Vogel- und Naturschutzverein "Schwalbe" Schlieren
Zu Besuch im Klärwerk Werdhölzli der Stadt Zürich

Nino Kuhn
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DSC_0093.jpg Die "Brühe" in einem fortgesetzten Stadium der biologischen Reinigung

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Mitglieder der Vogel- und Naturschutzverein „Schwalbe“, der Freizeit-Vereinigung Schlieren und der Bioterra wurden am 17. Mai 2014 unter kundiger Führung durch das Klärwerk Werdhölzli begleitet.

Sauberes Wasser gehört heutzutage in der Schweiz zu den Voraussetzungen des täglichen Lebens. Doch sauberes Trinkwasser bedingt, dass benütztes Wasser in sauberem Zustand der Natur zurückgegeben wird. Diese Selbstverständlichkeit verlangt enorme Leistungen; dies wurde uns an diesem Samstag auf einem Rundgang erst vor Augen geführt.

Ui, da ist „Abwasser“ aber ein beschönigender Begriff für das, was unter dem Gitter, worauf wir stehen, durchfliesst. Auf dem Bauernhof würde man es „Gülle“ nennen. Ist es auch! Was da alles mitfliesst: Benanntes, Verschwiegenes, Unerkanntes ... Offensichtliches ist in einer Vitrine zur Schau bestellt: Handys, Kreditkarten, Modellautos, Münzen ...

Die Stadt Zürich weist einen Wasserverbrauch von 150 bis 180 Liter pro Person und Tag auf. Auf viertausend Kilometern Kanalisation gelangt die Brühe ins Klärwerk Werdhölzli. Sie braucht dazu von den weitesten Anschlüssen gegen drei Stunden. Hier am tiefsten Punkt der Stadt wurde 1925 das grösste Klärwerk der Schweiz erbaut, wie uns Herr Merz von der Kommunikationsabteilung erklärt. Seit 2001 sind durch einen 5,5 km langen Anschlussstollen auch die natürlicherweise zur Glatt entwässernden nördlichen Stadtteile Oerlikon, Schwammendingen, Seebach u.s.w. angeschlossen.

Im Werdhölzli werden heute jährlich 80 Millionen Kubikmeter Abwasser von Schwimm-, Fest-, Schad-, Schweb-, Sinkstoffen und auch gelösten Substanzen befreit. Nur reines Wasser wird schliesslich in der Limmat zugeleitet. Steine und Feinsand landen auf einer Deponie. Alle brennbaren Stoffe hingegen ergeben durch Verbrennung Wärme und Strom.

Damit man sich das Ausmass von 80 Millionen Kubikmeter vorstellen kann, greift Herr Merz zu einem Vergleich. Etwa der Hälfte des Greifensees entspricht der jährlich im Werdhölzli verarbeiteten Wassermenge. Einen anderen Vergleich erlaubt der zeitliche Zufluss: mit etwa 2,5 Kubikmeter pro Sekunde fliesst die Brühe an. Das entspricht etwa dem doppelten mittleren Abfluss der Reppisch, Limmattalern ein Begriff. Das Werdhölzi reinigt tagtäglich 220'000 Kubikmeter Abwasser.

Erstaunlich und doch verständlich ist auch, dass im Kanalisationswasser Kröten, Frösche und Lurche mitschwimmen. Uns Naturschützer hat es ganz besonders gefreut, dass ihnen über Amphibientreppen der Ausstieg möglich ist. So können jährlich zwei- bis dreitausend Amphibienindividuen gerettet werden.

Die Reinigung des Wassers – Hauptthema des Rundgangs – ist eine verfahrenstechnisch ausgeklügelte Abfolge von Prozessen zur mechanischen Trennung von Stoffen mit geringerem oder höherem spezifischem Gewicht als Wasser, Filtrierung und anderen. Was sich der mechanischen Abscheidung widersetzt, wird der biologischen Klärung, mit Mikroorganismen – Hefepilzen und Bakterien – zugeführt. Mit deren Hilfe werden in Faulprozessen organische Substanzen zu Methangas, Kohlendioxid und Wasser abgebaut. Der Klärschlamm wird in verschiedenen Durchgängen verdickt und schliesslich – unter Gewinnung von Wärme und Strom - verbrannt. Für Einzelheiten sei die achtseitige Broschüre empfohlen (www.erz.ch).

Die Teilnehmer am Rundgang sind Herrn Merz für die eindrückliche, lehrreiche und auch kurzweilige Führung sehr dankbar. Richi Oesterreicher verdanken wir die Organisation.

Nino Kuhn, 26. Mai 2014