Langenthal
2000 Kindergärteler und Schüler inszenierten eine farbenfrohe Kostümschau

Der Umzug begann lange vor seinem offiziellen Start. Aus allen Strassen und Gässchen strömten die Stadtbewohner kurz nach Mittag herbei, um sich in Langenthals Zentrum zu versammeln.

Martina Schlapbach
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Zum 1150 Jahr Jubiläum in Langenthal gab es einen grossen Kinderumzug
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Zum 1150 Jahr Jubiläum in Langenthal gab es einen grossen Kinderumzug
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Zum 1150 Jahr Jubiläum in Langenthal gab es einen grossen Kinderumzug

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AZ

Stadtbewohner? Sie sei aus Bützberg angereist, um sich das Spektakel anzusehen, sagte Joanna Austir am Samstag. Die Schülerin hatte sich wie so viele an der Choufhüsi-Ecke hingestellt, um von dort aus einen Blick auf ihre Kollegen aus der benachbarten Schülerschaft zu werfen. Ins Blickfeld der wartenden Menge traten die ersten Schüler, als die Glocke ein Uhr schlug.

Von Beginn weg versprach der Kinderumzug eine farbenfrohe Schau zu werden - und dieses Versprechen hielt der Anlass. Den Jubiläumsslogan der Stadt hatten der Kindergarten, die Volksschule und die Rudolf Steiner Schule zu ihrem eigenen Leitspruch gemacht. Unter dem Motto «Schule - gestern, heute, morgen» präsentierten sich die etwa 2000 Kinder aus den drei Bildungsinstitutionen in bunten Kostümen: Der als Kreidestift verkleidete Schuljunge der Vergangenheit stand dem mit Hightech-Antenne ausgerüsteten Schulmädchen der Zukunft gegenüber.

Viele innovative Kostüme

Auf ihren eigenen Sohn warteten Enza und Markus Bögli vor der Bäckerei Felber. Als der Achtklässler als Vertreter des Irak verkleidet auftrat, hielt der Vater die Kamera zielgerichtet bereit. Derweil hatte wenige Fussschritte entfernt auch Joanna Austir zwei ihrer Schülerkollegen, ihrerseits auf dem Einrad daherrollend, entdeckt.

Kreativität und Innovation stachen besonders dort hinaus, wo man mit den Verkleidungen zeitbezogen Unterrichtsinhalte und die Stadtgeschichte, aber auch Sport und Sprache thematisierte. Eine Formation, in der ein Kind je einen Buchstaben und die Klasse zusammen ein Wort darstellte, erntete lauten Applaus.

Die lauten Töne waren ansonsten indes rar gestreut. Dies lag einerseits daran, dass - mit Ausnahme der Tambouren und einer Horde verkleideter SC-Langenthal-Fans - die Umzugsteilnehmer kaum Stimmung machten. Tanz- und Gesangseinlagen wurden zwar vereinzelt geboten, Begeisterung war in den dargebotenen Leistungen aber wenig zu sehen. Stimmungsvolle Lautstärke verströmten andererseits auch die Zuschauer keine. «Die Musik fehlt, von Dynamik ist nichts zu spüren», störte sich Elisabeth Imhof, die sich zusammen mit ihrem Mann Roland an den Wegrand gestellt hatte.

Wenig sichtbare Passion

So versuchte der Lokalrapper David Kohler alias Knackeboul, der das Geschehen vor dem Choufhüsi kommentierte, Stimmung herbeizuzaubern: «Macht doch mal etwas Lärm», bot er das Publikum auf und scherzte bei seiner nächsten Aufforderung nach Applaus, dass dieser «ja nicht zu laut ausfallen» sollte. Die Stimmen, die der Moderator von den Kindern einholte, versprühten wenig Leidenschaft. Machte Knackeboul einem Schüler das Kompliment, mit seinem Kostüm als glaubhafter Mönch daherzukommen, erntete er dafür ein «Ist mir doch egal». Fragte er wenig später eine als Boppla-Tasse verkleidete Schülerin, ob sie noch fit sei, ertönte im Mikrofon ein ausnahmsweise stimmkräftiges «Nein».

Wer konnte, erfreute sich sodann über gut eine Stunde an den schönen Kostümen. Wer sich neben der Farbenpracht auch Bewegung und Klang erhofft hatte, blieb enttäuscht. Trotz der zuweilen ausdruckslosen Gesichter keine Spur der Enttäuschung äusserten die Protagonisten selbst: «Alle Leute haben uns angeschaut, wir fühlten uns wie Berühmtheiten», erzählten Elma Orda, Antonella Didak und Svenja Sägesser.

Sie hatten es sich nach dem Gang via Choufhüsi, Manor, Stadttheater und Tell bei der Markthalle im Schatten gemütlich gemacht. Mit dieser Aussage enträtselten die Zweitklässlerinnen womöglich die Stille der vorangegangenen Stunde: Am Umzug teilgenommen zu haben scheinen lauter Kinder, die ihre Rolle als Berühmtheiten allzu perfekt inszeniert hatten. Nun tanzten auf dem Hallengelände wieder Schüler und verströmten die Lebensfreude, wie man sie bei Auftritten berühmter Menschen so oft vergeblich sucht.

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