Wohnen
An einer der lautesten Strassen der Schweiz sind komfortable Studentenwohnungen entstanden

Günstige Studentenzimmer sind in Zürich nicht leicht zu finden. Die Nachfrage übersteigt das Angebot bei weitem. Jetzt schafft das Studierendenwohnhaus Rosengarten Abhilfe. Es ist ein Tropfen auf den heissen Stein. Aber was für einer!

Matthias Scharrer
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«Es war uns wichtig, den städtischen Raum hier aufzuwerten», sagt Architekt Christian Scheidegger.

«Es war uns wichtig, den städtischen Raum hier aufzuwerten», sagt Architekt Christian Scheidegger.

Matthias Scharrer

Für rund 70000 Studierende in Zürich beginnt demnächst das neue Semester. Wie viele es genau sind, kommunizieren die Hochschulen erst in den kommenden Wochen. Doch laut Rebecca Taraborrelli, Geschäftsführerin der Stiftung für Studentisches Wohnen Zürich (SSWZ), zeichnet sich eine weitere Zunahme ab; nicht zuletzt, weil Ausland- und Zwischenjahre wegen der Coronakrise jetzt wenig gefragt seien.

Das bedeutet: Die Nachfrage nach studentischem Wohnraum steigt. Doch auch auf der Angebotsseite tut sich etwas – zumindest ein wenig. So hat die SSWZ an der Rosengartenstrasse eine neue Studentenwohnsiedlung erbaut. Die Bauarbeiten sind fast fertig; am 1. September ziehen die ersten Wohngemeinschaften (WG) ein. Auf einem Medienrundgang präsentierten Taraborrelli und Architekt Christian Scheidegger gestern die neuen Studentenwohnungen.

Aufs Ganze gesehen sind die 130 Zimmer nur ein Tropfen auf den heissen Stein. Aber was für einer! Das Studentenwohnhaus Rosengarten liegt an einer der lautesten Strassen der Schweiz: Gegen 60000 Autos durchqueren täglich auf der Achse Rosengarten-/Bucheggstrasse die Stadt Zürich.

Doch in den Wohnungen ist der Lärm kaum hörbar, wenn die Schallschutzfenster geschlossen sind. Und auf der ruhigen Quartierseite der Siedlung erstellt die Stadt Zürich einen Park, der nächstes Jahr ergrünen soll. Zudem sind jeweils zwei Wohnungen durch eine Loggia verbunden, die auch zur Belüftung dient. Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich laut Taraborrelli auf 30 Millionen Franken. Den Hauptteil davon trägt die von Uni und ETH Zürich mitgegründete SSWZ; auch die Stadt und der Kanton Zürich beteiligen sich.

Die Mieterschaft wird bunt zusammengewürfelt

Ein Zimmer kostet durchschnittlich 580 Franken pro Monat. Die jeweils zweistöckigen Wohnungen sind für WGs mit sieben oder acht Personen gestaltet. Möbel, Wlan, jeweils zwei Kühl- und Eisschränke, zwei Nasszellen mit WC und Dusche und – erstmals in einer SSWZ-Siedlung – eine Geschirrspülmaschine gehören ebenfalls zur Grundausstattung. Letzteres sei mit heutigen Spülmaschinen ökologischer, als von Hand abzuwaschen, erklärt die SSWZ-Geschäftsführerin.

Die Vergabe der Zimmer läuft über die studentische Wohngenossenschaft Woko. Sie verwaltet rund 5000 der insgesamt 6000 Studentenzimmer in Zürich. Wie bei Erstvermietungen ihrer Studentenwohnungen üblich, werden die WGs laut Taraborrelli bunt zusammengewürfelt. Es habe sich bewährt, auf einen Mix aus Studenten verschiedener Richtungen, Geschlechter und Altersklassen zu achten: «Der Austausch ist wichtig.» Einzige Voraussetzung: Man muss unter 28-jährig und an einer Hochschule in Zürich eingeschrieben sein. Nach der Erstvermietung dürfen die WGs selber entscheiden, wen sie bei Wechseln aufnehmen wollen.

Die Erstvergabe aller Studentenzimmer der neuen Siedlung hat bereits stattgefunden. Was rät Taraborrelli Studierenden, die jetzt noch eine Bleibe suchen? Sie verweist auf einschläge Online-Plattformen, die WG-Zimmer vermitteln. Und auf die Woko.

Studenten sollen das Strassenbild beleben

Doch zurück zur Rosengartenstrasse. Architekt Scheidegger sieht die von ihm mitgestaltete Studentensiedlung auch in einem städtebaulichen Zusammenhang: «Es war uns wichtig, dass man den städtischen Raum hier aufwertet», sagt er, während die Autos vorbeirauschen. Deshalb seien auch die Wohn- und Esszimmer der WGs zur Durchgangsstrasse hin ausgerichtet. Dies solle das Strassenbild beleben.

Nach den Plänen des Kantons hätte die tägliche Blechlawine am Rosengarten in einen Tunnel versenkt werden sollen. Doch das kantonale Stimmvolk lehnte das Milliardenprojekt letztes Jahr ab. So bleibt die Rosengartenstrasse vorerst eine Gegend, in der sich auch günstiger Wohnraum finden lässt.

Uni Zürich setzt teils auf Maskenpflicht

Wie gehen die Zürcher Hochschulen im Herbstsemester mit der Corona-Pandemie um? Die neuen Schutzkonzepte sind noch nicht überall ganz spruchreif. Doch einige Eckwerte stehen. So setzt die Universität Zürich, Stand jetzt, auf eine Maskenpflicht, sofern ein Abstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann. Dies betrifft etwa Laborräume oder Räume für praktische Kurse, wie eine Uni-Sprecherin mitteilte. In den Hörsälen werde nur eine entsprechend markierte Anzahl Plätze freigegeben. Es sei sichergestellt, dass der Unterricht auch digital absolvierbar sei.

Das Schutzkonzept der ETH Zürich fürs neue Semester wird erst nächste Woche fertiggestellt. ETH-Rektorin Sarah Springmann kündigte vor den Sommerferien eine Mischung aus Präsenz- und Onlineunterricht an. Die Maskenpflicht sei eine Option.

An der Zürcher Hochschule der Künste gilt ab Herbstsemester bei allen Lehrveranstaltungen eine Maskenpflicht, wie eine Sprecherin mitteilte. Die Pädagogische Hochschule Zürich will in den kommenden Tagen entscheiden, ob und wenn ja in welchen Situationen Maskenpflicht herrscht. An der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften sind Masken gemäss Schutzkonzept in Labor-ähnlichen Räumen zu tragen.

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