Langenthaler Fasnacht
40 Jahre lang die Fasnacht aktiv mitgeprägt

Die Sumpfhühner-Clique feiert dieses Jahr ihr 40-jähriges Bestehen. Mitgründer «Mäni» Rieder erinnert sich an die Anfänge und spricht über den Generationenwechsel.

Tobias Granwehr
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Abschiedsvorstellung der älteren Sumpfhühner-Generation im Jahr 2008.Archiv

Abschiedsvorstellung der älteren Sumpfhühner-Generation im Jahr 2008.Archiv

Die Geschichte der Langenthaler Fasnacht ist eng mit Hermann «Mäni» Rieder verbunden. In verschiedenen Funktionen hat er die Narrenzeit mitgeprägt, die von ihm mitgegründete Sumpfhühner-Clique feiert heuer das 40-Jahr-Jubiläum.

Ein Teil seines Hauses in Schoren legt seine fasnächtliche Vergangenheit unweigerlich offen: Ein Übungsraum mit Bar und unzähligen Bildern und Plaketten an den Wänden lässt jedes Narrenherz höher schlagen. In der Wand eingebaut sind spezielle Steine, die ein früheres Cliquenmitglied einst herstellte und die Gründung der Gruppe symbolisiert. Auf eine Sammlung von Basler Plaketten ist «Mäni» Rieder besonders stolz. Es gebe wohl nicht viele Langenthaler mit einer solchen Sammlung, sagt er.

«Mäni» Rieder, Mitgründer der Sumpfhühner-Clique

«Mäni» Rieder, Mitgründer der Sumpfhühner-Clique

Vom Sportler zum Fasnächtler

«Ich habe dieses Gift von Kindesbeinen an mitbekommen.» Rieder meint damit natürlich keinen gefährlichen Stoff, sondern das totale Narrenfieber. Der gebürtige Langenthaler mit sportlicher Vergangenheit – er spielte einst für den SC Langenthal Eishockey und für die Berner Young Boys Fussball – zog später berufshalber nach Herzogenbuchsee. Dort engagierte er sich beim Fussballclub als Trainer. Noch heute schwärmt er von der Gruppe und der guten Stimmung. Daraus entstand schliesslich die Sumpfhühner-Clique.

Gründungsmitglieder sind neben Rieder seine erste Frau, Beat Hegi und Walter Suter. Zwar nimmt die Gruppe seit vielen Jahren jeweils auch mit einem Wagen am Fasnachtsumzug teil, «der Grundgedanke war jedoch immer das Singen.»

Die ersten Auftritte hatten die Sumpfhühner in Buchsi, aber nicht an der Fasnacht. Die war dort gemäss Rieder damals noch praktisch inexistent gewesen. Dann sei die Frage aufgekommen, warum die Clique nicht an der Langenthaler Fasnacht teilnehme. So wagte die Gruppe diesen Schritt. Bald einmal bestanden die Sumpfhühner nur noch aus Männern, «es funktionierte einfach besser», sagt der heute 72-Jährige. Wie der Name entstanden sei, daran könne er sich heute beim besten Willen nicht mehr erinnern.

Probejahr im Fasnachtskomitee

Dafür weiss Rieder sonst allerlei über die Fasnacht zu erzählen: Eines Tages erhielt er einen Anruf aus Langenthal, ob er nicht beim Komitee der Langenthaler Fasnachtsgesellschaft (LFG) mithelfen wolle. Die Regeln waren allerdings streng: «Ich musste ein Probejahr absolvieren. Hätte ich mich nicht bewährt, hätte mich das Komitee wieder rausgeworfen», sagt er und lacht.

Rieder übernahm die Organisation des Gönnerabends, der zu seinen besten Zeiten in fünf Lokalen stattfand (heute im «Bären», in der Alten Mühle und im katholischen Kirchgemeindehaus). Die Narrenzeit nahm ihn immer mehr und mehr in Beschlag, Rieder amtete 15 Jahre als Ober der LFG. Dazu sang er weiterhin in der Sumpfhühner-Clique und sass während des Umzugs auch einige Mal auf dem Sumpfhühner-Wagen. Beim Bauen habe er allerdings nicht mitgeholfen. «Ich habe zwei linke Hände.» Er habe höchstens Ideen geliefert.

Anstrengende Stunden unter der Larve

Verjüngung der Clique

Nach einem Jahr Unterbruch nimmt die Sumpfhühner-Clique wieder am Gönnerabend und am Schnitzelbank-Rundkurs teil. Die drei Sumpfhühner sind Beat Rieder, Joel Scheidegger und Erich Oberli. Da keine Musiker mehr dabei seien, trete die Gruppe in etwas anderer Art auf als früher mit seinem Vater, sagt Beat Rieder. Nicht nur bei den Sängern, auch bei der Wagenbau- Clique hat über die Jahre eine Verjüngung stattgefunden. Zwischen 15 und 20 Personen engagieren sich gemäss Beat Rieder am Wagenbau und am sonntäglichen Umzug. Fasnachtsbegeisterte seien immer willkommen. «Der Gruppe ist es jedoch wichtig, dass wir eine verschworene Gemeinschaft sind.» Irgendwann Mitte 2012 will die Sumpfhühner-Clique ihr Jubiläum feiern. Ein öffentliches Fest ist jedoch nicht geplant. Wahrscheinlich werde man alle ehemaligen und aktuellen Sumpfhühner einladen, sagt Beat Rieder. Das sind gegen 60 Personen. Die Planungen für das Fest seien angelaufen. (tg)

«Mäni» Rieder verfolgt die Fasnacht heute dagegen etwas aus der Distanz. Das scheint ihm allerdings nicht leicht zu fallen. Spricht er über seine Aktivzeit, ist das Feuer spürbar. Als Zuschauer ist sein Blick auf die närrischen Tage differenzierter. Er vermisse die richtigen Maskenbälle, wie es sie in den 1970er- und 1980er-Jahre gegeben habe. Zudem hat es für seinen Geschmack heute eher etwas zu viele Guggen und zu wenige Schnitzelbank-Gruppen.

Er gibt offen zu: «Es ist nicht das Gleiche als Aktiver wie als Zuschauer.» Das Mitwirken an der Fasnacht fehle ihm schon etwas. Immerhin: Er sagt, der Sohn sei «genauso vergiftet» wie er. Darüber freut sich das Langenthaler Fasnachtsurgestein. Die Sumpfhühner wieder am Gönnerabend zu sehen, darauf freue er sich ebenfalls – auch wenn «Mäni» Rieder zum ersten Mal «seine» Sumpfhühner als Zuschauer erleben wird.

Das az Langenthaler Tagblatt stellt dieses Jahr verschiedene Cliquen und Guggen mit Jubiläen vor. Die Sumpfhühner (40 Jahre) machen den Anfang.