Solothurn
Angespannte Stimmung beim letzten Prozesstag gegen «Richterbeisser» Kuno W.

Die Verhandlung im Fall Kuno W. ist abgeschlossen. Über Recht und Unrecht entscheidet nun das Gericht.

Lara Enggist
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Der «Richterbeisser» Kuno W auf dem Weg zum Amtsgericht Solothurn-Lebern an seinem ersten Prozesstag am Freiag.

Der «Richterbeisser» Kuno W auf dem Weg zum Amtsgericht Solothurn-Lebern an seinem ersten Prozesstag am Freiag.

Tele M1

Versuchte schwere Körperverletzung, Gewalt und Drohungen gegen Behörden, üble Nachrede und Belästigung. Die Liste der Anklagepunkte von Kuno W. ist lang. Welche Massnahmen zu ergreifen sind, dazu wurden am letzten Verhandlungstag am Dienstag durch die verschiedenen Parteien Plädoyers gehalten.

Bereits zu Beginn der Verhandlung war die Stimmung im Gerichtssaal spürbar angespannter als am Vortag. Die verschiedenen Parteien schienen unter Druck zu stehen und auch die Herren Richter waren nicht mehr zum Witzemachen aufgelegt.

«Dass er nicht anders konnte, ist eine reine Schutzbehauptung», eröffnete Staatsanwältin Kerstin von Arx ihr Plädoyer. W. hätte gegenüber einer der Geschädigten, welche er laut der Anklage bedroht, beschimpft und sexuell belästigt haben soll, sehr wohl eine andere Möglichkeit gehabt, sich zu verteidigen.

Ihm gehe es schlicht darum, den Menschen, welche nicht nach seiner Pfeife tanzen, Schaden zuzufügen. W. war seine innere Anspannung förmlich anzusehen – es schien ihm schwer zu fallen, die Vorwürfe über sich ergehen zu lassen.

«Seine kriminelle Energie muss als hoch eingestuft werden», fuhr die Staatsanwältin fort. Die Taten des Beschuldigten seien sicher auch mit der durch einen Gutachter festgestellten psychischen Störung in Verbindung zu setzen, die Krankheit entlaste ihn aber nicht per se.

Zudem sei die Behauptung, dass er nicht rechtmässig verteidigt worden wäre, falsch. Da sprang W. plötzlich auf und verkündete aufgebracht, dass er den Gerichtssaal nun verlassen werde. Dieses Verhalten rechnete ihm sein Verteidiger, Rechtsanwalt Daniel Walder, später hoch an und wies mit Stolz in der Stimme darauf hin, dass W. dazugelernt habe. «Früher wäre die Situation eskaliert», fügte er an.

Konkret fordert die Staatsanwaltschaft dreieinhalb Jahre Haft unter Anrechnung der Untersuchungshaft von 358 Tagen und den Ersatzmassnahmen im Rahmen von drei Monaten. Beantragt sind für Kuno W. desweiteren Verwahrung und Sicherheitshaft. Zudem soll er eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen und eine Busse von 2500 Franken bezahlen.

«Uneinsichtig und unbelehrbar»

Der Vertreter der geschädigten Staatsanwältin, Rechtsanwalt Stefan Wehrenberg, sprach von falschen Beschuldigungen, Beleidigungen und sexueller Belästigung und war sich sicher: «W. wollte die Beschädigte bewusst unter Druck setzen und sie einschüchtern.»

Er forderte 6000 Franken Genugtuung und 10'000 Franken Schadensersatz. Er halte den Beschuldigten für gefährlich, uneinsichtig und unbelehrbar und schlug eine Verwahrung vor. Das Mindeste, was er vom Gericht erwarte, sei ein absolutes Kontaktverbot für W. gegenüber seiner Klientin.

Von Behörde übergangen

Kuno W.s Verteidiger Daniel Walder forderte einen Freispruch. Sein Mandant sei über Monate hinweg von Beamten und Behörden übergangen – gar widerrechtlich behandelt worden. «Das Ganze gleicht einer Zerstörungskampagne an W.», sagte Walder bestimmt. Der Staat sei verpflichtet, die Menschenwürde zu berücksichtigen und das sei bei W. eben genau nicht der Fall gewesen.

Bei den Taten seines Mandanten habe im Vorfeld fast immer eine Provokation durch Beamte stattgefunden. Und dies, obwohl den Behörden zu jener Zeit bewusst war, dass sich W. durch die Behörden verletzt und bedroht fühle. Den zuständigen Behörden warf er falsche, unsachgemässe und teilweise sogar widerrechtliche Verfahren vor.

Kuno W. selbst verhielt sich während seinen abschliessenden Worten ruhig. Er erzählte aus seinem Leben, von seinem Sohn und seiner grossen Leidenschaft: dem Dressieren von Jagdhunden. Es wirkte, als wolle er den Richtern zeigen: Seht her, ich bin trotz meiner Taten ein ehrwürdiger Mann. Sein Schlusswort klang wie ein Hilferuf: «Und nochmals: Ich brauche einen Coach.»

Nun entscheidet das Gericht über Schuld oder Unschuld des «Richterbeissers» Kuno W. Das Urteil wird durch das Amtsgericht Solothurn-Lebern am 28. Februar bekannt gegeben.