SAC Homberg
Pulverschneeabfahrten im Aostatal

Urs Kyburz
Merken
Drucken
Teilen
5 Bilder
Auf der Pointe Fetita mit dem Mont Blanc im Hintergrund
Wunderbare Pulverschneehänge verwöhnten die Hombergler
Auf dem Weg zum Felszahn der Testa del Gavio
Auf den letzten Metern zur Gran Serra, hoch über dem Valle di Cogne

Wie jedes Jahr fand auch heuer wieder eine Skitourenwoche mit dem SAC Homberg statt. Sie führte die Hombergler diesmal ins sonnige Aostatal. Während der ersten Hälfte quartierte sich die Gruppe aus acht Teilnehmern in Vetan hoch über dem Aostatal ein, in der zweiten in einem kleinen Hotel im Val di Cogne. Eine schöne Konstante war der Pulverschnee, den die Hombergler auf jeder Tour vorfanden.
Am Anfahrtstag war die Lawinengefahr auf der Stufe 3, so dass ein Tourenziel sorgfältig gewählt werden musste. Mit der La Vudalla in den Fribourger Alpen, die 1670 Meter hoch ist, wurde ein Ziel auserkoren, dass ungefährlich ist. Der Start der Tour war nahe Gruyères und führte über Weiden zum Gipfel. Anfänglich bot sich eine wunderbare Aussicht ins Flachland, aber allmählich verdunkelte sich der Himmel und es begann zu schneien. Das trübte die Stimmung nicht, wartete doch am Gipfelhang eine steile Abfahrt mit knietiefem Pulverschnee. In Gruyères wurde nach der Tour der Durst in der H.R. Giger-Bar gestillt, ein extraordinäres Ambiente dafür.
Am nächsten Tag wurde vom Hotel Notre Maison in Vetan aus die Pointe Leysser bestiegen. Die Sonne strahlte vom stahlblauen Himmel, aber es war bitter kalt, dazu wehte noch ein unangenehmer Wind. Die Aussicht liess aber alle Unannehmlichkeiten vergessen, hunderte Gipfel erhoben sich rundum, darunter der höchste von allen, der Mont Blanc. Die Abfahrt verlief nicht auf der Aufstiegsroute, da dort der Schnee schon etwas windgepresst war, sondern in einem geschützteren Tal mit viel Pulverschnee. Hang um Hang verzierte die Gruppe mit ihren Kurven.
Das nächste Ziel war die Pointe Fetita. Wer bis jetzt noch keinen der bestiegenen Berge gekannt hat, muss sich keine Gedanken machen, der Autor kannte sie bis anhin auch nicht. Diesmal musste zuerst ein kleiner Pass überwunden und auf einer Forststrasse lange abgefahren werden. Das bedeutete, dass man alles wieder aufsteigen muss auf dem Rückweg! Zuerst ging es aber auf der anderen Seite aufwärts, vorbei an Alpgebäuden. Eine Gruppe Birkhühner flog vor den Homberglern auf und bot ihnen ein faszinierendes Schauspiel. Der Gipfelhang wurde mit Lawinenabständen erklommen, das heisst, zwischen den einzelnen Personen war jeweils eine Lücke von ungefähr 50 Metern, um die Schneedecke zu entlasten und kein Schneebrett auszulösen. Die Aussicht vom Gipfel war ähnlich wie am Vortag, nur war der Mont Blanc noch näher. Die Abfahrt bescherte der Gruppe wieder höchsten Pulvergenuss bis hinunter zum Bach. Dort hiess es allerdings wieder die Felle aufziehen und gefühlte drei Stunden aufsteigen zum Pass. Aber auch das geht vorbei, so dass nach der Schlussabfahrt der Durst gelöscht werden konnte im Dörfchen Vens.
