Die Liberalen
Von der Küchenschelle zum Auenschutz

Versammlung der FDP Erlinsbach

Marcel Siegrist
Drucken
Teilen

Ist regionaler Natur- und Landschaftsschutz wirklich ein nur linksgrünes Anliegen? Bei weitem nicht, meinte Johannes Jenny, Biologe und Geschäftsführer der PRO NATURA AARGAU kürzlich vor der FDP Erlinsbach AG. Natur und Landschaft brauchen an sich keinen Schutz. Naturschutz rechtfertigt sich nicht per se, sondern nur als Dienstleistung am Menschen.
Was bei uns sehr selten vorkommt, ist oft andernorts reichlich vorhanden. Dennoch ist es richtig, dass man zum Beispiel die Minivorkommen der Küchenschelle auf dem Bänkerjoch schützt. Das ist eine Dienstleistung am interessierten Menschen, der so Relikte aus dem früheren Pflanzenreichtum bewundern kann. Diese Schutzaktionen haben wenig mit politisch links oder rechts zu tun. Sie sind aber oft Konkurrenz zu jedem anderen Bedarf: Mit weniger Restwasser bei Stauanlagen kann mehr Strom erzeugt werden. Gedüngte Wiesen liefern mehr Ertrag.
Wenn die geschützten Kormorane hoch gefährdete Aeschenpopulationen bewirtschaften, entsteht ein Dilemma. Wollen wir satte schwarze Gesellen, die leergefressene Flussstrecken hinterlassen, oder müssen die Fischfresser mangels natürlicher Feinde eben durch die Menschen bewirtschaftet werden, damit eine nachhaltige Chance für beide Seiten entsteht? Emotionen aller Interessierten lassen grüssen!
Am Beispiel des Auenschutzes zeigte Jenny auf, wie ideal und nachhaltig das Miteinander von Prozessschutz, Erhaltung der reichen Biodiversität und der Multifunktionalität mit Artenschutz, Schaffung von Naherholungsmöglichkeiten, Gewässerschutz, verbunden mit Hochwasserschutz sein kann. Angestrebt wird, dass möglichst viele Mosaiksteine des Natur- und Landschaftschutzes durch Private, Vereine, Gemeinden und wo sinnvoll auch von Unternehmen übernommen werden. Solche Leistungen dürfen auch subventioniert werden, werden sie doch im Interesse aller erbracht. Durch die Sicherung von schutzwürdigen Flächen sind Vernetzungen der vielen bereits bestehenden Schutzgebiete möglich und erhöhen deren Wert.
Jennys Thesen führten zu reger Diskussion. Man war sich einig, dass „Lebensqualität zwischen Jura und Aare" noch viel Arbeit bringen wird. rw

Aktuelle Nachrichten