Volleyball
Seit zehn Jahren erfolgreich - die Talent School Aargau

Die Talentschule Aargau besteht nun seit zehn Jahren. Was wurde bisher erreicht und wie soll sich die Ausbildungsstätte für junge Volleyballer und Volleyballerinnen weiterentwickeln? Im Interview mit dem Sportlichen Leiter der Talent School Aargau Volleyball, Bujar Dervisaj, wird zurückgeblickt, in die Zukunft geschaut und über die Motivation des leidenschaftlichen Trainers gesprochen.

Roxana Wenger
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Bujar Dervisaj liegt eine gute Grundtechnik bei seinen Volleyball-Schülerinnen und Schülern sehr am Herzen.

Bujar Dervisaj liegt eine gute Grundtechnik bei seinen Volleyball-Schülerinnen und Schülern sehr am Herzen.

Zur Verfügung gestellt

Die Talentschule ist ein Ausbildungslehrgang für junge Athleten und Athletinnen in der Region Aargau. Sie wird in Koordination an das Angebot der Sportabteilung an der Alten Kantonsschule Aarau und mit einigen Berufslehren geführt. Die Talentschule soll den Jugendlichen die Möglichkeit bieten, viel Zeit in den Volleyballsport zu investieren und trotzdem auf eine gute Berufsausbildung zu absolvieren.

Leistungssport und Ausbildung unter einen Hut bringen

«Es soll eine Lebensschule für die jungen Volleyballer und Volleyballerinnen sein. Sie sollen in dieser Zeit die Möglichkeit haben, starke Charaktere zu entwickeln. Selbstdisziplin und Selbstvertrauen sind zwei wichtige Merkmale, um Erfolg zu haben», erklärt Bujar Dervisaj, Trainer und Sportlicher Leiter der Talent School in Aarau. Den Leistungssport und die Ausbildung unter einen Hut zu bringen, bedarf einem gewissen Organisationstalent.

In der Talentschule wird nicht nur ein Techniktraining, sondern auch ein aufbauendes und begleitendes Athletiktraining angeboten. Es soll eine umfassende sportliche Ausbildung generiert werden. «Unser Ziel ist, dass unsere Spieler und Spielerinnen auf eine nationale oder sogar internationale Volleyballkarriere vorbereitet werden», meint Dervisaj.

Motivation des Leiters der Talentschule

Zehn Jahre führt Bujar Dervisaj die Talentschule nun schon. In dieser Zeit hat er viele Jugendliche begleitet, ihnen das Rüstzeug für eine erfolgreiche Volleyballkarriere gegeben und sie dann aus der Talentschule verabschiedet. «Die Athleten und Athletinnen sind meine grösste Motivation. Sie sind meine Uni, die ich noch lange nicht abgeschlossen habe. Wir lernen und lehren gegenseitig», meint Bujar und lacht.

Bujar Dervisaj zur Talentschule: «Es soll eine Lebensschule für die jungen Volleyballer und Volleyballerinnen sein.»

Bujar Dervisaj zur Talentschule: «Es soll eine Lebensschule für die jungen Volleyballer und Volleyballerinnen sein.»

Fabio Baranzini

Er erfreue sich an den begeisterten Gesichtern der jungen Spielerinnen und Spielern, wenn sie etwas Neues lernen oder einen Erfolg an einem Wettkampf feiern können. Dies sei unbezahlbar. In den zehn Jahren hat er mit einigen Trainern zusammengearbeitet, erzählt Dervisaj. Zwar ist er der einzige, der seit dem Startschuss noch dabei ist, doch seien alle in der Volleyballwelt weiter aktiv geblieben.

Angebot

Im Moment umfasst das Angebot der Talent School neben den Vereinstrainings fünf Einheiten im Bereich Volleyball-Grundtechnik, die jeweils zwischen 15.30 und 17.30 Uhr stattfinden und zwei Athletikeinheiten, die Dienstag- und Donnerstagvormittag von 10 bis 12 Uhr absolviert werden.

Das Einsteigegefäss für die Talent School ist das SAR. Dort trainieren die Jugendlichen 2-3 Mal pro Woche Montagabend, Mittwochnachmittag und Samstagmorgen. Jährlich im April treten diese SAR-Teams zur Schweizermeisterschaft der Auswahlmannschaften an. Die Trainer der Jugendnationalmannschaft sind dann vor Ort und bieten die talentiertesten Volleyballerinnen und Volleyballer später für ein Probetraining auf.

Sechs Trainer an der Talent School

Seit vier Jahren bietet die Talent School auch Regionale Trainingsstützpunkte an. Dort erhalten ambitionierte Kinder im U13-Alter ein zusätzliches Techniktraining in der Nähe ihres Wohnortes. Diese Stützpunkte sind wichtig, um aus dem Pool Talente für die SAR zu selektionieren.

Das Trainerteam der Talent School: Arlindo Miranda (v.l.), Christian Siebenhaar, Bujar Dervisaj, Lukas Motyka, Tobias Bucher. Es fehlen Ana Santagata und Anna Sprenger.

