Gemeindezentrum Bethel
Themenserie "Im Anfang - Schöpfung oder Zufall?"

Michael Ruppen
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Einzelne Themen

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Ich stehe neben dem Fussballfeld, wo mein sechsjähriger Sohn im FC trainiert. Im Gespräch mit einem anderen Vater kommen wir auf unseren Beruf zu sprechen. Ich erkläre, dass ich Pastor (Pfarrer) einer Kirchengemeinde in Wettingen bin. Er schaut mich mit wohlwollendem Mitleid an und meint: "Das ist grossartig. Aber - bitte nicht falsch verstehen - ich selber kann nichts mit Glaube anfangen. Ich bin eher auf der wissenschaftlichen Seite, da kann ich halt nicht an einen Schöpfungsbericht wie in Genesis (das erste Buch Mose in der Bibel) glauben". Solche Reaktionen erhalte ich immer wieder. Es ist etwa so, wie wenn dir jemand mit einem iPhone 7 sagt: "Es tut mir so leid, dass du noch mit dem alten Nokia 3310 telefonieren musst. Das wäre nichts für mich." Es fragt sich: nur weil etwas alt ist, ist es deswegen – wie definitiv im Fall eines Natels - weniger wert? Sind Wissenschaft und Glaube wirklich einander entgegengesetzt? Trotz allem technischen Fortschritt bleiben gewisse Fragen aktuell. Mit der Themenserie "Im Anfang - Schöpfung oder Zufall?" gehen wir zumindest auf eine dieser Fragen ein und kommen dabei auf überraschende Resultate.

Woher kommen wir?

Die Frage, woher wir kommen, ist und bleibt einer der spannendsten Fragen überhaupt. Seit vielen Jahrzehnten verbreiten Medien und Schulen die Evolution als Modell mit der grössten Erklärungskraft. Evolution im Sinne eines ungesteuerten, rein naturalistischen Prozesses, sei bewiesene Sache. Trotz diesen Beteuerungen glauben in der Schweiz noch immer über 40% an einen übernatürlichen Schöpfer. Rund weitere 20% sind sich in ihrer Antwort nicht sicher oder sind jedenfalls nicht so richtig von einem rein zufälligen Ursprung überzeugt.

Woher kommt dieses Misstrauen gegenüber vermeintlich bewiesener Wissenschaft? Ist der Gedanke einfach zu unerträglich, dass wir ein unbedeutendes Zufallsprodukt sein sollen? Oder liegt es an der sogenannt postfaktischen Zeit, in der jeder sich seine eigene Realität zusammenbaut? Oder ist es möglicherweise die leise Ahnung, dass es sich - in den Worten von Mathematik und Philosophie Professor David Berlinski - bei der Evolution gar nicht um eine wissenschaftliche Theorie, sondern lediglich um eine "Sammlung Anekdoten und Vermutungen" handelt? Was wäre denn überhaupt die Alternative zur Evolution? Etwa ein Rückgriff auf eine schöpferische Intelligenz? Klafft nicht ein unüberbrückbarer Graben zwischen Wissenschaft und Glaube?

Sind Wissenschaft und Glaube miteinander vereinbar?

Während vielen hundert Jahren galt im Abendland die biblische Erzählung aus dem ersten Buch Mose als Erklärungsmodell für die Entstehung der Welt. In den Medien wird heutzutage diese Darstellung als Kreationismus bezeichnet und belächelt. Denn unter Kreationismus verstehen sie zumeist die Idee, dass die Welt weniger als 10'000 Jahre alt ist und Gott die Erde und das Leben in sechs 24-stunden Tagen erschaffen hat. Eine solche Ansicht widerspricht sämtlichen bekannten astronomischen und geologischen Feststellungen. Sie erfordert somit einen blinden Glauben, welcher der Wissenschaft entgegengesetzt ist. Heute wird oft gesagt, dass sich Glaube und Wissenschaft grundsätzlich nicht vereinen lassen. Eine solche Überzeugung untergräbt jedoch sich selbst: denn, wie glaubwürdig ist ein Glaube, der sich nicht wirklich in der Realität verankern lässt? Oder anders gefragt: wenn bereits der Schöpfungsbericht in den ersten Kapiteln der Bibel nachweislich falsch ist, wieviel vom christlichen Glauben kann dann überhaupt stimmen?

