Geroldswil
Alles fing im Migros-Töpferkurs an

Emmi Braunbock wohnt seit 52 Jahren an der gleichen Adresse im Fahrweid-Quartier. Ende 2010 hat sie ihre dortige Garage zum Skulpturen-Atelier «Atelga» umfunktioniert.

Margret Stöcklin
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Emmi Braunbock. mst

Emmi Braunbock. mst

Emmi Braunbock wurde 1937 im deutschen Bünde geboren. Nach der Schule absolvierte sie eine Ausbildung zur Fotografin/Fotolaborantin. Mit 21 Jahren beantragte sie eine sechsmonatige Aufenthaltsbewilligung für die Schweiz, um in Thun als Fotolaborantin zu arbeiten. Weil es ihr gut gefiel, verlängerte die Westfälin um weitere sechs Monate und zog nach Morges.

1960 heiratete sie einen Schweizer. Im darauffolgenden Jahr wurde der erste von drei Söhnen geboren. «Unsere drei Rangen haben mich mächtig auf Trab gehalten», erzählt Emmi Braunbock. «In dieser Zeit war ich nur Familien-Managerin».

Erst 1973 wurde sie wieder ausser Haus tätig. Erster Arbeitgeber war die Toni-Molkerei, die damals noch einen Produktionsbetrieb im Dietiker Industriegebiet unterhielt. Hier war die dreifache Mutter neun Jahre als Laborantin tätig. Möglich wurde das allerdings erst nach einer berufsbegleitenden Biochemie-Ausbildung sowie entsprechenden Fachkursen in Winterthur. Für die Firma Louis Widmer, für die Braunbock bis zur Pensionierung arbeitete, war sie für die Analyse von Pharma- sowie Kosmetikprodukten zuständig.

Der erste Töpferkurs

Parallel zur Arbeit entwickelte sich ihre Leidenschaft zur Kunst «Beim Besuch meines ersten Töpferkurses in der Migros-Klubschule fing alles an», erzählt Braunbock. «Der Kursleiter bemerkte sofort, dass ich den Ton anders anfasste als alle anderen. Und auch ich habe ganz deutlich gespürt, dass in mir etwas passiert», sagt die 77-Jährige.

Nach sechs Jahren intensiver Beschäftigung mit dem Töpfern nahm Braunbock an ihrer ersten Gruppenausstellung in Geroldswil teil. Gleich meldeten sich 16 Personen für Töpferkurse bei ihr an, die in einem Ladenlokal an der Fahrweidstrasse stattfanden.

«Weil nicht mehr als zehn Personen Platz hatten, musste ich zwei Töpferkurse pro Woche organisieren», so Braunbock. Im Laufe der Jahre sei die Anzahl ihrer Schülerinnen stetig gestiegen. «Es war eine herausfordernde und erfüllende Zeit», schwärmt die Limmattalerin.

Als der Besitzer des Ladenlokals den Mietzins verdoppelte, suchte und fand Braunbock im Dietiker Schächliquartier einen Raum für ein zweites Atelier. «Mit René Gehrig und Angela Rast bekam ich zwei neue Nachbarn, die künstlerisch ebenso tickten wie ich», erzählt Braunbock. «Wir haben auch ein paar Mal gemeinsam zu Atelier-Ausstellungen eingeladen, die jeweils Unmengen von Besuchern anlockten.» Weil die benachbarte Liegenschaft anderweitig genutzt wurde, hätten Gehrig und Rast jedoch schon bald ausziehen müssen.

Die letzte Vernissage

Aus gesundheitlichen Gründen sah sich Braunbock gezwungen, ihr Atelier im Herbst 2010 zu räumen. Die letzte Vernissage fand am 30. Oktober statt. Insgesamt stellte Braunbock in ihrer Künstler-Kariere in 40 erfolgreichen Ausstellungen aus. «Ich wollte damals nur noch Bildhauern und Fotografieren, obwohl ich so viele Ideen hatte, wie Sand in der Sahara liegt», sagt Braunbock. «Bereits Ende 2010 habe ich meine ehemalige Garage von innen bunt angemalt und dort mein drittes Atelier «Atelga» (Atelier und Garage) eingerichtet. Ich durfte in dieser Kunstklause auch schon drei Personen im Bildhauern unterrichten, jedoch ausschliesslich mit Speckstein, weil dieses Material ein Erfolgserlebnis garantiert.»

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