Gesangsverein
Stadtsänger reisten ins Wallis

Zwei erlebnisreiche Tage

Marcel Siegrist
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Am Samstagmorgen versammelte sich zu früher Stunde eine frohe Schar Sängerkollegen beim Bahnhof Aarau. Das Wetter war schön und warm. Wir fuhren mit dem FC-Aarau-Bus in die Westschweiz.
Der erste Halt war am Greyerzersee, mit wunderbarem Ausblick ins Grüne. Dann ging es dem Genfersee entlang ins Wallis, mit Halt in Saint-Maurice.
Saint-Maurice ist das zweitälteste Kloster der Welt, das seit Gründung immer in Betrieb war. Das älteste steht auf der Sinai-Halbinsel. Es wurde, wie uns zwei Begleitpersonen erklärten, im Jahre 515 gegründet, zu Ehren von Mauritius, Exsuperius und Candidus, die im Jahre 300 getötet wurden, weil sie den römischen Kaiser zwar als Heerführer, nicht aber als Gott anerkannten („Du gibst uns Sold für unsere Strapazen. Er schenkt uns den Anbeginn allen Lebens.") Das damals Agaunum genannte Städtchen war eine Garnisonstadt, und am gleichen Ort, unter einem hohen Felsen, wurden die römischen Gottheiten geehrt. Heute leben im Kloster Augustiner-Mönche. Wegen Felssturz wurde im Laufe der Jahrhunderte die Kirche etwas weiter weg vom Felsen gebaut, und die alten Fundamente werden heute überdacht und ausgegraben. In der Klosterkirche sangen wir einige Kostproben aus unserem Repertoire.

Das Mittagessen nahmen wir im Städtchen im Restaurant La Dent du Midi ein: unter freiem Himmel wurde Nudeln, Plätzli, Rübli und weitere Gemüse, sowie Glacé und zwei Biere serviert, fast wie in der Deutschschweiz.

Bei schönstem Sommerwetter fuhren wir danach das Wallis hinauf zum Zimmerbezug im Hôtel des Bains in Saillon, also noch im französischsprachigen Wallis. Im Hotelprospekt steht: „Zwischen Weinbergen, Thermalbad und den sonnenverwöhnten Alpen kommen all unsere Gäste in den Genuss eines ganz besonderen Wohlfühlerlebnisses". So war es auch.

Wir fuhren darauf durch den Pfynwald und am Städtchen Leuk und der Satelliten-Empfangsstation vorbei „in die Berge" auf 1300 müM nach Guttet-Feschel, und waren beim Abendgottesdienst in der Pfarrkirche anwesend. Der Kirchenchor sang die religiösen Gesänge, wir Stadtsänger dazwischen aus unserem Repertoire. Die Kirche war ganz ungewohnt voll, man hatte den Eindruck, das ganze Dorf sei anwesend.

Zu Fuss gingen wir darauf ins Heimatdorf unseres Mitsängers und Wanderchefs Pius Schmidt, nach Feschel. Er ist hier aufwachsen, und seine Familie hat damals noch einen Weinberg und Viehwirtschaft betrieben. Die Strasse wäre für den Bus wegen fehlender Wendemöglichkeit ungeeignet gewesen. Im Gemeindelokal hörten wir zuerst eine instruktive Präsentation des Gemeindepräsidenten zur Geschichte und den aktuellen Umständen des Dorfes. Es besteht aus den alten Dörfern Guttet und Feschel, die 2000 fusioniert haben. Bergbauern gibt es nicht mehr. Die Einwohner sind grösstenteils Söhne und Töchter der früheren Bergbauern und arbeiten heute im Tal. Im vorletzten Jahrhundert wurde ja auch die Rhoneebene entwässert, und die Strasse vom Unter- ins Oberwallis geht jetzt durch den Pfynwald im Talgrund, nicht mehr über die Berge, sodass Feschel am Ende des 19. Jahrhunderts die frühere Bedeutung als Säumerort verlor.

Darauf erlebten wir eine grosse Ueberraschung: ein Nachtessen, vorbereitet von Hilde Lüthi, der Frau von Pius, mit mehreren Helferinnen. Wir sassen an grossen Tischen und liessen uns bestens bedienen: Salatteller, Nudeln, Braten, Dessert und Walliser Wein, dazwischen Gesänge. Der Rückweg unter dem Mond zum Bus war bei sommerlichen Temperaturen schön und nicht ganz leise. Gegen Mitternacht waren wir wieder in Saillon; die meisten suchten bald das Bett auf und schliefen den Schlaf der Gerechten.

Am Sonntagmorgen war wieder schönes und warmes Sommerwetter. Nach dem Frühstück an grossen Tischen fuhren wir nach Varen, und besuchten eine typische Walliser KMU, was in dieser Gegend ein Familienbetrieb zur Herstellung und zum Verkauf von Wein ist. Wir waren in der „Cave du Chevalier Bayard", wo uns unsere beiden Sängerkollegen Jan Gantner und Walter Zürcher zu einer Verpflegung mit Käse, Brot und Wein einluden. Der Weinbauer war persönlich anwesend und bestätigte, dass er 24 Weinsorten pflegt, und alle Weine unbeschnitten sind. Wir brachten es beim Probieren nicht ganz auf 24 Sorten. Dann ging es weiter nach Raron, wo wir zuerst die Felsenkirche besuchten und einige Lieder sangen. Darauf zog es etwa die Hälfte auf den Hügel mit der alten Kirche und dem an die Kirchenmauer angelehnten Grab des Dichters Rilke (1875 - 1926). Unsere weniger Höhen- und Kirchen-orientierten Mitsänger vergnügten sich in einer Gartenbeiz.

Zurück in den bequemen Carsitzen ging es über Gletsch, die Grimsel und das Berner Oberland auf den Brünigpass, wo wir im Restaurant Waldegg das Abendessen einnahmen. Dann fuhren wir nach Aarau. Die diversen Tunnels störten uns kaum mehr, wir hatten das schöne Wallis und die vielen guten Erlebnisse im Kopf.

Ein herzlicher Dank gebührt unserem Reisemarschall Pius Schmidt für die Organisation der spannenden und erholsamen Reise ins Wallis. (gru)

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