Bern
1398 Kinder erblickten bei 1306 Geburten im Unispital das Licht der Welt

Die Berner Insel hat ein erneutes Zwillingsjahr hinter sich. Diesmal allerdings ein Rekordverdächtiges: 2011 erblickten in der Frauenklinik des Universitätsspitals gleich 170 Babies im Doppelpack das Licht der Welt.

Samuel Thomi
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Zwei statt eines: Immer mehr Zwillinge kommen in Bern zur Welt.key

Zwei statt eines: Immer mehr Zwillinge kommen in Bern zur Welt.key

Die 85 Zwillingsgeburten seien ein neuer Rekord, teilte die Insel gestern jedenfalls mit. Womit sich der Trend zu massiv mehr Zwillingsgeburten in der Hauptstadt einmal mehr fortsetzte. Zum Vergleich: 2003 wurden in Bern noch 32 Zwillinge geboren, 2006 waren es bereits deren 49. Und im Jahr 2008 schliesslich schon 63. Die Zunahme um gut 73 Prozent innert fünf Jahren erklärt sich Daniel Surbek, Co-Klinikdirektor und Chefarzt Geburtshilfe, mit drei Hauptgründen:

  • Erstens würden die Mütter tendenziell älter, damit gebe es erfahrungsgemäss auch öfters Zwillinge.
  • Zweitens gebe es immer mehr Schwangerschaften nach künstlicher Befruchtung – mit demselben Effekt, dass immer öfter zwei Kinder gleichzeitig zur Welt kommen.
  • Und drittens sei das Berner Frauenspital das einzige Frauenheilkundezentrum in der Schweiz, das bei komplizierten Zwillingsschwangerschaften endoskopische Lasertherapien in der Gebärmutter anbiete. Was folglich zu mehr Zuweisungen von Zwillingsschwangerschaften führe und damit die Fallzahlen nach oben treibt.

Doppelt so viele Zwillinge wie 1970

Auf Nachfrage kommentiert DanielSurbek, der letzte Punkt sei «wohl der wichtigste». Bei medizinischen Spezialfällen wie eben Mehrlingsgeburten seien hohe Erfahrungswerte für Zuweisungen «meist ein wichtiger Faktor».

Darauf angesprochen, ob sich am Berner Frauenspital auch ein Trend hin zu mehr Drei- oder gar Vierlingsgeburten abzeichne, sagt Daniel Surbek «Nein». Dafür träten diese zu selten auf: «Wir verzeichnen etwa eine Vierlings- und vier bis zehn Drillingsgeburten pro Jahr.» Surbek fügt an, aus statistischer Sicht sei dazu auch national kein eindeutiger Trend erkennbar. Und weltweit erst recht nicht.

Zehn Prozent Geburtenrückgang ...

Anders bei Zwillingsgeburten. Diese haben sich schweizweit seit 1970 ungefähr verdoppelt. 2010 gab es landesweit 1456 Zwillingsgeburten; nationale Vergleichszahlen für das vergangene Jahr liegen noch nicht vor.

In demselben Zeitraum nahm die Gesamtzahl der Geburten national wie auch im Kanton Bern dagegen deutlich ab:

  • 1970 kamen in der ganzen Schweiz total 99216 Kinder lebend zur Welt (im Kanton Bern waren es 13832).
  • 2010 waren es laut Bundesamt für Statistik 88290 (Bernbiet: 9381).

... zehn Prozent mehr Geburten

Doch: Nicht nur bei den Zwillingsgeburten meldet die Berner Frauenklinik fürs letzte Jahr Rekordwerte. Auch bei den Geburten insgesamt teilt die Insel für 2011 einen Neun-Jahres-Rekordwert mit: total 1398 Kinder erblickten bei 1306 Geburten im Unispital das Licht der Welt. Ein Jahr zuvor waren es noch 1387 Babies bei 1304 Geburten gewesen. Dass die Zwillingsgeburtenzahlen an der Insel in den letzten Jahren deutlich überproportional zugenommen haben, zeigt auch der Umstand, dass vor fünf Jahren 1256 respektive 2003 1220 Babies zur Welt kamen – also nur je rund zehn Prozent mehr.

Doch: Geburten-Rekorde bedeuten für ein Spital nicht unbedingt auch wirtschaftliche Erfolge, wie das Beispiel Langenthal zeigt (vgl. Kasten rechts).