wird der Toyota aber dennoch in absehbarer Zeit nicht kommen. Denn, anders als beispielsweise in Deutschland, gibt es hier nahezu keine frei zugängliche Tank-Infrastruktur. Und was noch deutlich gravierender ist: Selbst wenn sich ein grosser Player entscheiden würde, den Bau von Wasserstoff-Tankstellen voranzutreiben: In der Schweiz fehlen dazu die gesetzlichen Grundlagen.

Ausser dem Fakt, dass ein Wasserstofftank oberirdisch angebracht werden muss, gibt es in der Schweiz noch keinerlei Standards, was Bau und Ausrüstung einer Wasserstofftankstelle angeht. Dennoch ist es ein verlockender Gedanke, dass ein Auto im Betrieb statt Abgase nur noch Wasserdampf ausstösst. Und dies bei durchaus beachtlichen Reichweiten und Leistungsdaten, die einem Mittelklasse-Benziner entsprechen.

Ist das die Revolution? Der Nano Flowcell Quant F soll aus ionischen und nichtionischen Flüssigkeiten Strom erzeugen. Obs klappt, ist unklar.
3 Bilder
Grün und trotzdem chic? Die Studie Nissan Sway verfügt zwar noch über kein Antriebskonzept, aber er sollte wohl elektrisch fahren können.
Toyota setzt auf die Brennstoffzelle. Der Mirai ist schon in einigen Ländern auf dem Markt und wird nun in Genf den Europäern gezeigt.

Ist das die Revolution? Der Nano Flowcell Quant F soll aus ionischen und nichtionischen Flüssigkeiten Strom erzeugen. Obs klappt, ist unklar.

Keystone

Die Revolution? Abwarten!

Noch viel weiter geht ein gewisser Nunzio La Vecchia mit seinem Nano Flowcell Quant F. Die Reichweite des futuristischen Autos mit Elektroantrieb soll bei 800 Kilometern liegen, die Maximalleistung kurzzeitig bei bis zu 1090 PS. Und das Beste: Die Elektrizität für die E-Motoren kommt aus zwei Tanks à 250 Liter, die jeweils eine ionische und eine nichtionische Flüssigkeit enthalten. Eine spezielle Membrane soll gemäss den Herstellern dafür sorgen, dass aus den beiden Flüssigkeiten der nötige Strom generiert werden kann. Noch ist unklar, wie das funktionieren soll, auch ist die im Fürstentum Liechtenstein ansässige Firma jeglichen wissenschaftlichen Beweis schuldig geblieben, dass ihr System funktioniert. Wir bleiben dran.

Hybrid bleibt das Thema

Hybrid ist nach wie vor das grosse Stichwort bei vielen Autoherstellern. So arbeiten Peugeot und Citroën (PSA) an Plug-in-Hybrid-Modellen. Dies vor allem auch deshalb, weil Peugeot derzeit der finanzstarke Partner fehlt, um die Hybrid-Air-Technologie zur serienreife zu entwickeln. Bei diesem System ersetzt komprimierte Luft den elektrischen Teil des Hybridfahrzeugs. Und im PSA-Konzern sind die Verantwortlichen zudem auch von der Gesetzgebung abhängig, die sich – nicht nur in Frankreich – zuweilen sehr schnell ändert. Denn werden staatliche Fördergelder gestrichen, wird eine Entwicklung sofort eingestellt. Bei PSA ist man also noch nicht so ganz schlüssig, wohin der Weg führen soll.

Das ist bei Mercedes anders. Immer mehr Modelle werden als Plug-in-Hybrid entwickelt. So auch der luxuriöse Bus, die V-Klasse. Allerdings ist dieser riesige Minivan erst eine erste Studie mit entsprechend gewaltigen Leistungsdaten. Deutlich näher an der Serienreife ist die C-Klasse mit Lademöglichkeit an der Steckdose.
Auf diese Karte setzt auch Volkswagen. Das neuste Kind der Plug-inFamilie ist der Passat GTE, dessen konventioneller Bruder zum «Car of the year» gekürt wurde. Rein elektrisch angetrieben, erreicht der Passat bis zu 130 km/h und wenn der Benziner zuschaltet, sind bis zu 220 km/h möglich. Wer es gemütlich nimmt, soll mit einer Tankfüllung über 1000 Kilometer weit kommen. Hybrid ist also überall. Auch Volvo setzt beim neuen XC 90 auf den Plug-in-Hybrid-Antrieb. Weitere Modelle werden folgen.

