SP Bezirk Brugg
SP-Themenabend: Arbeitslosigkeit gestern - heute - morgen

Heini Kalt
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Zahlreiche Betroffene und Interessierte besuchten am 20. Mai 2014 den SP-Anlass zum Thema „Arbeitslosigkeit“ im Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) Brugg. Heini Kalt, Co-Präsident der SP Bezirk Brugg, begrüsste die Anwesenden und stellte die beiden Referierenden vor: Linda Baldinger, Leiterin des RAV Brugg, und Bruno Graf, Leiter des RAV Suhr, führten sachkundig ins Thema ein. Stichworte der Präsentation waren: die Entwicklung des Arbeitsmarktes (gestern, heute und morgen), die Aufgaben und die Rolle der RAV, stellensuchend/arbeitslos: Stigma oder Chance?, sowie die kantonale Kampagne „Potenzial50plus“.

„Rund 13‘000 Stellensuchende im Aargau bilden ein grosses Dorf“, führte Bruno Graf aus. Doch nicht nur die hohen, im langjährigen Mittel leider steigenden, Zahlen machten betroffen, sondern auch die zahlreichen Beispiele aus der RAV-Praxis. Bei konjunkturellen Schwankungen seien es meist junge Mitarbeitende, welche rasch die Stelle verlieren. Diese würden bei einer anziehenden Konjunktur jedoch auch wieder rascher in den Arbeitsmarkt integriert. Schwierig wird die Stellensuche für über 50-jährige. Nicht nur, weil diese meist länger arbeitslos sind, sondern auch weil oft gravierende Nebenerscheinungen mit dem Verlust des Jobs einhergehen: Depressionen, soziale Isolation oder Suchtkrankheiten können die Stellensuche zusätzlich erschweren, ausgelöst durch Existenzängste und das falsche Stigma, dass Arbeitssuchende ja meist selbst schuld an ihrer Situation seien. Auch die zunehmende Verschiebung von Festangestellten zu temporären Arbeitskräften - insbesondere in personalintensiven Industriebetrieben - ist eine beunruhigende Tendenz. Statt motivierte, dem Unternehmen verpflichtete Mitarbeitende, werden Arbeitskräfte fast schon als Tagelöhner angeheuert, häufig auch durch auf diese Form spezialisierte Rekrutierungsfirmen.

Zum Abschluss des spannenden SP-Themenabends berichtete eine betroffene Stellensuchende von ihrem eigenen Schicksal. Sie erläuterte, wie es ist, unverschuldet die Stelle zu verlieren und danach hunderte von Bewerbungen zu verschicken, ohne einmal eine Chance zu erhalten, sich in einem Bewerbungsgespräch zu beweisen. Oft erfolgt nicht einmal eine Rückmeldung. Dass die Bewerbungsunterlagen heutzutage meistens elektronisch per E-Mail eingereicht werden müssen, ist verständlich und auch praktisch. Immer häufiger aber müssen sich die Stellensuchenden auf Firmen-Homepages registrieren und ihre Lebensläufe dort in Datenbanken erfassen. Dabei ist jede Homepage anders, der Aufwand für die technisch nicht versierten Bewerbenden enorm, der Datenschutz meist nur unklar geregelt.

Dennoch gibt es immer wieder auch Erfolgsgeschichten - auch nach längerer Stellensuche. Beschäftigungsprogramme, Weiterbildungen und die tatkräftige Unterstützung der RAV, die auch mit den Arbeitgebern in der Region in engem Dialog stehen, helfen den Betroffenen aus ihrer Situation.

Beim anschliessenden Apéro wurden eigene Erfahrungen und die vermittelten Informationen rege diskutiert. Die SP wird dieses erfolgreiche Format weiter nutzen, um soziale Themen in einer breiteren Öffentlichkeit zu thematisieren.

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