Ratgeber Gesundheit
Augenoperation oder Brille?

Vor einem Jahr liess ich (70) in einer Privatklinik am rechten Auge den grauen Star operieren und eine Multifokallinse einsetzen. Erfolg gleich null. Abklärungen haben ergeben, dass nun eine Vitrektomie nötig sei. Ich möchte aber nicht operieren, wenn ich nicht sicher weiss, dass die Sehschärfe damit korrigiert werden kann. Am liebsten würde ich die Sehschärfe wieder mit einem Brillenglas korrigieren, da ich sowieso noch eine Brille trage für die Korrektur des linken Auges. Was raten Sie? Frau M. M. aus G.

Prof. Dr. med. Hanspeter Killer
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Gesundheit Aargau
Prof. Dr. med. Hanspeter E. Killer Prof. Dr. med. Hanspeter E. Killer, Chefarzt Augenklinik KSA

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Ich sehe zwei Probleme, ein medizinisches und ein kommunikatives. Eigentlich wäre in diesem Fall der operierende Arzt der beste Ansprechpartner, sind ihm doch die Fakten bekannt und die Akten zugänglich. Als «Fremdbeobachter» kann ich über Details nur mutmassen und müsste, bevor ich antworte, ein paar Fragen an Sie stellen.

Haben Sie eine Multifokallinse gewünscht oder wurde sie Ihnen empfohlen? Hat man Sie über die Nachteile aufgeklärt? Denn solche gibt es viele. Ich sehe wenig gute Gründe, Multifokallinsen einzusetzen. Sie werden in der Regel von den Kassen nicht bezahlt und führen daher zu höheren Kosten für den Patienten. Zudem sind sie in Bezug auf Verträglichkeit und optische Qualität Kompromisslösungen. Wäre es anders, würden sie sicher häufiger verwendet.

Ihr Beispiel aber zeigt, dass es beim Sehen um weit mehr geht als nur um einen Linsenwechsel. Meine nächste Frage bezieht sich auf die Vitrektomie: Hat Ihnen der Optiker diesen Eingriff empfohlen oder der operierende Arzt? Wie hat er ihn begründet? Hat sich nach der Kataraktoperation eine Makulaveränderung eingestellt? Hat man vor der Operation die Makulasituation abgeklärt? Was verspricht man sich von der Vitrektomie?

Ohne die nötigen Untersuchungen und Informationen ist es schwierig, guten Rat zu erteilen. Und dieser sollte deshalb auch nur mit Vorsicht gegeben werden. Mein Vorschlag: Machen Sie noch einmal einen Termin in der Privatklinik und stellen Sie dem Arzt, der Sie operiert hat, diese Fragen persönlich. Falls sie dann noch immer nicht verständlich beantwortet sein sollten, suchen Sie einen erfahrenen Arzt, der Ihnen eine Zweitmeinung geben kann. Wichtig dabei ist, dass dieser auch im Stande ist, eine Vitrektomie durchzuführen, falls eine solche tatsächlich nötig wäre. Viel mehr kann ich Ihnen in dieser Situation leider nicht raten.