Besuch am Salon: Was man wissen muss

Öffnungszeiten
vom 5. bis 15. März 2015
Montag–Freitag: 10 bis 20 Uhr
Samstag–Sonntag: 9 bis 19 Uhr

Preise
Erwachsene: 16.–
Kinder von 6 bis 16: 9.–
AHV- und IV-Bezüger: 9.–
Gruppen (mehr als 20 Personen): 11.–/Pers.

Ab 16 Uhr gibt es 50 Prozent Rabatt auf allen Tickets vor Ort für einen Eintritt gleichentags. Nicht kumulierbar mit anderen Sonderangeboten.

Anreise
Die Anzahl Parkplätze im Parkhaus von Palexpo ist beschränkt. Für Besucher sind 5600 Parkplätze während der Woche und 10 000 Plätze am Wochenende in einem Umkreis von 5 Kilometern von Palexpo exklusiv reserviert. Pendelbusse sorgen für die Verbindung zwischen den Aussenparkings und dem Haupteingang von Palexpo. Preis 20.–/Fahrzeug (Parkgebühr + Transfer unabhängig der Anzahl Insassen).

Empfohlen wird die Anreise mit dem Zug. Dank des SBB RailAway-Kombis fahren Sie zum vorteilhaften Preis an den Salon (–10%) und profitieren von einem vergünstigten Eintritt (–30%). Informationen: www.sbb.ch/autosalon.

Unterkunft
Genève Tourisme bietet Sonderangebote an. Ab 77 Franken pro Person für Übernachtung und Eintrittsticket für den Salon. Infos unter: www.geneve-tourisme.ch.

Weitere Informationen zum Salon: www.salon-auto.ch

Die Auswahl an reinen Elektroautos wird derzeit nicht viel grösser. Einzig Chevrolet hat mit dem Bolt, der allerdings nicht nach Europa kommt, einen neu entwickelten Stromer im Angebot. Der soll in den USA unter 30 000 Dollar kosten und in etwa die gleichen Werte erreichen wir der deutlich teurere BMW i3. Eine echte Kampfansage an die grossen Elektroautohersteller wie Nissan/Renault, Volkswagen oder eben BMW.

Interessant: Der indische Hersteller Tata stellt in Genf einen konventionellen Kleinwagen vor, der ebenfalls Bolt heisst. Das dürfte noch zu Diskussionen und vielleicht sogar Prozessen führen. Während Chevrolet beim Bolt also auf Elektro setzt, ist der Antriebsstrang des Nissan Sway noch nicht definiert. Der schnittige Kompaktwagen soll aber, je nachdem, was gewünscht ist, entweder mit konventionellen Antriebsaggregaten oder auch einem Elektroantrieb ausgerüstet werden können. Ein echter Hingucker ist der Sway aber so oder so.

Erdgas nur ein Randthema

Ganz still ist es an der Erdgas-Front geworden. Obwohl VW mit aller Macht solche Fahrzeuge an den Start bringen will, um damit wichtige CO2-Emissionen einzusparen. Trotzdem führen die Erdgas-Modelle auf den Ausstellungsflächen der grossen Anbieter in Genf ein Mauerblümchen-Dasein, obwohl das zu bedauern ist. Doch wenn der VW-Konzern seine Marketingmaschinerie in Gang setzen sollte, wird auch der Erdgasantrieb (in der Schweiz mit einem gehörigen Anteil an CO2-neutralem Biogas) weiter an Bedeutung gewinnen. Vor allem dann, wenn die Benzinpreise wieder deutlich anziehen sollten. Bis dahin warten wir weiter auf einen Wunderantrieb, an dem viele arbeiten. Aber es ist so: Selbst in der mächtigen Auto-Industrie dauern Wunder etwas länger.

Die neusten Modelle auf dem Auto-Markt finden Sie HIER.