Karate-Club
Unterasinger ist Doppel-Schweizermeister

Die Wohler Karatekas sind national top. In Chur erzielten sie einmal mehr Glanzresultate, angeführt von Marcel Unterasinger, der gleich in zwei Disziplinen Schweizer Meister wurde

Marcel Siegrist
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Dieses Jahr waren die Schweizer Meisterschaften nicht bloss das höchste nationale Turnier. Im Gastgeberland der Weltmeisterschaften am 17. April 2010 galt dies als Hauptprobe vor dem weltweit grössten Event des Verbands seit Jahren. Entsprechend hochkarätig war auch das Teilnehmerfeld. Die WM-Nominierten mussten sich noch ein letztes Mal beweisen, um sich ihren Startplatz vor heimischem Publikum zu sichern.
Kata ist, neben dem Vollkontakt-Kampf, eine der beiden traditionellen Wettkampfformen. Es wird häufig mit einem „Scheinkampf" verglichen, da die Abfolgen von Schlägen und Tritten gegen einen imaginären Gegner gerichtet sind.

Viel versprechender Nachwuchs
Knapp 100 Teilnehmende standen am vergangenen Sonntag in Chur am Start. Bei den Jüngsten unter 16 Jahren versuchte Keerthana Veerasingam ihren 20. Rang vom Vorjahr zu verbessern, was ihr mit dem guten 10. Rang hervorragend glückte.
Eine schwierigere Ausgangslage diesbezüglich hatte die andere Wohlerin, Christa Hausherr, in der Kategorie Nachwuchs Damen (über 16 Jahre bis Grüngurt). Im letzten Jahr schaffte sie mit dem 2. Rang den Sprung aufs Podest. Doch auch in diesem Jahr stellte sie ihr Können unter Beweis und verpasste die Goldmedaille gar nur um einen Zehntelpunkt, womit sie erneut Vize-Schweizermeisterin wurde.

Wohler Elite in Topform
Ein spezielles Debüt an einer Kata Meisterschaft absolvierte Urs Eichenberger. Als einer der ältesten Teilnehmer stellte er sich dieser Herausforderung. Für die gezeigte Leistung verdiente er sich grossen Respekt, auch wenn er mit dem 20. Rang die Vorrunde nicht überstand.

Die drei weiteren Wohler Wettkämpfer in der Kategorie Elite (Braun- und Schwarzgurte) sind für die Weltmeisterschaft nominiert. Entsprechend hoch war der Leistungsdruck und die interne Konkurrenz.
Ronny Furger konnte leider nicht ganz an seinen Erfolg vom Vorjahr anknüpfen, wo er bis ins Final vorstiess. Für diesen reichte es ihm heuer knapp nicht, dennoch schaffte er wieder den Sprung in die Top 10.
Gerry Baumgartner schaffte den Finaleinzug unter die besten Acht mühelos, doch auch er musste sich mit zwei Rängen hinter seinem letzten Ergebnis zufrieden geben. Er erreichte den guten 7. Rang.
Marcel Unterasinger hatte nicht weniger als den Meistertitel zu verteidigen. Den hohen Erwartungen konnte er von Beginn weg gerecht werden - er setzte sich bereits nach dem ersten Lauf an die Spitze. Die Anspannung war im zweiten Durchgang allerdings doch spürbar. Für einen Sekundenbruchteil geriet er leicht aus dem Gleichgewicht, das kostete ihn die Führung und er fiel auf den zweiten Zwischenrang zurück. Als es dann ums Ganze ging, hielten jedoch die Nerven. Mit einem absolut souverän dargebotenen Finallauf konnte er sich am Ende doch deutlich durchsetzen und die verdiente Titelverteidigung feiern.

Bei den Elite Damen war auch in diesem Jahr die ebenfalls für die WM nominierte Janine Meyer angetreten. Im letzten Jahr noch für den Karate-Club Wohlen am Start, vertrat sie heuer den von Wohlern neu gegründeten Club in Wettingen. Mit dem undankbaren 4. Rang im Gepäck peilte sie nun einen Podestplatz an. Dies gelang ihr auf eindrückliche Weise. Sie erreichte sogar Punktgleichheit mit der amtierenden Vize-Schweizermeisterin und musste sich lediglich aufgrund einer Streichnote mit Bronze zufrieden geben.

Teamkata als Generalprobe für die Nationalteams
Für die Zuschauer wohl am attraktivsten ist das Teamkata. In dieser Disziplin starten drei Karatekas gleichzeitig und laufen eine Kata synchron. Im Rahmen der WM-Vorbereitung traten die Nominierten ausnahmsweise in ihren jeweiligen Nationalteams an. Üblicherweise werden die Teams innerhalb der Clubs zusammengestellt, was natürlich auch in diesem Jahr auf die nicht Nominierten zutraf. So kam es, dass die drei Wohler dieses Jahr ihren Vize-Schweizermeistertitel nicht gemeinsam verteidigen durften. Baumgartner und Furger bildeten zusammen mit Urban Zihlmann aus Kriens das Team „Switzerland 2". Unterasinger startete mit Dolores Jaros aus Strengelbach und André Emmenegger aus Kriens als „Switzerland 1". Dieses Team galt als klarer Favorit und distanzierte in den ersten beiden Durchgängen die restliche Konkurrenz auch klar. Trotz eines kleinen Patzers im Finallauf sicherten sich diese drei die Goldmedaille. Damit war klar, dass Unterasinger der ganz grosse Coup gelungen war und er sich als Doppel-Schweizermeister feiern lassen durfte!
Doch auch Baumgartner und Furger hatten Grund zur Freude. Sie lieferten sich mit dem Nationalteam „Switzerland 3" ein Kopf-an-Kopf-Rennen, mussten sich aber am Schluss klar geschlagen und mit dem hervorragenden dritten Podestrang zufrieden geben.

Aus Wohler Sicht haben die Nominierten somit die Hauptprobe zur Weltmeisterschaft mit Bravour bestanden. Viel Zeit für Optimierungen bliebe auch nicht mehr. Der Höhepunkt des Jahres findet bereits am 17. April 2010 in der Krauerhalle in Kriens statt. Dort wird sich zeigen, wo die Schweizer Elite im internationalen Vergleich steht.(mun)