Armee
1500 WK-ler beschützen derzeit den Oberaargau

Über 1000 Armeeangehörige sind zurzeit in Herzogenbuchsee an einer grossen Übung beteiligt: In einer Übung wird die Schweiz angegriffen, doch bei Herzogenbuchsee ist das Kommandozentrum stationiert und beschützt mit der Flugabwehr den Oberaargau.

Marco Wölfli
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Armeeübung im Oberaargau
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Die mittlere Flugabwehr kann 1100 Schuss pro Minute abfeuern.
Den Himmel im Blickfeld.
Dem Radar bleibt kein Flugzeug verborgen.
Im Feuerleitgerät werden auch die Kanonen bedient.

Armeeübung im Oberaargau

Marco Wölfli

Die Situation ist besorgniserregend: Das Land «Violett» östlich der Schweiz und das Land «Grün» westlich der Schweiz sind in einen Konflikt miteinander verwickelt. Um einen Angriff aus Westen zu vermeiden, setzt «Violett» seine Truppen in Bewegung und holt zu einem Präventivschlag gegen «Grün» aus. Von dieser Auseinandersetzung ist auch die Schweiz betroffen.

Denn der violette Angriffskorridor führt mitten durchs Schweizer Mittelland. Diese Situation ist glücklicherweise nicht real. Sie beschreibt vielmehr das Szenario, das die Grundlage zu einer grossen Übung der Flugabwehr dient.

Flieger der Luftwaffe im Einsatz

Das Kommandozentrum der Übung mit dem Namen «CHESS TRIO» ist in Herzogenbuchsee stationiert. Aus der Zivilschutzanlage unterhalb der Feuerwehr leitet Brigadier Marcel Amstutz, Kommandant des Lehrverband Flab 33 die ganze Übung.

Insgesamt sind rund 1500 Armeeangehörige daran beteiligt, die über einen Grossteil des Mittellandes verteilt sind. Gemäss dem Übungsszenario ist die Flugabwehr im Einsatz, um Aarebrücken und andere Flussübergänge zu sichern, damit die virtuellen Bodentruppen «Violett» aufhalten können.

Um die Abläufe der Fliegerabwehr möglichst realitätsnah durchzuspielen, sind auch echte Flugzeuge der Luftwaffe im Einsatz. Auch wenn lange keine Flugzeuge am Himmel auftauchen, ist ständige Aufmerksamkeit gefragt.

In Hersiwil SO ist in einer Scheune die Feuereinheit 3 stationiert. Während im Innern ein Soldat am Funk sitzt und den Radar-Infos lauscht, sind weitere Soldaten und ein Truppchef draussen auf dem Feld.

Sie sind mit zwei Übungs-Stinger bewaffnet und suchen den wolkenverhangenen Himmel ständig nach Flugzeugen ab. Als jedoch das Brummen eines Flugzeuges am Himmel ertönt, geraten sie überhaupt nicht in Alarmbereitschaft und Major Schöne vom Stab gibt auch Entwarnung: «Das ist ein ziviles Flugzeug, das nichts mit uns zu tun hat.»

38 Männer für Emme-Übergang

Während die Stinger-Lenkwaffe noch von einem einzelnen Soldaten geschultert und bedient werden kann, stehen in Kirchberg deutlich grössere Kaliber. Die mittlere Flugabwehr mit zwei Geschützen und einem Feuerleitgerät soll einen Emme-Übergang schützen.

Dafür sind 38 Männer in einem Bauernhof untergebracht. Rotierend besetzen sie die zwei Geschütze und das Feuerleitgerät. Darin ist das Radar zur Flugzeug-Ortung untergebracht. Von dort werden aber auch die 35mm-Kanonen bedient. Wird das Feuerleitgerät gestört, werden die Kanonen manuell abgefeuert.

Nach einem Tag bei seinen Truppen zeigt sich Brigadier Marcel Amstutz zufrieden mit den Eindrücken: «Was ich bisher gesehen habe, gefällt mir. Ein erstes Zwischenfazit ziehen wir aber erst am Dienstagmorgen.»