Als Galileo Galilei öffentlich dafür eintrat, dass sich die Erde um die Sonne drehte und deswegen mit der Kirche in Konflikt geriet, sagte er dazu etwas Bemerkenswertes: "Wenn aber auch die Bibel nicht irren kann, so könnte doch ein Ausleger derselben in verschiedener Weise irren". Die Reaktion seines katholischen Gegenspielers, Kardinal Bellarmin, war gleichermassen bemerkenswert: "Ich halte dafür: wenn es wahrhaft bewiesen würde, dass die Sonne im Mittelpunkt der Welt und die Erde im dritten Himmel steht und dass nicht die Sonne die Erde umkreist, sondern die Erde die Sonne umkreist, dann müsste man sich mit großem Bedacht um die Auslegung der Schriften bemühen, die dem zu widersprechen scheinen, und eher sagen, dass wir es nicht verstehen, als zu sagen, das Bewiesene sei falsch. Aber ich werde nicht glauben, dass es einen solchen Beweis gibt, solange es mir nicht bewiesen worden ist". Es handelte sich also damals nicht um einen Konflikt zwischen Wissenschaft und Glaube, sondern um einen Konflikt der Auslegung zweier Bücher: Auf der einen Seite stand das Buch der Natur. Es ist die Aufgabe der Naturwissenschaften, dieses Buch auszulegen. Auf der anderen Seite stand das Buch der Bibel. Auch dieses Buch bedarf der sorgfältigen Auslegung. Manchmal werden dabei unbemerkt vorgefertigte Ansichten in den Text hineingelesen. Im Fall von Galileo stellte sich rückblickend heraus, dass die Idee eines geozentrischen Kosmos nicht aus der Bibel stammte, sondern durch die Kirche von Aristoteles übernommen wurde. Biblische Texte betreffend Sonne und Erde wurden also durch die Brille von Aristoteles ausgelegt. Darunter hat die Glaubwürdigkeit der Bibel und der Kirche gelitten.

Genauso müssen wir uns heute fragen: welche Ideen betreffend Schöpfung sind wirklich in der Bibel verankert, und welche Ideen werden von aussen in den Text hineingelesen? Wie schon bei Galileo könnte es sich herausstellen, dass zwischen Wissenschaft und Glaube gar kein Konflikt besteht - sondern vielmehr in der Auslegung des Buches der Natur und des Buches der Bibel.

Wie alt ist die Erde wirklich?

Wie kommen nun Kreationisten auf die Idee, dass die Erde wenige tausend Jahre alt ist? Finden sie diese Zahl in der Bibel? Nicht wirklich. Im 19. Jh. glaubte ein gewisser Bischoff Usher, das Alter der Erde herausfinden zu können, indem er die Lebensjahre der Stammbäume aus dem ersten Buch Mose Kapitel 4 zusammenzählte. So kam er auf das irrtümliche Ergebnis, dass die Erde 4004 Jahre vor Christus erschaffen wurde. Leider war er zu wenig mit hebräischen Stammbäumen vertraut - sonst hätte er gewusst, dass die Begriffe Vater und Sohn auch mit Nachfahre und Vorfahre übersetzt werden können und hebräische Ahnenreihen generell lückenhaft waren. Die Vorstellung von Kreationisten, dass die Erde nur wenig tausend Jahre alt ist, ist also relativ neu. Auch die Vorstellung, dass es sich bei den sechs Schöpfungstagen um 24 Stunden Tage handelt, ist modern. Als beispielsweise der Kirchenvater Augustinus vor über 1500 Jahren den Schöpfungsbericht im ersten Buch Mose las, meinte er dazu: "Wir wissen, dass die Schöpfungstage sich von gewöhnlichen Tagen unterscheiden". Er bemerkte im Bibeltext unter anderem, dass der siebte Tag nicht wie die anderen sechs durch das Erwähnen von Abend und Morgen abgeschlossen wurde. Daraus leitete er ab, dass es sich bei den Schöpfungstagen um längere Zeitabschnitte handeln musste.

