Schweizer Alpen-Club Sektion Lägern
Rotondohütte: Gemeinsam entsteht ein Werk auf grosser Höhe

Drei Generationen, Frauen und Männer, Schweizer, Deutsche, Briten, Lichtensteinerinnen. Ein Ziel: Eine neue Terrasse der Rotondohütte. Vom 13 Jahre alten Schüler bis zum 70 Jährigen Pensionierten arbeiten viele Freiwillige am Umbau der Rotondohütte. In den letzten 2 Wochen wurde die alte Terrasse abgebaut und für die neue Terrasse der Aushub herausgesprengt und die Fundamente betoniert. In den nächste Wochen wird nun die neue Terrasse aufgemauert. Anfangs September wird dann die Rotondohütte eine neue, grössere und schönere Terrasse haben, mit einem grossen Wassertank darunter.

Marcel Siegrist
Drucken
12 Bilder

Und plötzlich ist es ruhig. Der Helikopter der Heli Gotthard ist, gleich nachdem er den grossen blauen Wassertank auf die vorbereiteten Fundamente gestellt hat, zum nächsten Einsatz abgeflogen. Es ist Freitagabend, kurz nach 5 Uhr abends. Eine Gruppe von unterschiedlichsten Personen hat dazu beigetragen, dass innerhalb von weniger als 2 Wochen die alte Terrasse abgebrochen und der Aushub und die Fundamente für die neue Terrasse erstellt werden konnten. Nun betrachten diejenigen, welche während der zweiten Woche gearbeitet haben ihr Werk mit berechtigtem Stolz. Gemeinsam haben sie ein ambitiöses Ziel erreicht.

Begonnen hat die Bauerei am 20. Juli mit dem Abbau der alten Terrasse. Die Holz- und Stahlkonstruktion wurde von 4 SAC-Mitgliedern, kräftig unterstützt durch den Hüttenwart, zerlegt und in einigem Abstand zur Hütte deponiert. Nachdem auch das unter der Terrasse gelagerte Material sortiert und weggetragen war, war nun der Bauplatz frei für die Arbeiten an der neuen Terrasse.

Die neue Terrasse wurde von Dres Oppliger, Architekt und Leiter der Bau- und Planungskommission geplant. Nun liegt die Verantwortung beim Baumeister Roni Brunner sie zu realisieren. Auch mit seiner langjährigen Erfahrung ist es für den Mitinhaber des Baugeschäftes Brunner Strub + Partner AG keine alltägliche Baustelle. Schon dass die Baustelle zuhinterst in einem Bergtal auf 2570m Höhe liegt, rund 1 Stunde von der letzten Strasse entfernt, ist speziell. Eine weitere Herausforderung ist die Tatsache, dass viele der Arbeiten durch Freiwillige erbracht werden sollen, Freiwillige, welche sonst nicht auf dem Bau arbeiten, sondern irgendetwas anderes tun. Nur der Maschinenführer und Sprengmeister Emil Haas, der 2.-Jahr Maurerlehrling Yannick und der 3.-Jahr Maurerlehrling Florian haben einschlägige Erfahrungen. Die anderen der total fast 20 Helfer sind Schüler, Studenten, Berufsleute in anderen Berufen. Da passt es gut, dass Roni im Geschäft auch die Lehrlingsausbildung betreut.

Bei den Freiwilligen handelt es sich vor allem um Teilnehmerinnen und Teilnehmer eines Work&Climb-Lagers. Die 8 jungen Frauen und 5 jungen Burschen arbeiten total an rund 3 Tagen und unternehmen etwas Alpinistisches an den anderen zwei Tagen. Das Lager wird durch den Gesamt-SAC ausgeschrieben und dementsprechend bunt ist die Truppe zusammengesetzt. Der Jüngste ist 13, die älteste fast 25. Ein Deutscher ist dabei, drei aus der Romandie und eine Teilnehmerin kommt aus dem Fürstentum Lichtenstein. Während Roni Brunner auf der Baustelle die Leitung hat, liegt das Alpinistische in der Verantwortung von René Vitins, Lukas Zehnder und Benedikt Schenker, welche diesen Teil gemäss den Richtlinien von J+S abwickeln und auch die entsprechenden Leiterberechtigungen besitzen. Verstärkt wird die Truppe durch 3 Bekannte von Roni Brunner: Will, Gerome und Sam aus Grossbritannien.

