az Leserwandern
Aare, Göttin des Glücks

Wie tote Fische treiben die Menschen auf dem Rücken Richtung Nordsee. Ihre Ohren sind unter Wasser, sie hören nichts. Und sehen tun sie nur den Himmel und die Baumkronen, welche in ihren Augenwinkeln vorbeiziehen.

Sabine Kuster
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Die Aare bei Wildegg.

Die Aare bei Wildegg.

Chris Iseli

Sie sind nicht tot, sie sind glücklich. Das ist ganz natürlich, denn sie treiben im Fluss der Göttin des Glücks: Aurora. Von ihr hat die Aare ihren Namen. Irgendwie müssen sich Uferbewohner vor rund 2500 Jahren darauf geeinigt haben. Vielleicht ist einer dieser Kelten damals mit dem Einbaum vom Haslital bis zur Mündung in den Rhein gepaddelt und hat gerufen: «Wir nennen den Fluss jetzt Aare!»

Wie auch immer. Die Aare macht glücklich. Sie ist der Ganges oder noch eher der Amazonas des Aargaus. Alle Krokodile sind zahm und aus Treibholz. Den Aargauern gehören von den 291 Kilometern des Flusses immerhin 35. Aus jedem der 1565 Metern Gefälle von der Quelle bis zur Mündung wird Strom gemacht. Bis zur Nordsee gelangen die Menschen deshalb nie, sie müssen vor dem nächsten Kraftwerk raus.