Olma 2015
1600 Aargauer begeistern die Zuschauer: Sehen Sie den kompletten Olma-Umzug im Video!

Am Olma-Umzug zeigte sich der Gastkanton Aargau in St. Gallen von seiner allerbesten Seite. 27000 Zuschauer säumten die Umzugsroute vom Bahnhof durch die Innenstadt zur Olma.

Rosmarie Mehlin
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Olma 2015: der Umzug
55 Bilder
Die Aargauer Rüeblitorte darf an der Olma nicht fehlen
Ein legendärer Setz-Dintikon-Lastwagen
Der Gastkanton Aargau am Olma-Umzug
Gespannt: Regierungsrat Urs Hofmann im Publikum
Sport muss sein: Olma-Umzugsteilnehmer wollen es wissen
Auch sie sind sportlich unterwegs - hübsch gekleidet
Hoffnungsvolle Aargauer Nachwuchsbauern.
Auch das Winzerfest Döttingen ist da.
Jetzt kommt das schön geschmückte Grossvieh
Fricktaler Kurschbrennerei
Die Knabenmusik St. Gallen
Die Ehrengäste, allen voran Landammann Urs Hofmann
Berittene Polizei St, Gallen: Jetzt startet der Umzug.
Die Chlauschlöpfer aus Lenzburg machen den lautstarken Auftakt.
Jetzt weiss man in St. Gallen, dass Zweifel Pommes Chips aus Spreitenbach kommen
Die Geisslechlöpfer aus Lenzburg.
TV Sulz am Barren.
Der STV Untersiggenthal..
...turnt am Rhönrad.
Ungewohnt: römischer Kampfwagen in St. Gallen.
Zeitreise durch die Mobilität.
Ein Highlight aus der Sammlung von Hanspeter Setz.
Die Gemeindefahnen...
...getragen von Neuenhofer Schülern.
Meitlisunntig Fahrwangen/Meisterschwanden.
Gfürchige Laufenburger Stadthäxe.
Schweizer Kavallerie Schwadron 1972
Katastrophenschutzelement vor der Ehrentribüne.
Die Wohler Strohhüte sind immer noch berühmt.
Auch Papa Moll durfte nicht fehlen.

Olma 2015: der Umzug

Mario Heller

Es herrschte das einzig wahre Olma-Triumvirat, das atmosphärisch aus Bratwurst-, Marroniduft und Nebel besteht. Letzterer hing schwer und kühl in den Strassen und Gassen.

Der Eine und die Andere unter den eleganten Ehrengästen dürfte während des rund zweistündigen Umzugs ausnahmsweise nicht wegen des kommenden Wahl-Wochenendes, sondern wegen der Temperatur etwas ins Bibbern geraten sein.

Es sei denn, die politisch Ambitionierten sind Mitglied in einem Turnverein, wie die Jünger von Turnvater Jahn aus Sulz, die unter dem Motto «Alte Schule» ganz in Weiss, nebst Können am Reck auch stramme Leibesübungen vorführten.

Obwohl oben ärmellos und unten kurz behost, waren auch bei näherem Betrachten keine Spuren von Gänsehaut auszumachen. Womit wir mitten drin wären im Umzug, der genau so war, wie der Aargau ist: Vielseitig, präsentabel, spannend, kreativ und aufgeweckt.

Letzteres war an diesem Samstag insofern besonders wichtig, als die rund 1600 Teilnehmerinnen und Teilnehmer früh aus den Federn kriechen mussten, um sich mit einem von drei Extrazügen ostwärts transportieren zu lassen.

Die blauen Krawatten der Regierungsräte

Die Regierungsräte, das Grossrats-Präsidium-Trio und weitere Offizielle trugen Extra für den Olma-Auftritt hergestellte Krawatten.

Natürlich in blau, mit Sternen und Wellen aber plus – als Hommage an den Gastkanton - einem mordsmässig imposanten Muni. Respektive allenfalls einem Ochsen, wurde beim 9-Uhr-Apéro doch intensiv darüber diskutiert, ob das abgebildete Tier kastriert ist, oder nicht.

