Anzeige erstattet
Alle lachen über den Gokart-Fake der Zürcher Studenten – nur nicht die Verkehrsbetriebe

Die Story um die inszenierte Zürcher Gokart-Gang schlägt hohe Wellen. Die Zürcher Verkehrsbetriebe wollen ein Exempel statuieren und halten die Strafanzeige wegen Tram-Missbrauch aufrecht. Die Mentoren der beiden Cast-Studenten sind trotzdem begeistert von ihren Zöglingen.

Rafaela Roth
Drucken
Teilen
Michael Schwendinger (links) und Alun Meyerhans haben für ihre Bachelorarbeit den medialen Mythos «Gokart-Gang» kreiert. Das könnte nun Folgen haben.

Michael Schwendinger (links) und Alun Meyerhans haben für ihre Bachelorarbeit den medialen Mythos «Gokart-Gang» kreiert. Das könnte nun Folgen haben.

nicolas büchi/zhdk/watson.ch

Michael Schwendinger (25) und Alun Meyerhans (26) ist der Fake-Hype des Jahres gelungen: Wo nichts war, kreierten die Cast-Studenten von der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) eine Szene von einer feierfreudigen, draufgängerischen und waghalsigen Zürcher Gokart-Gang namens WD40, indem sie Social Media und Medien gezielt manipulierten.

Mit der Auflösung beginnt erst die wahre Geschichte. Die Jungs kritisieren die schnellen Medien für das Übernehmen des Fakes und machen die Menschen auf das FOMO-Phänomen aufmerksam: die ständige Angst was zu verpassen.

«Überhaupt nicht lustig» finden das aber die Zürcher Verkehrsbetriebe (VBZ). Sie haben schon vor zwei Wochen Anzeige gegen unbekannt erstattet. Grund: Im Video ist zu sehen, wie sich zwei Gokart-Fahrer am Tram befestigen und hochschleppen lassen – ohne Drehbewilligung. «Wir finden das brandgefährlich und können es nicht tolerieren, auch wenn es sich um eine Bachelor-Abschlussarbeit handelte und wir auch künstlerische Freiheiten respektieren», sagt VBZ-Sprecher Andreas Uhl. «Wir wollen ein Signal an potenzielle Nachahmer senden.» Die Stadtpolizei hat den Eingang der Anzeige bestätigt und ermittelt.

Bei den Fahrern im Video handelt es sich nicht um die Studenten selber. Ihre Verantwortung nehmen sie aber trotzdem wahr: «Wir werden das Gespräch mit den VBZ suchen und uns entschuldigen», sagt Alun Meyerhans. Im schlimmsten Fall droht den Fahrern eine Busse von 500 Franken aufwärts.

Die Dozenten an der ZHdK stehen voll und ganz hinter ihren Studenten. Der Wissenschaftliche Mitarbeiter Eric Andreae hat die Arbeit mentoriert: «Das ist ein ausgezeichnetes Bachelorprojekt, das von den Studenten akribisch durchdacht und reflektriert durchgeführt wurde», sagt Andreae. «Sie konnten aufzeigen, wie schnell sich junge Menschen, auch mithilfe der Medien, leiten lassen von Dingen, die vielleicht nicht so sind wie sie scheinen.»

Auch der Leiter des Fachbereichs Cast/Audiovisuelle Medien sagt: «Wir stehen grundsätzlich hinter der Arbeit und den Studenten, auch wenn allenfalls gewisse Ereignisse strafrechtlich relevant sein sollten.»

Aktuelle Nachrichten