Fusion
An der Grenze zwischen Baselland und Basel-Stadt

Weshalb Grossratspräsident Christian Egeler entlang der Kantonsgrenze zwischen Baselland und Basel-Stadt einen Banntag durchführt.

Hans-Martin Jermann
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Grenzstein BS BL

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bz Basel

Viele Baselbieter Gemeinden kennen den Brauch seit Jahrhunderten, die basel-städtischen Landgemeinden Riehen und Bettingen führen ihn seit vielen Jahren durch, und in jüngerer Zeit wurde er auch im Stadtquartier Kleinhüningen einführt: Die Rede ist vom Banntag. Jedes Jahr im Mai (an den meisten Orten rund um die Auffahrtstage) schreiten die Bürger die Gemeindegrenze ab. Nicht so in der Stadt Basel. Doch das soll sich 2014 ändern - zumindest für ein Mal: Grossratspräsident Christian Egeler (FDP) organisiert am 24. Mai einen Banntag entlang der Kantonsgrenze von Basel-Stadt und Baselland.

«Keine Pro-Fusionsveranstaltung»

Der Banntag des aktuell «höchsten Baslers» versteht sich allerdings weniger als Nostalgieveranstaltung für Weisswein- und Flieder-Liebhaber denn als Geschichtslektion mit aktuellem politischen Bezug: Die Route vom Allschwiler Bachgraben bis zum Margarethenpark ist bewusst gewählt. Sie folgt einer Grenze, die zwar zwei Kantone trennt - funktional aber mitnichten eine Grenze zwischen Stadt und Land darstellt. Eine Grenze, die im Alltag eine untergeordnete Rolle spielt und selbst für Kenner der lokalen Geografie Detailwissen abverlangt.

«Ich möchte gerne die Menschen an diese zumeist unsichtbare Grenze bringen - und damit zum Diskutieren über Sinn und Unsinn dieser Grenze», erklärt Christian Egeler. An interessanten Stellen werden Kurzreferate gehalten. Als Pro-Fusions-Veranstaltung will der 44-Jährige seinen Banntag aber nicht verstanden wissen. Am 24. Mai seien alle Meinungen willkommen. Persönlich eingeladen werden die Basler Grossräte und Baselbieter Landräte sowie die Regierungen beider Halbkantone. Darüber hinaus dürfen aber alle Interessierten teilnehmen.

Ein neckischer Zufall: Egelers Banntag findet keine 48 Stunden vor dem traditionellsten und grössten Bannumgang der Region statt; jenem von Liestal, an dem dieses Jahr die Selbstständigkeit des Baselbiets besonders betont werden dürfte.

Dreispitz: dynamischer Raum mit grossem Potenzial

Klar ist: Egeler, der progressive Freisinnige mit Faible für ökologische Themen, ist ein Befürworter der Kantonsfusion, über die das Volk voraussichtlich im Herbst abstimmen wird. Mit seiner Meinung will er auch im Präsidentenjahr nicht hinter dem Berg halten. Er weiss aber auch, dass er als «höchster Basler» bei aktuellen Geschäften wie der Fusionsdebatte Zurückhaltung üben muss. Der Banntag bewege sich wohl noch im Rahmen des Erlaubten, meint Egeler und lacht verschmitzt.
Grenzen überschreiten - Grenzen überprüfen: Das ist ein Kernthema in Egelers Präsidialjahr. Er führte das Präsidentenfest in der Dreispitzhalle durch - auf Baselbieter Boden, wo streng genommen der Landratspräsidentin Marianne Hollinger die Ehre der Hausherrin gehörte.

Den Dreispitz wählte er auch deshalb, weil es ein dynamischer Raum mit grossem Potenzial darstellt, den beide Basel gemeinsam entwickeln. Egeler ist überzeugt: «Egal, ob die Kantone fusionieren: Wir müssen als Region zusammenstehen, um vorwärtszukommen.»

Banntag Christian Egeler: Samstag, 24. Mai, 14 Uhr auf dem Parkplatz des Coop-Centers vis-à-vis Gartenbad Bachgraben. Marsch entlang der Grenze zum Margarethenpark. Dort Verpflegung.

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