Seniorenrat Region Baden
Würenloser Träff 55 plus des SRRB

Alexandra Zihlmann
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Aus seinem vielseitigen Leben erzählte Heinrich Ursprung vor zahlreichem Publikum. In Zurzach aufgewachsen mit zwei älteren Brüdern, der Vater Fürsprech, die Mutter aus einer Hotelfamilie aus dem Berner Oberland, erlebte er als Erstklässler den Ausbruch des 2. Weltkrieges. Der Fleckenpolizisten rief die Mobilmachung aus. Der Blick seiner Mutter, die ihm sagte: „Heini, jetzt isch Chrieg“, liess ihn die Ernsthaftigkeit erahnen. Zwei Jahre später starb sein Vater an einer Herzkrankheit.

Nach der Bezirksschule besuchte Heinrich Ursprung die Kanti in Aarau und seinen Neigungen entsprechend, empfahl ihm der Biolehrer, Naturwissenschaft zu studieren. Diplomarbeit und Doktorarbeit machte er über die Entwicklung von der Larve zur Fliege des damalige Paradetiers Drosophila melanogaster, mit mikrochirurgischen Methoden.

Dann lernte er seine Frau Ursula kennen, die wissenschaftliche Fotographin an der ETH war. Sie heirateten und am 17.2.61 reisten sie mit einem Auswandererschiff ab Southampton in acht Tagen nach New York.

Der Grund war, dass es in der Schweiz zu wenig Stellen für Naturwissenschafter gab und er an der Universität in Baltimore in der Forschung und als Professor arbeiten konnte. Neun Jahre blieben sie in den USA. Zwei Söhne kamen zur Welt. Dem Ruf der ETH Zürich folgend, wurde er deren Präsident und konnte innerhalb der Fachgebiete und Strukturen wichtige Reformen einbringen, wobei er grosse Unterstützung durch die Würenloser Professoren Carl August Zehnder, Hans Eppenberger und Jan Stenflo erhielt. In Würenlos wurde die Tochter geboren.

Als Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung setzte er sich ein für den Subventionsbereich im Hochschulwesen. In diese Zeit, 1990 – 1997, fällt auch sein Engagement für die Fusion zweier Grossforschungsanlagen im Aargau: dem Eidg. Institut für Reaktorforschung EIR und dem Schweiz. Institut für Nuklearforschung SIN zum heutigen Paul Scherrer Institut PSI. Die anspruchsvollste Aufgabe war das Aushandeln des Forschungsabkommens mit der EU.

Noch lange hätte man zuhören mögen. Heinrich Ursprung verstand es ausgezeichnet, aus seiner Schatztruhe der Erinnerungen reichlich zu schöpfen. Er tat dies als hochkarätiger Vertreter der Wissenschaftsszene in einer beeindruckend bescheidenen Art. Die Zuhörerschaft dankte ihm mit einem grossen kräftigen Applaus. Beim anschliessenden Apéro wurden noch rege Gedanken ausgetauscht und die Geselligkeit gepflegt. Es wird ein unvergesslicher Nachmittag bleiben.

Alexandra Zihlmann