Badenfahrt
Auf das Feuerwerk gewartet – es blieb bei der Illusion

Wie das Fest-Thema Illusionen an der Badenfahrt 1982 bis zuletzt konsequent durchgespielt wurde.

Roman Huber
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Eine erste Garbe kündigte das Feuerwerk an – doch damit war der Zauber schon vorbei.

Eine erste Garbe kündigte das Feuerwerk an – doch damit war der Zauber schon vorbei.

Ruedi Fischli

Der Festfieberthermometer auf Schloss Stein registrierte beziehungsweise kündigte schon lange vor der Badenfahrt 1982 das steigende Festfieber in der Stadt und in der Region an. Es war ein Gemeinschaftswerk von BBC-Stiften, städtischen Elektrikern, Gerüstbauern, Grafikern und den Badener City-Leuten.

Die Ankündigung im offiziellen Festprogramm war ultimativ und verheissungsvoll: So sollte sich am Sonntagabend, den 22. August, um 22.22 Uhr das Fieberthermometer in einen feuerwerkenden Vulkan verwandeln, «weil das Festfieber der Badener die Quecksilbersäule aus ihrer Fassung treibt». Tausende von Badenfahrenden standen den schon lange vor 22.22 Uhr auf allen Strassen der Stadt, versuchten einen guten Platz mit Sicht auf den Schlossturm zu ergattern und harrten gespannt auf das pyrotechnische Finale einer grossen Badenfahrt, die sämtliche Diskussionen über «grosse» oder «kleine» Badenfahrten obsolet machte.

Die kleine Feuerwerkgarbe

Es schoss eine erste kurze Feuergarbe in den Himmel und verglimmte in der Luft. Und alles erwartete nach diesem Beginn einen gigantischen Feuerzauber. Doch der Zauber war aus, vorbei. Minutenlang blieb das Festpublikum stehen und verharrte, hoffte immer noch, dass es pyrotechnisch eine Fortsetzung gäbe. Dass dem nicht so war, verdankten wohl alle Tiere in der und um die Stadt Baden herum, weil sie von weiteren Kanonaden verschont geblieben waren.

Damit setzt eine allerletzte Illusion ihren Schlusspunkt unter eine Badenfahrt der Rekorde. «Ich hätte mir gewünscht, jener zeitlich begrenzte Ausnahmezustand der Weitherzigkeit und Toleranz», wie ein Badener Journalist die Badenfahrt treffend umschrieben hat, «möge auch auf die fünf Jahre bis zur nächsten Badenfahrt abfärben, damit die mitteilsamen und fröhlichen Badenfahrer nicht über Nacht wieder zur grauen Masse erstarren, die wortkarg nach Baden fährt. Eine letzte Illusion der Badenfahrt 1982. Warten wir es ab ...» hiess es in den Badener Neujahrsblättern 1983 von Matthias Saxer, einst Redaktor des Badener Tagblatts.

«Weisch no. . .»: Haben Sie persönliche Fotos von Badenfahrten, schicken Sie uns diese mit ein paar Angaben an baden@badenertagblatt.ch