Bern
Anti-AKW-Camper nutzen Ostertage intensiv

Die Teilnehmer und Sympathisanten des Protest-Zelt lagers vor dem BKW-Hauptsitz in Bern intensivieren über Ostern ihre Aktivitäten.

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Solothurner Zeitung

Zu reden gibt vor allem die geplante Menschenkette um das BKW-Gebäude anlässlich des Jahrestags der Tschernobyl-Katastrophe. Die Menschenkette soll gewaltfrei vor sich gehen, sagte AKW-Gegner und Camp-Teilnehmer David Böhner am Dienstag vor den Medien im Zeltlager. Die Aktivisten lehnten körperliche und verbale Gewalt ab und wollten keine Sachen beschädigen, versicherte er.

Das Ziel der Menschenkette sei es, die Atomlobby unter Druck zu setzen. Diese sollte denn auch nach Ansicht der Aktivisten am kommenden Dienstag – exakt 25 Jahre nach der Katastrophe von Tschernobyl – nicht zur Arbeit gehen und stattdessen «über Alternativen zur Atomenergie nachdenken». Wie man sich bei der Menschenkette genau verhalten wolle, werde in den nächsten Tagen analysiert, führte der Aktivist aus. Probleme könnte es vor allem geben, wenn die BKW-Angestellten zu ihrem Arbeitsplatz gelangen möchten. Die Aktivisten wollen nach eigenen Angaben bei ihrer Menschenkette aber Strafen vermeiden.

Protest-Festival geplant

Die Atomgegner planen für die Zeit von Gründonnerstag bis zum Dienstag der nächsten Woche ein Oster-Protest-Festival im Zeltlager. Auf dem Programm stehen täglich Brunch und Znacht sowie Vorträge, Workshops und Konzerte.

Das Lager auf der Wiese beim Berner Viktoriaplatz habe vor zwei Wochen in einem bescheidenen Rahmen begonnen, sagte Teilnehmer Claudio de Capitani dazu. Inzwischen stünden aber vor dem BKW- Hauptsitz zahlreiche kleinere Zelte, ein grösseres Zirkuszelt und sogar eine Küche.

Unterstützung erhielten die Atomgegner gestern vom Berner GB- Stadtrat Urs Frieden und der SP-Grossrätin Béatrice Stucki. Frieden bezeichnete das Zeltlager als zivilen Ungehorsam, der die juristischen und politischen Bestrebungen im Kampf gegen Atomkraftwerke gut ergänze.

Frieden wie auch Stucki leben beide im Berner Nordquartier, wo sich das Zeltlager befindet. Die Grossrätin verteidigte das Zeltlager und betonte, dass stets alles sauber bleibe und das Trottoir problemlos begehbar sei. Das Zeltlager habe sich zu einem kleinen Quartiertreffpunkt entwickelt, sagte Stucki. Das sehen nicht alle Quartierbewohner gleich. Anfang dieser Woche äusserte sich der Leist Bern-Nord in einem Brief an den Berner Gemeinderat zum Zeltlager. Darin wurde festgehalten, dass sich viele Bewohner daran störten, dass auf einem öffentlichen Platz campiert werde.

Camp ist weiterhin illegal

Auf Anfrage hiess es gestern bei der städtischen Sicherheitsdirektion, die von den Aktivisten angekündigten Anlässe seien an verschiedenen Sitzungen ein Thema. Das Camp sei weiterhin illegal, werde im Moment aber noch toleriert. Der Gemeinderat sei der Ansicht, dass die atomare Katastrophe in Japan viele Menschen bewege. Gemeinderat Reto Nause (CVP) sagte, die Menschenkette bereite ihm gewisse Sorgen. «Kommt es in den nächsten Tagen zu Problemen, verliert das Camp in den Augen vieler Bürger seine Unschuld.» (sda, uz)

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