Am Mittwoch war Unterkunftswechsel, so dass der Tourenleiter nur eine kurze Tour vorschlug. Na ja, es war dann etwa gleich weit wie zwei Tage vorher, da die Hombergler den gleichen Gipfel bestiegen mangels valabler Alternativen, allerdings in umgekehrter Richtung. Man erhoffte sich bereits Frühlingsschnee, allerdings war es immer noch zu kalt dazu, so dass der eine oder andere mit dem plattigen Schnee zu kämpfen hatte. Nach einer ausgiebigen Pause im Hotel machte man sich frohgemut auf zur nächsten Unterkunft ins Valle di Cogne.
Das Valle di Cogne ist ein tief eingeschnittenes Tal, wo die Flanken links und rechts steil nach oben ziehen. Das bedeutete, dass man zuerst viele Höhenmeter durch Wald und enge Täler hochsteigen muss, bevor sich die Landschaft wieder öffnet. So auch bei der Tour auf die Testa del Gavio, einem Dreitausender. Hatte die Gruppe die Enge mal hinter sich, bot sich ihr ein grossartiges Panorama. Voraus erhob sich ein steiler Felszahn, das Ziel der Tour, zumindest war er Bestandteil davon. Zuerst mussten die Hombergler eine steile Flanke rechts davon hoch zum Skidepot, von wo es zu Fuss die restlichen 50 Höhenmeter aufwärts ging. Oben bot sich den Bergsteigern ein unerwartetes Bild: Der Gipfel war, ganz im Gegensatz zur Ansicht von unten, eine fussballfeldgrosse Ebene, ein Steinmannli markierte den höchsten Punkt. Man genoss die Aussicht und das schöne Wetter ausgiebigst, bevor man sich wieder an den Abstieg zum Skidepot machte. Die Mühsal des Aufstieges wurde wieder mit Pulverschnee belohnt, allerdings lauerten unter dem blendenden Weiss Steine, die nur darauf zu warten schienen, die Skis zu zerkratzen. Ernsthaftere Zwischenfälle blieben aber aus. Weiter unten wurde es ruppiger, Nassschnee, Lawinenkegel und enge Waldwege machten den Skifahrern das Leben schwer. Aber alle kamen wohlbehalten unten an, so dass die Gruppe programmgemäss den Durst in Cogne löschen konnte.
Mit dem Freitag brach der letzte Tourentag an, welcher zugleich quasi die Königsetappe markierte, standen doch den Homberglern fast 2000 Höhenmeter Aufstieg bevor zur Gran Serra. Der erste Teil führte einen Weg durch den Wald hoch, immer wieder wurde die Gruppe von Gämsen und Steinböcken beäugt, zum Teil waren sie nur zehn Meter neben dem Weg. Nach dem Wald folgte offenes Gelände, das ein Fortkommen bequemer machte. Unverhofft tauchte im obersten Viertel der Tour ein Couloir auf, das auf der Karte so nicht zu sehen war. Es musste zu Fuss erklommen werden, bevor die Tour wieder mit den Skiern an den Füssen fortgesetzt werden konnte. Ganz wurde der Gipfel nicht bestiegen, da es zeitlich zu aufwändig gewesen wäre. Trotzdem war die Tour ein Erfolg, zumal wieder fast bis zur Waldgrenze Pulverschnee vorzufinden war. Durch den Wald wurden die Skier wieder getragen, da es einfach zu eng war zum Fahren und zu wenig Schnee hatte. Die letzte Tour endete in der Bar vor dem Hotel.
Auf der Heimreise wurden in einer Weinkellerei die Vorräte für zu Hause ergänzt, in Aosta konnte man sich mit regionalen Spezialitäten eindecken. Ennet dem Grossen St. Bernhard wurde nochmals ein Halt eingelegt für ein «Lawinenbuffet», wo auf einer Lawinenschaufel die restlichen Essensvorräte kredenzt wurden. Eine tolle Tourenwoche nahm so ein würdiges Ende und man freut sich schon auf die nächste Skitourenwoche in einer anderen Region. Mehr Infos gibt es unter www.in-der-natur-unterwegs.ch (mit ausführlichem Bericht) oder www.sac-homberg.ch.