Wenn uns heute die Astronomie und Physik aufzeigt, dass das Universum gut 13,7 Mia Jahre und die Erde rund 4,6 Mia Jahre alt ist, steht dies also in keiner Weise im Widerspruch zum biblischen Schöpfungsbericht. Das wirklich erstaunliche des biblischen Schöpfungsberichts ist aber nicht, dass er sich gut mit heutigen Erkenntnissen der Wissenschaft vereinbaren lässt. Das Erstaunliche ist, dass sich daraus ein wissenschaftliches Modell ableiten lässt, welches konkrete und überprüfbare Vorhersagen macht.

Wissenschaftliche Beweise für Gott?

Als der Astrophysiker Dr. Hugh Ross die Schöpfungsberichte verschiedenster Religionen durchstöberte, kam er schliesslich auch zur Lektüre des biblischen Schöpfungsberichts. Er wuchs in einer säkularen Umgebung auf und bezeichnete sich als Agnostiker. Ohne auch nur einen einzigen Christen zu kennen, las er alleine die Bibel aus der Perspektive eines Naturwissenschaftlers. Er stellte fest, dass alle 14 Aussagen im biblischen Schöpfungsbericht betreffend Inhalt und Reihenfolge mit modernen Beobachtungen zu 100% übereinstimmen. Keine der anderen Schöpfungsgeschichten kommt auch nur annähernd an die präzisen Vorhersagen der Bibel heran. Dr. Ross ist bei weitem nicht der einzige Wissenschaftler, welcher durch sein Studium des Buches der Natur und des Buches der Bibel zum christlichen Glauben fand. Gemeinsam mit Forschern aus verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen erstellte er ein testbares Modell aufgrund des biblischen Schöpfungsberichtes. Auf diese Art lässt sich aus wissenschaftlicher Sicht Evidenz für Gott und den biblischen Schöpfungsbericht darlegen. Bereits Thomas von Aquin, Blaise Pascal, William Paley und viele mehr stellten philosophische Argumente für den biblischen Schöpfergott auf. Wir leben in einer sehr spannenden Zeit, denn nun können einige dieser ursprünglich rein philosophischen Argumente auch wissenschaftlich belegt werden. In der Themenserie "Im Anfang - Schöpfung oder Zufall?" werden wir einige davon präsentieren.

Wer seid ihr eigentlich?

Zurück zur anfangs erwähnten Begegnung neben dem Fussballfeld. Eine Frage, die mir auch regelmässig gestellt wird ist: Was seid ihr denn für eine Kirche? Ich erkläre dann jeweils, dass wir grundsätzlich der reformierten Tradition angehören. Aus der Reformation ging dann die Täuferbewegung hervor, welche betonte, dass man sich nach biblischem Vorbild für die Wassertaufe aus eigenem Willen entscheiden sollte. Etwas später entstanden in Europa und Amerika verschiedene sogenannte Heiligungsbewegungen. Diese betonten, dass es im christlichen Glauben nicht nur darum geht, in der Kirche einen Stuhl zu wärmen, sondern dass es zu einer erkennbaren Veränderung im Leben des Gläubigen kommen muss. Vor etwas mehr als hundert Jahren kam dann die Pfingstbewegung ins Rollen. Sie bezieht sich auf das biblische Pfingstfest und betont die persönliche Erfahrbarkeit des Glaubens. Weltweit gesehen wuchs diese Bewegung auf eine Grösse von mittlerweile etwa 600 Mio. Gläubigen. Als Pfingstgemeinde sind wir in der Schweiz zwar nicht Teil der Landeskirche, aber wir sehen uns ebenfalls als Teil der christlichen Glaubensfamilie (mehr darüber erfährt man auf www.gzb.ch).

Hinter der Frage "wer seid ihr eigentlich?" versteckt sich jedoch oft diese Besorgnis: Seid ihr denn eine Sekte? Zumeist versteht man unter diesem Begriff Sekte eine religiöse Gruppe, die in irgendeiner Weise kontrollierend oder schädlich ist. Persönlich bin ich überzeugt, dass eine christliche Kirchengemeinde in dem Mass kontrollierend oder schädlich wird, wie sie sich von Christus und seinen Worten entfernt. Die biblische Botschaft von Jesus ist lebensspendend. Wenn man mit offenen Augen und Ohren eine Kirchengemeinde besucht, wird man bald feststellen, ob sie lebensspendend oder tot ist. Am besten, man überzeugt sich persönlich.

(Michael Ruppen, 16. Aug. 2017)