Seniorenrat Dietikon
Vorsorgeauftrag und die Patientenverfügung. Informationsveranstaltung vom 19. April

Elisabeth Preisig
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Trotz des schönen Wetters fanden sich am Donnerstagnachmittag mehr als 100 Personen im Gemeinderatssaal des Stadthauses Dietikon ein. Die fachkundigen Referenten übten, so Seniorenrat Peter Heinzer, heute ein „Heimspiel“ aus. Über den Vorsorgeauftrag referierte Dr. iur. Hansjörg Frei, Rechtsanwalt und vormaliger Vizepräsident des Bezirksrates Dietikon, und über die Patientenverfügung der ebenfalls in Dietikon wohnhafte Prof. Dr. med. Hans-Georg Imhof, der lange Jahre als Arzt an der Universitätsklinik Zürich tätig war.

Das vorwiegend ältere Publikum liess sich über die Möglichkeiten der selbstbestimmten Vorsorge orientieren. Hansjörg Frei wies gleich zu Beginn darauf hin, dass der Begriff „Vorsorge“ auch das Wort „Sorge“ enthält und insbesondere den Blick auf „sorgenvollen Zeiten“ umfasst. Gerade deshalb werde das „selbstbestimmte vorsorgen“ immer wieder hinausgeschoben – oder gar aus dem Gedächtnis gestrichen. Der Zuhörerschaft wurde auf verständliche Weise dargelegt, dass die Urteilsunfähigkeit vielfach nicht plötzlich da ist. Für die Betroffenen bedeutet sie aber das Aus in Bezug auf die eigene Willensäusserung und das Aus, eigene vernunftgemässe Entscheidungen treffen zu können. Die Urteilsuhfähigkeit kann uns alle jederzeit treffen. Die entsprechenden Vorsorgemöglichkeiten – im Zentrum standen der Vorsorgeauftrag und die Patientenverfügung - wurden in der Folge eingehend dargelegt. Die Anwesenden wurden darauf hingewiesen, dass sich verheiratete Paare zwar in gewissen Situationen gegenseitig vertreten können, doch seien die gesetzlichen Vertretungsmöglichkeiten beschränkt. Ohne Trauschein zusammenlebende Paare oder alleinstehende Personen, die möglicherweise schon seit Jahren von Familienangehörigen oder Freunden betreut würden, könnten nur mit einem Vorsorgeauftrag den gewohnten Lebensgang sicherstellen. Ohne Vorsorgeauftrag müssten sich auch diese bisherigen Betreuenden raschmöglichst mit der KESB (Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde) absprechen, wenn die von ihnen betreute Person nicht mehr urteilsfähig sei.

Das A und O jedes Vorsorgeauftrages (und auch jeder Patientenverfügung) sei das rechtzeitige daran denken und das Miteinandersprechen. Nur wer wisse, welche Aufgaben bei eingetretener Urteilsunfähigkeit (z.B. Demenz) der hilfsbedürftigen Person zu übernehmen sei, werde einen Vorsorgeauftrag auch annehmen und sich im Ernstfall nicht überfordert fühlen.

Die Anwesenden erfuhren, dass auch bei einem Vorsorgeauftrag die KESB eine wichtige Rolle spielt, weil Sie in diesem Fall eine gesetzliche „Versicherungsfunktion“ ausüben müsse. Die KESB habe hier nämlich zu prüfen, ob wirklich ein korrekt erstellter Vorsorgeauftrag vorliege und die Beauftragen (noch) willens seien, die notwendige Unterstützung zu gewähren. Bei vorhandenen Lücken müsse die KESB allenfalls eine ergänzende Unterstützung in die Wege leiten.

Im zweiten Teil orientierte Hans-Georg Imhof über die Patientenverfügung. Aus eigener Erfahrung als Arzt konnte er über die Gründe orientieren, die viele Patienten bewegen, eine Patientenverfügung zu erstellen. Einer der wichtigsten Gründe sei die Befürchtung, dass die liebsten Angehörigen nicht mit folgeschweren Entscheiden belastet werden. Man wolle diese Entscheide rechtzeitig und verbindlich selbst treffen (wie zum Beispiel in bestimmten Situationen auf eine lebensverlängernde Massnahme verzichten). Der Referent orientierte, was passiert, wenn keine Patientenverfügung vorliegt oder sich eine solche lückenhaft erweist. In diesem Fall habe das Gesetz eine Reihenfolge (Kaskade) festgelegt, welche Personen nacheinander stellvertretend für die urteilsunfähige Person medizinischen Massnahmen zustimmen müssten.

In der Folge stellten die Anwesenden sehr viele Fragen sowohl zum Vorsorgeauftrag, als auch zur Patientenverfügung, die von den Referenten zur Befriedigung der Anwesenden beantwortet wurden. Allen Zuhörenden wurde am Schluss der Veranstaltung eine Kurzzusammenfassung abgegeben, die auf die zahlreiche Beratungs- und Informationsangebote hinweist. Diese kann nun auch von der Seite des Seniorenrates Dietikon (www.seniorenrat-dietikon.ch) heruntergeladen werden.

Ein für alle Anwesenden aufschlussreicher und spannender Nachmittag! Vielen Dank an die Referenten.

Elsbeth Preisig