Nachdem am Montagmorgen der Bauplatz nochmals gründlich inspiziert wurde und alle Geräte auf einwandfreies funktionieren geprüft sind geht es am Nachmittag los. Weder der mehr oder weniger intensive Nieselregen, noch die Nebelschwaden oder Temperaturen um den Gefrierpunkt hindern die motivierte Truppe am Arbeiten. Ein Teil der Jugendlichen sägt weiter Holz, die anderen verstärken das Bauteam. Yannick hat es dem Bohrteam gut erklärt wie man mit den Druckluftbohrhämmern arbeitet und schaut nun befriedigt wie ein promovierter Akademiker, eine Tierpflegerin und eine Physiotherapeutin Loch für Loch in den harten Gneis bohren. Kurz vor 18 Uhr ist es dann so weit. Mit einem dumpfen Knall wird 1.5 m tief der Fels weggesprengt, genau so wie es der Sprengmeister geplant hat.

So geht es die ganze Woche weiter, der einzige Unterscheid ist das Wetter: Es ist ab Dienstagnachmittag richtig schön und warm. Ein Teil der Gruppe ist am Klettern oder auf dem Gletscher, ein anderer Teil arbeitet auf der Baustelle, immer angeleitet von den Profis. Neben dem Bohren der Sprenglöcher werden auch Armierungskörbe gebunden, Steine für die Vormauerung gesucht und in Baustellennähe deponiert, Verankerungen gebohrt, geschaufelt und gepickelt.

Am Freitag wird dann das Fundament geschalt und die Armierung eingelegt. Kurz vor 15 Uhr kommt dann der Helikopter und lädt den Flughelfer ab. Nun geht es Schlag auf Schlag. Alle 2 bis 3 Minuten kommt der Helikopter mit einem vollen Kübel Beton. Dazwischen muss der Beton mit der Schaufel verteilt und mit der Vibronadel verdichtet werden. Nach weniger als 2 Stunden sind die Fundamente fertig, die 11 Kubikmeter Beton eingebracht und verdichtet. Zum Abschluss stellt der Helikopter nun den 12'500 Liter grossen Wassertank auf die vorbereiteten Fundamente, bevor er weiterfliegt. Ruhig liegt die Baustelle nun in der Abendsonne, der Tank am Ort und die Fundamente erstellt. Still und mit berechtigtem Stolz auf ihre Arbeit blicken alle auf ihr Werk. Gemeinsam haben sie viel verbracht und viele neue Eindrücke und Erfahrungen gemacht.

Über das Wochenende ist es nun ruhig auf der Baustelle, am Montag geht es dann weiter. Roni Brunner wird dann mit 12 Lehrlingen der Baufirma Brunner Strub + Partner AG während einem Lehrlingslager die Mauern hochziehen, den Tank anschliessen und die Bodenplatte betonieren. Wer will kann die Hütte besuchen und bei den Arbeiten zusehen - ein anderes Bergerlebnis, keine Bergesruhe, aber sehr spannend.

Die SAC Sektion Lägern£
Die SAC Sektion Lägern besitzt zuhinterst im Witenwasserenthal, zwischen dem Gotthard- und dem Furkapass eine Berghütte, die Rotondohütte. An der ausserordentlichen Generalversammlung vom 26. März 2009 hat die Sektion beschlossen die Rotondohütte umfassend zu erneuern und den geänderten Bedürfnissen und den neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen anzupassen. Ein erster Teil dieser umfangreichen Arbeiten wird schon diesen Sommer ausgeführt. Es sind dies die Erneuerung der Terrasse und die Erstellung eines Kleinkraftwerkes. Nach einer intensiven Planungsphase begann die Ausführungsphase in der letzen Juli-Woche und wird im September abgeschlossen. Der Innenausbau, neue Technikräume und eine Kläranlage werden dann im nächsten Sommer realisiert.

Ein Bauvorhaben dieser Grösse ist mit einer erheblichen finanziellen Belastung verbunden. Nur wenn ein Teil der Arbeiten durch unbezahlte Freiwillige erledigt werden kann und auch ein Teil des Materials durch Sponsoren bereit gestellt wird, kann die Last getragen werden. So wird die neue Terrasse zu einem wesentlichen Teil durch solche Frohnarbeiterinnen und Frohnarbeiter erstellt. Dabei helfen die unterschiedlichsten Leute das gemeinsame Ziel zu erreichen. (BS)

Aktuelle Nachrichten