SP Obersiggenthal
SP Obersiggenthal: Bildungsziele und Geld

Hansulrich Schütz
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Drohen die Leistungsvorgaben für die Schulen an fehlendem Geld zu scheitern?

Die Ausführungen von Niklaus Stöckli als Vertreter des Dachverbandes Lehrerinnen und Lehrer Schweiz LCH, Bruno Glettig als Gesamtschulleiter in Obersiggenthal und Eva Eliassen als Berufs- und Laufbahnberaterin, hinterliessen kaum Zweifel: Sparen bzw. Ressourcenentzug im Schulbereich bedeutet sehr rasch Leistungsabbau. Gespart wird schon länger, im Aargau ist nunmehr die Rede von weiteren Einsparungen bis 2018 von über 100 Mio. Franken. Beim Personal – d.h. bei den Lehrerinnen und Lehrern - ist die Zitrone gemäss Stöckli ausgepresst. Kinder und Jugendliche müssen heute auf eine überaus vielfältige Welt vorbereitet werden. Sie müssen Eigeninitiative entwickeln, kreativ sein, mit neuen Medien umgehen können, und – für ihr späteres (Berufs-) Leben Sozialkompetenz erlernen. Ohne motivierte, kompetente Lehrpersonen, die ihren Beruf nicht einfach als kurzfristige Lebensabschnittsphase verstehen, lassen sich die Bildungsziele nicht erreichen.

Und die jetzt vorgesehenen Formen des Sparen, die sich im Aargau abzeichnen, gehen weiter ans Eingemachte: Abbau bei Einschulungsklassen, Förderangeboten oder im Fächerangebot. Zwar führt dies kurzfristig zu Minderausgaben. Mittel- und längerfristig erschwert dies aber – wie Eva Eliassen überzeugend aufzeigte – die Eingliederung von Schwächeren in eine immer anforderungsreicher werdende Erwerbswelt. Die Arbeitslo­senstatistiken zeigen klar: Wer über zu wenig Knowhow und Flexibilität verfügt, - bleibt überdurchschnittlich häufig und lang im sozialen Auffangnetz hängen – mit entsprechend hohen gesellschaftlichen Kosten.

Ist Sparen im Schulbereich völlig unmöglich? So einfach machten es sich die Refe­rierenden nicht. Selbstverständlich gibt es auch Raum für Effi­zienzgewinne. Aber die Probleme stellen sich bei der Umsetzung. Besonders deutlich wurde dies beim scheinbar so einfachen und kosten­wirksamen Vorschlag des renommierten Bildungsforschers Stefan Wolters, die Schülerzahlen pro Klasse um 1 oder 2 Schüler zu erhöhen. Theoretisch zwar einleuchtend, aber eben doch eine Milchbüchleinrechnung, so das einhellige Fazit. Denn in der Praxis müssten dann z.B. Schülerinnen und Schüler auch über Gemeindegrenzen hinweg umverteilt werden. Gerade im Aargau kollidiert diese Vorstellung mit der tief verankerten kleinräumigen föderalistischen Ge­mein­destruktur. Und im Raum Turgi, Unter- und Obersiggenthal gibt es dieses Denken über die Gemeindegrenzen hinweg schon auf Bezirksschulebene. Einfach zu realisieren sind solche Lösungen aber nicht, schon gar nicht auf den unteren Schulstufen.

Ein wichtiges Thema bildete das für Obersiggenthal absehbare Wachstum der Klassenzahlen. Bruno Glettig, Gesamtschulleiter, verwies u. a. auf fehlende Klassenräume und die für die neuen Lehrmethoden engen Raumverhältnisse in den bestehenden Schulbauten, was schon heute zu grossen organisatorischen Problemen führt. In Obersiggenthal werden Kinder mit sehr unterschiedlichem kulturellem und sozialem Hintergrund und in unterschiedlichen Entwicklungsphasen betreut. Auch hier besteht die reelle Gefahr, auch schon im Kindergarten, dass zu grosse Klassen die Unterrichtsqualität beeinträchtigen. Für den Schulleiter führt aufgrund der Schülerzahlprognosen schon kurzfristig kein Weg an der Schaffung zusätzlichen Schulraums vorbei. Die Diskussion zeigte aber, dass aufgrund der knappen Gemeindefinanzen hier zweifellos auch provisorische Lösungen geprüft werden müssen.

Erwartungsgemäss konnte die Veranstaltung das Problem knapper werdender Ressourcen nicht lösen. Unwidersprochen blieb aber die vom Schulleiter formulierte Gewissheit, „dass die Schüler der Gegenwart nicht mit den Methoden der Vergangenheit auf die Welt der Zukunft vorbereitet werden können“.