Das Trainerteam der Talent School: Arlindo Miranda (v.l.), Christian Siebenhaar, Bujar Dervisaj, Lukas Motyka, Tobias Bucher. Es fehlen Ana Santagata und Anna Sprenger.

Zur Verfügung gestellt

Zurzeit arbeiten in der Talent School sechs Trainer: ein vollamtlicher Trainer und fünf in Teilzeit. Sie werden bei der Kommunikation mit den Eltern, Ausbildungsverantwortlichen und Athleten unterstützt von der Athletenbetreuerin Simone Meyer und im administrativen Bereich von der Leiterin der Geschäftsstelle Regula Rügge. In den letzten zehn Jahren haben knapp 300 Nachwuchstalente die Trainings in Aarau besucht.

Rückblick

Rückblickend meint Bujar Dervisaj: «Wir haben über die Jahre viel gearbeitet. Nebst der Ausbildung der Jugendlichen, arbeiteten wir viel an unseren internen Strukturen. Mittlerweile haben wir alles Notwendige, um ein professionelle Ausbildung anbieten zu können.» Der Grundstein für eine erfolgreiche Volleyballausbildung ist also gelegt.

Das Entscheidende, ob es ein Talent zu den Besten schafft, sei der Wille, betont Bujar und stellt fest: «Einige unserer ehemaligen Talentschulmitglieder spielen bei Spitzenteams im Ausland, in der Nationalmannschaft oder in der NLA in der Schweiz. Dies sehe ich definitiv als Erfolg.»

Bei neun Teilnahmen, sieben Mal Schweizermeister

Bujar Dervisaj hat zudem eine unglaubliche Quote bei seinen Teilnahmen an den Schweizermeisterschaften der SAR-Teams. Mit seinen Jungs der Talent School nahm er neun Mal teil. Sieben Mal wurde er Schweizermeister, einmal holte er mit dem Team die Silbermedaille und das schlechteste Resultat war Platz 5.

Als Herausforderung sieht der leidenschaftliche Trainer die vielen Verletzungen, die zwar zum Sport dazu gehören, aber die eine Karriere erheblich bremsen können. Die Jugendlichen sollen in dieser Ausbildungszeit ihren Körper besser kennen lernen und auch lernen auf ihn zu hören. Die jungen Spielerinnen und Spieler seien oft nicht zu stoppen. Sie trainieren viel und spielen oft sogar in mehreren Teams.

Umfangreiche Zusammenarbeit

«Es ist wichtig, dass das ganze Umfeld dieser Jugendlichen zusammenarbeitet: Talentschultrainer, Vereinstrainer, Athletenbetreuerin, Athletiktrainer und Eltern», erläutert Bujar. «Wir als Talentschule arbeiten mit der Rennbahnklinik, med&motion und einem Profi Athletiktrainer zusammen. Dies sollen Voraussetzungen für einen möglichst verletzungsarmen Karrierestart sein.»

Wenn der Sportliche Leiter heute auf das letzte Jahrzehnt zurückblickt, ist er im grossen Ganzen zufrieden mit dem Erreichten. Er sieht aber in ein paar Bereichen schon noch Verbesserungspotential und hofft, dass sich die Talent School in den nächsten Jahren verbessern und weiterentwickeln wird.

Der Volleyballtrainer sieht noch immer Verbesserungspotenzial in der Talentschule.

Der Volleyballtrainer sieht noch immer Verbesserungspotenzial in der Talentschule.

Nordwestschweiz

Ausblick

Nachdem über die letzten zehn Jahre Talentschule und über das heutige Angebot gesprochen wurde, wird nun auch ein Blick in die Zukunft geworfen. Die vorhandenen Stützpunkte sollen erweitert werden, das Ziel wäre sie von zwei auf fünf zu erhöhen. Es sollen Partnerschaften mit professionellen Topvereinen in der Region geschlossen werden, die als Partnervereine der Talentschule agieren.

Dabei soll eine gute Kommunikation zwischen Partnerverein und Talentschule aufgebaut und somit eine optimale Plattform für Talentschülerinnen und Talentschüler geschaffen werden, um sich weiter zu verbessern.

Ein grosses Problem, das die Vereine haben, ist der Mangel an gut ausgebildeten Trainern. Der Aargauer Volleyballverband hat in Zusammenarbeit mit der Talent School nun eine Trainerakademie ins Leben gerufen, die diesem Problem Abhilfe schaffen soll. Der erste zweitägige Lehrgang startet im September und wird von Bujar Dervisaj selber geleitet.

Ein grosses Dankeschön

Zum Schluss möchte der Leiter der Talent School noch ein grosses Dankeschön aussprechen: «Ganz herzlich möchte ich mich bei allen Spielerinnen und Spielern, die Teil der Talentschule sind oder waren bedanken, deren Eltern, den Vereinen und natürlich allen Trainern.» Er freue sich immer, ehemalige Mitglieder anzutreffen und deren Entwicklung zu beobachten.

Einen grossen Dank spricht er auch seinen Athletenbetreuern der vergangenen Jahre sowie der Leiterin der Geschäftsstelle Regula Rügge aus und hofft weiterhin auf gute Zusammenarbeit.

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