FC Aarau
Aargauer Karanovic schiesst Aarau zurück in die Challenge League

Aarau steigt zwei Jahre nach Comeback in der Super League wieder ab. In St. Gallen tauchte die chancenlose Equipe von Trainer Raimondo Ponte gnadenlos 1:5 ab. Das einseitige Spiel prägte nur einer: Goran Karanovic, vierfacher Torschütze.

François Schmid-Bechtel (Text) und Patrick Haller (Liveticker)
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Karanovic bringt die Ostschweizer in Führung
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Zweikampf zwischen Senger und Janjatovic
Kopfballduell zwischen Costanzo und Aleksic
Burki wird von Aleksic bedrängt
Pelloni muss hilflos zuschauen wie Karanovic das 3-1 erzielt
Der FC Aarau kämpft gegen St. Gallen um den Ligaerhalt
FCA-Coach Raimondo Ponte
Facchinetti und Andrist kämpfen um den Ball
Der Frust ist gross beim FCA
Die Enttäuschung steht den Aarauern ins Gesicht geschrieben

Karanovic bringt die Ostschweizer in Führung

Keystone

«Wir sind nicht heute abgestiegen», sagte Aarau-Trainer Raimondo Ponte nach dem 1:5 in St. Gallen. Wann dann? «Wie viele Punkte hat Aarau aus den vier Spielen gegen Vaduz gewonnen?», fragt Ponte zurück. Vier. «Exakt. Zwölf wären möglich gewesen. Also fehlen acht Punkte aus den Duellen gegen den Zweitletzten.»

Das ist Pontes Fehleranalyse, die für die Öffentlichkeit bestimmt ist. Jene, mit der er hinter dem Berg hält, zielt wohl in Richtung sportlicher Führung und damit auf Urs Bachmann.

Natürlich ist der Sportchef nicht allein verantwortlich für die Zusammenstellung des Teams. Da gibt es noch einen Sportausschuss und einen Verwaltungsrat. Aber Bachmann ist per Definition das sportliche Gewissen des Klubs. Nur: Was hat Bachmann falsch gemacht?

Bachmann hat bei der Zusammenstellung des aktuellen Teams das Renommee der Spieler zu stark gewichtet und zu wenig Mut bewiesen. Die Offensivspieler Daniel Gygax (0 Tore), Frank Feltscher (1 Tor), Stephan Andrist (2 Tore), Dusan Djuric (2 Tore) und Moreno Costanzo (2 Tore) sind keine Nobodys. Sie haben in der Vergangenheit ihre Spuren in der Super League hinterlassen. Aber ihre guten Zeiten waren schon passé, bevor sie nach Aarau gekommen sind.

Es scheint, als hätte sich Bachmann zu wenig intensiv mit der jüngsten Vergangenheit jedes Einzelnen auseinandergesetzt. Als sei der Name das wichtigste Argument für eine Verpflichtung. Und für die angesprochenen Spieler selbst bedeutet der FC Aarau ein Karriereknick. Denn sie sind sich Glamouröseres gewohnt. Damit sind sie nicht zurechtgekommen. Kurz: Der FC Aarau hat sich mit seiner handgestrickten Transferpolitik ins Elend manövriert.

Mut für Furore

Andere Klubs, die in Reichweite liegen, sorgen mit Innovation und Mut für Furore. Das beste Beispiel ist der FC Thun, aber auch der gestrige Gegner St. Gallen. Diese Klubs rekrutieren ihre Neuzugänge vornehmlich aus der Challenge League oder beim jeweiligen Super-League-Absteiger. Sie verpflichten Spieler, deren Entwicklung auf- statt absteigend ist; für die ihr neuer Arbeitgeber ein Karrieresprung bedeutet. Ein nicht zu unterschätzender Fakt, wenn auf dem Feld Leidenschaft und Wille gefordert sind.

Bachmann fehlte der Mut, Spieler wie einen Gianluca Frontino (heute in Thun) zu verpflichten, die in der Super League noch nichts gerissen haben. Ausserdem ist es fraglich, ob er das Antizipationsvermögen hat, um das Potenzial eines in der Super League unbekannten Spielers richtig einzuschätzen.
Gestern sagte Bachmann: «Dieses Team hat die individuelle Qualität für die Super League. Aber ihm fehlte die nötige Leidenschaft.» Werden Sie künftig bei Transfers charakterliche Eigenschaften stärker gewichten? «Darauf haben wir immer geachtet.»

Bachmann bemüht bei seiner Analyse Murphys Gesetz (alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen). Weil Feltscher einen Beinbruch und Gauracs einen Kreuzbandriss erlitten hat. Und weil Sandro Wieser zum Treter der Nation gestempelt wurde. Aber mit dieser Analyse macht er es sich so einfach wie mit seinen Transfers.

Match-Telegramm

St. Gallen - Aarau 5:1 (1:0)

14'343 Zuschauer. - SR Klossner. - Tore: 16. Karanovic (Aleksic) 1:0. 53. Sliskovic (Andrist) 1:1. 67. Karanovic (Tafer) 2:1. 70. Karanovic (Everton) 3:1. 74. Karanovic (Janjatovic) 4:1. 90. Cavusevic 5:1.

St. Gallen: Herzog; Mutsch, Thrier, Eisenring, Facchinetti; Everton, Janjatovic; Tafer (78. Tréand), Aleksic (64. Mathys), Aratore; Karanovic (80. Cavusevic).

Aarau: Pelloni; Lüscher, Thaler, Garat, Radice; Burki, Jäckle (59. Wieser), Costanzo; Andrist (63. Feltscher), Djuric (46. Sliskovic); Dante Senger.

Bemerkungen: St. Gallen ohne Besle, Gelmi (beide gesperrt), Russo, Rodriguez (beide verletzt), Sikorski, Demiri (beide nicht im Aufgebot), Aarau ohne Jaggy (gesperrt), Mall, Nganga, Gauracs, Mudrinski (alle verletzt). Super-League-Debüt von Eisenring und Pelloni. 40. Pfostenkopfball von Thrier. 88. Lattenschuss von Radice. Verwarnungen: 37. Everton, 43. Djuric, 46. Jäckle, 51. Eisenring, 52. Garat, 74. Thaler (alle Foul).

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