Rumisberg
Asylunterkunft Rumisberg: «Das wären arme Asylbewerber»

Auf dem Hellchöpfli in Rumisberg sollen schon bald Asylsuchende untergebracht werden. Da die Militäranlage abgelegen ist, soll mit wenig Widerstand aus der Bevölkerung gerechnet werden.

Andrea Marthaler / Alois Winiger
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Die Armeeanlage befindet sich abgelegen auf dem Hellchöpfli in 1200 Meter Höhe.

Die Armeeanlage befindet sich abgelegen auf dem Hellchöpfli in 1200 Meter Höhe.

Peter Brotschi

Eigentlich hätte Stillschweigen gewahrt werden sollen. Doch nun bestätigt der bernische Regierungsrat Hans-Jürg Käser (FDP): «Es ist eine Asylunterkunft in der Armeeanlage auf dem Hellchöpfli geplant.» Jedoch nicht eine Notfallunterkunft des Bundes, sondern ein kantonales Durchgangszentrum. Dies in Zusammenarbeit mit dem Kanton Solothurn. Maximal 120 Personen haben in der Anlage Platz.

Orientiert wurden bisher lediglich die Gemeindepräsidenten der fünf betroffenen Gemeinden: Rumisberg, Wolfisberg, Farnern, Laupersdorf und Matzendorf. Die Bevölkerung hätte informiert werden sollen, sobald die Pläne konkret sind.

Denn wie Käser betont, sei noch unklar, ob die Unterkunft überhaupt als Durchgangszentrum geeignet ist: «Wir klären erst mit der Besitzerin, der Armasuisse, ab, ob sie die Anlage zur Verfügung stellt.» Käser rechnet mit geringem Widerstand aus der Bevölkerung. Denn die Anlage ist sehr abgelegen und mit dem Auto nur über Laupersdorf erreichbar. «Zudem spüre ich bei den Gemeinden eine gute kooperative Zusammenarbeit», so Käser.

Diese zeigten sich gestern entsprechend empört, dass das Stillschweigen gebrochen wurde. Denn lediglich die Gemeindepräsidenten waren mündlich orientiert. Nicht einmal mit ihren Ratskollegen durften sie darüber sprechen. Erst am heutigen Dienstag soll es einen weiteren Informationsanlass für die betroffenen Gemeinden geben. «Ich gebe absolut keine Auskunft», sagte gestern denn auch Roland Guazzini, Gemeindepräsident von Farnern.

Erst braucht es mehr Informationen

Bei den anderen Gemeinden zeigten sich die Gemeindepräsidenten aber durchaus kooperationsbereit. «Wir sind nicht abgeneigt, Hand zu bieten», bestätigt Ulrich Leuenberger, Gemeindepräsident von Wolfisberg, jener Gemeinde, die räumlich gesehen am nächsten bei der auf 1200 Metern gelegenen Armeeanlage ist. Hans Ryf, Gemeindepräsident von Rumisberg hingegen hofft, dass der Widerstand in der Bevölkerung nicht gross wird. Die Asylunterkunft wäre auf Rumisberger Boden. «Wir werden jetzt erst mal sehen, wie die Verhandlungen weitergehen», betont er.

Auch auf Solothurner Seite ist man bereit zur Zusammenarbeit: «Wenn wir mehr Informationen haben, werden wir im Gemeinderat darüber diskutieren», sagt Peter Bühlmann, Matzendorfs Gemeindepräsident.

Er sei nicht per se gegen eine Asylunterkunft auf dem Hellchöpfli: «Das Problem mit dem Platzmangel für Asylsuchende ist nun einmal da. Man muss konstruktiv mithelfen, eine Lösung zu finden.»

Der Laupersdörfer Gemeindepräsident Thomas Schwaller hält ebenfalls fest, dass er grundsätzlich nicht gegen das Vorhaben sei, allerdings müssten Bedingungen erfüllt sein. «Wir wollen ein Konzept für den Betrieb und für den Transport sehen. Es darf auf keinen Fall sein, dass Asylsuchende massiert in den Dörfern auftreten. Denn das gäbe sicher Probleme.»

Nachbarn nicht gegen Pläne

Die nächsten Nachbarn bei der möglichen Asylunterkunft sind zwei Ausflugsrestaurants: die Hinteregg in Rumisberg und die Buechmatt in Wolfisberg. Die beiden Wirtinnen zeigen sich offen für die Pläne des Kantons: «Von mir aus können dort Asylbewerber einquartiert werden. Irgendwohin müssen sie ja», sagt Annette Hauser von der Hinteregg.

Ob nun Militärs oder Schwarze vorbei- liefen, sei ihr egal. Cornelia Bader von der Buechmatt zeigte gar Erbarmen mit den Asylbewerbern. «Das wären arme Kerle, das Hellchöpfli liegt derart abgelegen.» Gerade im Winter seien sie dort oben praktisch abgeschnitten.

Läuft alles nach Plan der Kantone, soll das Durchgangszentrum auf der Jurahöhe im März eröffnet werden. Für wie lange, ist allerdings offen. «Es ist kein Definitivum», betont Polizei- und Militärdirektor Käser. «Es bliebe offen, solange der Bund dem Kanton viele Asylbewerber zuweist.» Sicher ist, dass andere kürzlich geöffnete Durchgangszentren wie jene unterirdisch in Zivilschutzanlagen als erste wieder geschlossen werden.