Limmattal
120 Wohnungen im Bezirk werden teurer - Sozialabteilungen waren nicht informiert

Weil der Bund bis ins Jahr 2026 Zahlungen in der Höhe von rund 105 000 Franken für die Verbilligung von Wohnraum streicht, müssen diverse Mieter mehr zahlen. Die Sozialabteilungen waren darüber nicht informiert.

Alex Rudolf
Drucken
Teilen
Oberengstringen ist mit 38 subventionierten Wohnungen am stärksten betroffen.

Oberengstringen ist mit 38 subventionierten Wohnungen am stärksten betroffen.

Chris Iseli

Für jene, die auf günstigen Wohnraum angewiesen sind, gibt es schlechte Nachrichten aus Bern. Im Verlauf der kommenden neun Jahre fallen in Oberengstringen, Urdorf, Schlieren und Dietikon gestaffelt Bundesbeiträge für Wohnungen weg. In den betroffenen Liegenschaften müssen daher unterschiedlich grosse Mieterhöhungen vorgenommen werden. Bisher entrichtete das Bundesamt für Wohnungswesen (BWO) im Rahmen des Programms der nationalen Zusatzverbilligungen diese Zahlungen an gewisse gemeindeeigene Wohnungen oder solche im Besitz von Genossenschaften oder Stiftungen. Die Zahlungen sind jeweils auf eine Frist von 25 Jahren begrenzt, und die Höhe der Beiträge kann stark variieren.

Im Limmattal sind davon 120 Wohnungen betroffen. Laut Angaben von Patrice Bänninger, Leiter Bundeshilfe beim BWO, wurden diese im Jahr 2015 mit 105 000 Franken subventioniert. Dies ergibt eine jährliche Zahlung von durchschnittlich 900 Franken pro Wohnung, was einem monatlichen Beitrag von rund 70 Franken an Wohnverbilligungen pro Wohnung entspricht.

Gelder entfallen etappiert

Können sich Mieter den erhöhten Zins nicht leisten, bleibt wohl manch einem der Gang aufs Sozialamt nicht erspart. Eine Umfrage bei den Limmattaler Sozialabteilungen zeigt jedoch, dass keine von den anstehenden Streichungen in Kenntnis gesetzt wurde – weder vom Bund noch von den Genossenschaften oder Stiftungen, welche die Mehrkosten auf die Mieter übertragen werden müssen. Die meisten betroffenen Objekte weist die Gemeinde Oberengstringen mit gesamthaft 38 Wohnungen auf, für 20 davon entfallen die Bundesgelder noch in diesem Jahr. Dass man auf der Gemeinde darüber nicht informiert ist, liegt daran, dass die Bundesgelder direkt an die Genossenschaften und Stiftungen fliessen.

Nadine Eichenberger-Lang, Leiterin Zusatzleistungen und AHV-Zweigstelle der Gemeinde Oberengstringen, ist lediglich ein Fall von einem Rentner bekannt, der in einer durch Bundesgelder verbilligten Wohnung wohnt. «Da wir vom Bund keine entsprechende Benachrichtigung erhalten haben, können wir nicht abschätzen, ob durch die Streichung weitere Personen Berechtigung auf Zusatzleistungen haben», sagt sie. Sie kann sich jedoch vorstellen, dass ältere Menschen, die nun über Jahrzehnte in günstigen Wohnungen gelebt haben, Zusatzleistungen beantragen. «Es gibt durchaus Senioren, die Anrecht darauf hätten, jedoch aus verschiedenen Gründen darauf verzichten», sagt Eichenberger-Lang. Durch eine plötzliche Mieterhöhung könne sich deren Situation noch verschärfen. Betroffene können ihre Berechtigung auf Zusatzleistungen auf der Gemeinde abklären, sagt sie.

In Dietikon werden die Streichungen in zwei Etappen vorgenommen. So sollen in zwei Jahren Subventionen für 20 Wohnungen entfallen und die restlichen der gesamthaft 35 Wohnungen ab dem Jahr 2026 nicht mehr vom Bund unterstützt werden. Die Leiterin der Dietiker Sozialabteilung, Liliane Blurtschi, sagt auf Anfrage der Limmattaler Zeitung, dass sie derzeit über keine Informationen oder Grundlagen verfüge, die eine Aussage zu diesem Thema ermöglichen würden.

Knapp 1500 Wohnungen in Zürich

Auch in Urdorf, wo in zwei Jahren die Gelder aus Bern für 17 Wohnungen gestrichen werden, wusste die Gemeinde von nichts: «Wir wurden nicht direkt über den Wegfall der Bundessubventionen informiert», sagt Patrick Müller, Leiter Stab, auf Anfrage. Weiter teilt er mit, dass kein gemeindeeigener Wohnraum vom Wegfall betroffen sei, da dieser nicht subventioniert werde.

In der Stadt Zürich werden die Subventionen für insgesamt 1440 Wohnungen entrichtet, wie der «Tages-Anzeiger» kürzlich schrieb. Im vergangenen Jahr beliefen sich diese auf einen Betrag von knapp 2 Millionen Franken. Da jedoch 138 der betroffenen Wohnungen im Besitz der Stadt Zürich sind, wurde diese über die Streichung informiert. Daher prüfe der Sozialdienst jeden einzelnen Fall und werde gemäss einem Sprecher der städtischen Liegenschaftsverwaltung bei Bedarf den Mietern dabei helfen, Zusatzleistungen zur AHV/IV zu beantragen. Das Stadtzürcher Amt für Zusatzleistungen hat sich dementsprechend auf die kommenden Anträge vorbereitet, wie dessen Direktor sagte.

Aktuelle Nachrichten