Seniorenrat Region Baden
Träff 55 plus "Weisch no?" Bauernleben früher

Alexandra Zihlmann
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Über das Bauernleben von früher bis heute berichteten im Träff 55 plus des Seniorenrates Region Baden Claudia Markwalder-Sozzi, Ruedi Markwalder und Ernst Moser ausführlich vor einem voll besetzten Saal in der Alten Kirche.

In Würenlos lebten früher alles Bauern, so Ruedi Markwalder, und waren grösstenteils Selbstversorger. Ein paar grössere Betriebe konnten sich Knechte leisten, die meisten aber waren kleine Bauernhöfe mit ein bis zwei Kühen, Kleintieren und Gemüsebau.

1862 wurde die Käsereigenossenschaft Würenlos-Kempfhof-Oetlikon gegründet mit 46 Milchlieferanten. 1969 kontrollierte Markwalder als Milchschätzer 35 Lieferanten, heute seien es nur noch 7.

Rebbau war ganz wichtig in Würenlos bis 1905 die Reblaus alles zunichte machte.

Im gleichen Jahr kam die Eisenbahn und die Getreidefrucht wurde importiert, vor allem aus der Ukraine. Der 1. Weltkrieg stoppte die Einfuhr von Getreide aus dem Ausland und der Bund übernahm die Versorgung bis heute.

Auf dem Land ging es den Leuten nocht gut, aber in den Städten litten sie Hungersnot. 1920 und 1938 wütete die Maul- und Klauenseuche in der ganzen Schweiz, auch in Würenlos. Im 2. Weltkrieg war alles rationiert ausser Gemüse und Obst. Dem Mehl mischte man Kartoffeln bei und es gab fleischlose Tage. 1954 baute die Milchgenossenschaft eine Gefrieranlage, was für die Lagerung von Fleisch ein grosser Fortschritt war. Erste Melchmaschinen kamen 1955 bis 1960 in die Höfe und auch Motormäher (Rapid) und Ladewagen besassen bald alle Betriebe.

Ernst Moser berichtete über Getreideanbau und -ernte von früher und heute. Die Arbeiten bleiben sich immer noch gleich. Es muss gesät, gepflegt und geernetet werden. Doch durch mehr Maschineneinsatz braucht es heute viel weniger Arbeitskräfte. Die psychische Belastung mit 10 bis 12 Stunden-Einsätzen mit dem Mähdrescher ist gross, da bei einem Kapitaleinsatz bis zu Fr. 400'000 überbetrieblich Tag und Nacht gearbeitet werden muss damit.

Claudia Markwalder liess die wichtigen Arbeiten der Bauersfrauen nicht unerwähnt. Sie waren nicht nur Mutter und Hausfrau, die Vorratshaltung hatte einen hohen Stellenwert, der Garten mit Gemüse und Blumen waren ihr Stolz. Dann gab es die Wäschetage; manche hatten Störfrauen für diese schwere Arbeit.

Das Leben war hart aber es wurden auch Feste gefeiert und die Metzgete war immer ein fröhliches Ereignis. Ruedi Markwalder beschrieb anschaulich, wie eine Hausmetzgete von statten ging durch einen Störmetzger auf dem Hof.

Mit den dazu passenden Bildern sowie alten Gegenständen dokumentierten die Vortragenden ihre äusserst interessanten Erzählungen und das Publikum honorierte sie mit einem langen Applaus.

Alexandra Zihlmann

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