Theologisch-Diakonisches Seminar Aarau
Schmelztiegel und Plattform der christlichen Gemeinschaft

50 Jahre TDS Aarau

Debora Knuchel
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Diese Bezeichnung wählte Kirchenratspräsidentin (AG) Pfarrerin Claudia Bandixen in ihrer Festansprache für das Theologisch-Diakonische Seminar (TDS) Aarau. Am 4. September feierte die höhere Fachschule TDS Aarau mit 700 Gästen ihr 50-jähriges Jubiläum im Kultur & Kongresshaus Aarau unter dem Motto „gottseidank" - und die Feier war alles andere als ein selbstgefälliger Rückblick.

Die heutige Gesellschaft unterscheidet nicht mehr zwischen reformierter, katholischer und freikirchlicher Tradition; da kommt dem TDS Aarau eine besondere Chance und Verantwortung zu. Hier begegnen sich Christen verschiedenster Prägungen um einen innovativen Schwerpunkt: Sie entwickeln das Soziale aus dem Glauben heraus, so Bandixen. Das TDS bilde Expertinnen und Experten in Sozialdiakonie, Jugendarbeit und Gemeindeaufbau aus. Diese werden in Zukunft in sozialethischen Diskussionen noch eine wichtigere Rolle spielen, als es zurzeit scheine. Denn ein „zutiefst im christlichen Glauben verankertes Menschenbild" stehe für Gottes uneingeschränktes Ja zum Leben - und Sozialdiakonie setze alles ein, damit auch Menschen in Not das Leben gelingt.

Regierungsrat , Diakonie-Wissenschaftler und Gründervater

Während des Festakts interviewte DRS 1-Moderatorin Ladina Spiess, selbst TDS-Absolventin, den Aargauer Regierungsrat Dr. Urs Hofmann: „Werte, die wir gemeinsam haben, müssen irgendwie weitergegeben werden, dürfen nicht verschwinden. Da hat eine Institution wie das TDS Aarau, das Leute ausbildet, welche ausschwärmen in die Gesellschaft, eine besondere Bedeutung." Als Zeichen der Demut versteht Hofmann das Motto „gottseidank": „Wir sind berufen, die Welt zu gestalten, aber es erinnert daran, dass es eine höhere Macht gibt." Pfr. Dr. Christoph Sigrist, Dozent für Diakoniewissenschaft an der Universität Bern, überreichte dem TDS-Rektor Pfr. Dr. Paul Kleiner symbolische Vitamin-D-Tropfen: „Dank, Diakonie und Dynamik, denn Vitamin D stärkt die Knochen und Diakonie ist Knochenarbeit!" Segensworte des TDS-Mitbegründers Pfr. Gerhard Henny verwiesen auf die tragende Wurzel Jesus Christus, die erst eine reiche Ernte an Früchten ermöglicht.

Körperspuren, ein Kultur-Experiment und „Knochenarbeit" in Berlin

Die Feierlichkeiten umfassten drei Hauptanlässe, eingerahmt vom kunstvoll gestalteten Bühnenbild „Körperspuren" von Anita Sieber Hagenbach: Die Spuren führten durch eine Eröffnungs- und Diplomfeier am Morgen mit der Amtseinsetzung des neuen Hauptdozenten Pfr. Christoph Schwarz zum eigentlichen Festakt am Nachmittag, verbunden mit einer Ehrung der pensionierten - und weiterhin aktiven - Dozenten Pfr. Peter Henning und Pfr. Dr. Dieter Kemmler sowie ihren Ehefrauen durch den Vereinspräsidenten Heiner Studer. Für Besinnung und Unterhaltung sorgten Jazzmusiker und locker sowie begeisternd setzte der Pantomime Christos Papadopoulos zentrale Aussagen theatralisch um. Im Abend-Anlass, dem Kultur-Experiment, boten das Eidgenössische Improvisationstheater und die Kuziem-Singers aus Angola mit ihrem gemeinsamen Auftritt eine Schweizer Premiere; Theater-Improvisation und musikalische Brillanz verbanden sich aus dem Stegreif zu einer Art zeitgenössischer Umsetzung des Gleichnisses vom „verlorenen Sohn", der zu seinem Vater zurückkehrt. In der biblischen Originalversion mündete das in ein Festessen. So schliesst sich der Bogen zum TDS-Jubiläum mit gemeinsamem Essen und Trinken - gleichzeitig mit einem auf die echten Nöte der Gesellschaft gerichteten Blick; zehn Projekte mit „50 Stunden Diakonie", also eine Stunde „Knochenarbeit" für jedes Jahr des Jubiläums, wurden in den letzten Monaten in verschiedenen Gemeinden durchgeführt. Prämiert wurde ein von Basler Jugendlichen geleisteter praktischer Einsatz unter Jugendlichen im Osten Berlins für „Kreativität, Nachhaltigkeit und seinen diakonischen Charakter".