Sei’s drum. Die Ehrengäste waren jedenfalls für den Umzug gestärkt, mussten aber nur die halbe Strecke absolvieren. Vor der Tonhalle durften sie Platz nehmen und in aller Ruhe geniessen, was der Aargau von A wie Axpo bis Z wie Ziegenzucht alles zu bieten hat.

Weil ganz zu Beginn die Vierbeiner den Sinn des zügigen Marschierens über Asphalt nicht einsehen wollten – aus deren Sicht durchaus nachvollziehbar – kam es zu einer kurzen Verzögerung. Später verursachten interessante Einlagen weitere solche.

So etwa die Demonstration der Meitli-Sonntag-Vereinigung Fahrwangen/Meisterschwanden, denen auch der angeschlagen und trotzdem anwesende Wohler Gemeindeammann Walter Dubler ins Netz ging. Als ob der Arme zurzeit nicht schon politisch-juristisch ausreichend durchgeschüttelt würde.

Köstlich amüsiert haben sich die dicht an dicht stehenden Zuschauer über die Kapriolen der Effinger Eierläset-Figuren – den Straumuni, den Hobelspänler, den Schnäggehüsler und wie sie alle heissen.

Die Zofinger Freerunning- und Parkourcrew mit ihren akrobatischen Klettereien und Sprüngen wurden ebenso begeistert beklatscht, wie die jungen Turnerinnen aus Untersiggenthal mit ihren Kunststücken am Rhönrad. Und natürlich die Landfrauen, die Versuecherli von ihrer 14 Meter langen Rüeblitorte verteilten: Mmmhhhh? Ich hab leider keins erwischt.

Dafür wurde ich Zeuge, wie eine Schönheit aus Oberflachs direkt vor den Füssen hoher Ehrengäste ausgiebig «bislete»: Holstein-Kuh Meline scheint es an Respekt vor Politikern zu mangeln.

Apropos: Dem Publikum mangelte es am Anblick von Gesundheitsdirektorin Susanne Hochueli. Die hat aber nicht gekniffen, sondern co-kommentiert. Wie es die Tradition will, tut dies jeweils ein Magistrat vom Gastkanton bei der Umzugs-Übertragung vom Ostschweizer Fernsehen.

Der Nebel blieb die ganze Zeit über hartnäckig. Doch rasch hat man ihn vergessen. So gewiss beim Anblick der bunten 11 Bezirks- und 213 Gemeindefahnen, stolz getragen von einer Multikulti-Schar von Schülerinnen und Schülern aus Neuenhof.

Während die Konfetti werfenden Stadthäxe Laufenburg mit ihren Larven und Fellen Vierte-Jahreszeit-Gefühle weckten, lösten die vielen und vielfältigen bunten Trachten mit den teils filigranen Hauben helle Freude aus.

Badens Alt-Stadtammann, Regierungsrat Stephan Attiger, bestand einen Schnelltest nur teilweise, erkannte er eine besonders schönes Exemplar zwar als Badener Tracht, nicht aber präzise als bunte Badener Festtagstracht. Stramm marschierten die Mannen und zwei Frauen vom Feuerwehrverein Rietenberg Villmergen hinter ihrer Handruckspritze von 1868. Einer aber tanzte aus der Reihe und spritzte aus einem Stahlrohr . . . Cognac.

Insgesamt 42 Gruppen zogen auf Schusters Rappen, hoch zu Ross sitzend, historisch oder futuristisch steuernd, auf fantasievoll gestalteten Wagen fahrend oder in historische Velo-Pedale tretend an den staunenden Zuschauern vorbei.

Während Papa Moll staatsmännisch in die Menge winkte, glitt das hochmoderne Brennstoffzellen-Postauto lautlos an dieser vorüber. Dazwischen trommelten und bliesen verschiedene Formationen dem Nebel den Marsch.

Als die Musikgesellschaft Kaisten den Stevie Wonder-Hit «I just call to say I love you» spielte, hätte ich am liebsten zum Handy gegriffen, die Staatskanzlei angerufen und bekannt: «I love you Aargau!»

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