Männerriege
Sherlock Holmes, Regen und Kristalle.

Turnfahrt der Männerriege Unterkulm

Marcel Siegrist
Merken
Drucken
Teilen

Unter diesem Titel könnte man die diesjährige Turnfahrt der Männerriege
Unterkulm stellen. Sherlock Holmes deshalb, weil der Detektiv aus den
Romanen von Sir Arthur Conan Doyle in Meiringen allgegenwärtig ist. Denn
Meiringen war die Endstation des Helden mit der Pfeife und der markanten
Kopfbedeckung. An den Wänden der Reichenbach-Fälle fand er den literarischen
Tod im Kampf gegen seinen Erzrivalen Moriarty.
Damit ist er unsterblich und zieht jedes Jahr nicht nur Briten, sondern
Fans aus der ganzen Welt ins Berner Oberland.
Das war aber nicht der Grund unserer Turnfahrt nach Meiringen.
Grund war die Aussicht auf schöne Wander- und Bike-Touren im Grimselgebiet
oder der grossen Scheidegg. Diese mussten allerdings wegen
des Dauerregens auf ein Minimum reduziert werden.
Die 22 Männer der Riege Unterkulm zogen es am ersten Tag vor,
in die kilometerlangen Stollen der Kraftwerke Oberhasli zu tauchen.
Hier erwartete uns eine grosse Überraschung. Nicht nur Turbinen,
Generatoren und Peltonräder waren ein Thema. Beim Bau eines
Verbindungsstollens stiess man auf eine 20 Meter lange Kristallkluft.
Nachdem sich die Arbeiter ihre Taschen mit den lupenreinen Quarzen,
in so genannter Mailänder-Qualität, gefüllt hatten, wurde die Kluft geschlossen
und unter Schutz gestellt. Sie kann heute durch Sicherheitsglas in strahlendem
Halogen-Licht bestaunt werden.
Wieder am Tageslicht hatten sich die schweren Regenwolken für eine
kurze Zeit verzogen und wir konnten die imposanten Reichenbachfälle
von schwindelerregender Höhe betrachten.
Hier teilte sich unsere Gesellschaft, teils in Wanderer die den Weg nach
Meiringen unter die Füsse nahmen, teils in Trottinettfahrer, die auf breiten
Reifen zu Tal brausten. Aber auch die Autos mussten wieder ins Tal,
so dass sich noch eine dritte Gruppe bilden konnte.

Die ganze Nacht über war der Regen vor dem Fenster zu hören. Das
verhiess nichts gutes für den Samstag. Erst nach zehn Uhr stellte sich
kurz eine Regenpause ein und wir Wanderer konnten den Aufstieg durch
die Alpbachschlucht in Angriff nehmen. Mit beiden Händen am Drahtseil
auf den nassen Tritten Halt suchend, hangelten wir uns hinauf. Oben
angekommen mussten wir die Regenschirme und Pellerinen erneut
aktivieren, denn es begann gleich wieder wie aus Kübeln zu giessen.
Trotzdem möchten wir nicht auf dieses Erlebnis, den Aufstieg durch
den nebelverhangenen, triefenden Märchenwald mit den unzähligen
Pilzen, verzichten.
Die Biker waren zu diesem Zeitpunkt unterwegs auf Bikerwegen am
rechten Brienzersee-Ufer Richtung Interlaken. Sie sind einigermassen
trocken dort angekommen, verzichteten dann aber, angesichts des
widrigen Wetters auf die Rückfahrt am gegenüberliegenden Seeufer.

Aber was wäre Meiringen ohne Meringue. Erst nach einer grossen Portion
mit viel Rahm, konnten wir an die Rückfahrt denken. Bereits in Sarnen
lichteten sich die Wolken und Sonnenstrahlen begleiteten uns wenigstens
auf der Heimfahrt.(hsc)