Generationenwechsel
Auf dem ältesten Zürcher Flohmarkt weht ein neuer Wind

Die ehemalige Werberin Monika Luck hat in ihrer ersten Saison als Präsidentin des Bürkliplatz-Flohmarkts einiges umgekrempelt.

Florian Niedermann
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Sie verkauft seit 1978 ihre Waren auf dem Bürkliplatz: Monika Luck, die neue Präsidentin des Vereins Zürcher Flohmarkt.

Sie verkauft seit 1978 ihre Waren auf dem Bürkliplatz: Monika Luck, die neue Präsidentin des Vereins Zürcher Flohmarkt.

Florian Niedermann

Von Monika Luck hätte das wohl niemand erwartet: «Ich bin eine schlechte Händlerin», sagt sie während des Interviews fast beiläufig. Nun wird das vielleicht ein beträchtlicher Teil der Schweizer Bevölkerung auch von sich behaupten, doch handelt es sich bei der 66-Jährigen nicht um irgendjemanden: Luck, eine ehemalige Werberin und langjährige Geschäftsleiterin des Verbands «Schweizer Werbung», verkauft schon seit 38 Jahren regelmässig Glas, antike Keramik und gebrauchtes Dekomaterial an einem Stand am Bürkliplatz-Flohmarkt. Vergangenes Jahr wurde sie Präsidentin der Händlervereinigung Zürcher Flohmarkt (VZF). Seither weht ein frischer Wind über den Platz zwischen Bahnhof- und Fraumünsterstrasse.
Als die frühere VZF-Präsidentin, Yvonne Behrendt, 2013 nach 23 Jahren ihr Amt abgeben wollte und sie fragte, ob sie übernehmen würde, zögerte Luck. Sie hatte zu diesem Zeitpunkt als Geschäftsleiterin beim Werberverband schon viel Vereinsarbeit geleistet und dieses Amt eben erst abgegeben. Doch zwei Jahre später zeichnete sich noch immer keine Nachfolgeregelung ab. «Da dachte ich mir: Warum nicht? Aufgrund meiner Erfahrung fällt mir diese Aufgabe sicher leichter als anderen», so Luck. Sie stellte sich zur Wahl und wurde von den VZF-Mitgliedern kurz darauf gewählt.

Mit Luck kam die Veränderung

Kaum war sie am Ruder, begann sie den Flohmarkt umzukrempeln. Heute verfügt der Verein nicht nur über eine neue, ansprechend gestaltete Website mit allen wichtigen Informationen für Besucher und Händler, der Flohmarkt findet in der kommenden Saison auch nicht mehr samstags von 6 bis 16 Uhr, sondern von 7 bis 17 Uhr statt. Die früheren Öffnungszeiten hätten nicht mehr dem Bedürfnis der Kunden entsprochen, erklärt Luck: «Morgens um
6 Uhr ist der Markt heute fast leer. Und die Besucher können es auch kaum verstehen, wenn die Händler bereits um halb vier zusammenräumen. Das war früher anders.» Vergangenen Sommer sammelte sie bei Flohmärtlern und Kunden 460 Unterschriften und bat beim Stadtrat um eine Verschiebung der Öffnungszeiten. Es funktionierte.

Zwar ist die Neuerung vorerst auf die kommende Saison von Mai bis Ende Oktober beschränkt, doch Luck ist zuversichtlich, dass alle Beteiligten – Marktfahrer, Kunden und die städtische Marktpolizei – damit zufrieden sein werden. Als sie die Idee aufbrachte, stiess sie selbst in den eigenen Reihen des Vereins auf Widerstand, wenn auch bei einer Minderheit. «Viele von uns sind schon seit Jahrzehnten dabei. Sie haben sich an die alten Öffnungszeiten gewöhnt», erklärt Luck.

Der Bürkliplatz-Flohmarkt ist der älteste Gebrauchtwarenmarkt in der Stadt. Bei seiner Gründung 1971 bestand er noch aus 16 Verkaufsständen. Schnell wurde daraus jedoch ein ansehnlicher Markt mit bis zu 500 festen und wechselnden Anbietern. Doch im Gegensatz zum jüngeren Bruder auf dem Kanzlei-Areal, der aus den bewegten Zürcher Achtzigerjahren hervorgegangen ist, richtete sich der Bürkli-Flohmarkt nie an eine junge, hippe Kundschaft. Die Händler und der Verein versuchten stets, den Anteil echter Antiquitäten hoch und jenen der Stände mit billigen Kleidern tief zu halten. Das brachte dem Markt den Ruf einer Fundgrube für Qualitätsware ein.

19 Neumitglieder machen Hoffnung

Am Image des Bürkliplatz-Flohmarkts soll sich laut Luck auch in Zukunft nichts ändern. Der VZF selbst befindet sich seit vergangener Saison hingegen in einem starken Wandel. Drei von acht Vorstandsämtern sind derzeit nicht besetzt. Darauf angesprochen sagt die Präsidentin, es finde ein Generationenwechsel statt: «Unsere Mitglieder sind meist im fortgeschrittenen Alter. Da ist es schwierig, Nachfolger zu finden.» Immerhin habe sie vergangene Saison unter den Händlerinnen und Händlern 19 neue – auch jüngere – Vereinsmitglieder anwerben können. Es werde sich zeigen, ob nun auch der Vorstand wieder besetzt werden könne, so die pensionierte Werberin.

Sie selbst verkaufte 1978 erstmals am Bürkliplatz, nachdem ihre Mutter eine Liegenschaft im Thurgau räumen musste. «Das Haus war von oben bis unten voller toller Antiquitäten», erinnert sich die zweifache Mutter. Sie, ihr Bruder und ihr heutiger Ehemann beschlossen, diese Waren auf dem Flohmarkt feilzubieten. Luck war sofort angefressen: «Ich habe Freude an alten Dingen. Zudem hatte ich es auf dem Flohmarkt mit einem ganz anderen Schlag Menschen zu tun als im Beruf. Ich fand es immer ein sehr schönes Hobby», so Luck.
Zu mehr reichte es aber nie: Zu Beginn habe sie mit Antiquitäten noch gutes Geld verdienen können. «Doch heute lege ich eher drauf, als wirklich zu verdienen», sagt die Stadtzürcherin. Und nach ihrer eigenen Einschätzung liegt dies nicht an ihren Händlerqualitäten. Antike Keramik oder Kupferwaren seien heute nicht mehr so gefragt, erklärt Luck. Die Öffnungszeiten sind nicht der einzige Punkt, in dem sich die Bedürfnisse der Flohmarkt-Kundschaft verändert haben.

Der Bürkliplatz-Flohmarkt startet am 7. Mai in die neue Saison.

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