Vogel- und Naturschutzverein "Schwalbe" Schlieren
Petite Camargue Alsacienne - Der Urwald am Rhein am 27. Mai 2017

Nino Kuhn
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4 Bilder
Fischreiche Tümpel und Seen
Schwanenpaar mit seinem Nachwuchs
Viel Totholz, stehend und liegend, Natur our.

Ein Exkursionsbericht des Vogel- und Naturschutzvereins Schwalbe, Schlieren

Etwas Wilderes als eine natürliche Flusslandschaft kann man sich nicht vorstellen. Wegen der Rheinkorrektion (seit 1840) und den vielen Folgeeingriffen ist von der alten Naturidylle wenig übriggeblieben. Doch dank Napoleon III und seinem Hang zur Fischzucht entstand auf der einst vom unbändigen Rhein hinterlassenen Rosenau-Insel die erste Fischzuchtanlage Europas, auf die bei allen weiteren Umbauten des Flussregimes Rücksicht genommen werden musste. Schliesslich war es ein kaiserliches Geschenk, das auch vom deutschen Kaiser Wilhelm II respektiert wurde, als das Elsass seinem Reich angehörte. In der Folge entwickelte sich die Anlage zum ersten Naturschutzgebiet im Elsass mit einem Mosaik von Lebensräumen, das seinesgleichen sucht. Genau diese Eigenschaft war es, die uns zu einer Expedition bewog.

Zu diesem Zweck liessen wir uns von Hélène, unserer Exkursionsleiterin, aus dem Naturschutzzentrum der Petite Camargue auf einer zweieinhalbstündigen Tour von den wichtigsten Sehenswürdigkeiten erste Eindrücke vermitteln.

Allgegenwärtig waren die Libellen, die in immer wieder anderen Arten über die Wasserflächen glitten oder sich fotogen auf Sträuchern, an Binsen und anderen Wasserpflanzen niederliessen. Auf Schritt und Tritt sind prächtige, mächtige alte Silberweiden, Schwarzerlen und andere Bäume dankbare Fotoobjekte. Vielfach sind sie von Lianen überwuchert; armdick sind die Nielenstränge (Waldrebe) oder die von Luftwurzeln ummantelten Efeuranken. Überall im Wald liegt Totholz, von Moospolstern oder formenreichen Flechten überwachsen. Sie vermitteln wahre Urwaldatmosphäre. Wo aber Feuchtwiesen oder Lebensraum für Wasser- und Moorpflanzen und die vielen seltenen Vögel, Amphibien und Reptilien erhalten werden soll, da werden Schottische Hochlandrinder eingesetzt. Sie treten mit ihrem struppigen, zottigen Fell wie Wisente oder Auerochsen in Erscheinung. Es gibt aber viele Wasserflächen, die ursprünglich von Auenwald besiedelt waren. Durch andauernd hohen Wasserspiegel sterben heute die Bäume zusehends ab und werden von Reihern und Kormoranen zum Nisten besiedelt. Die Wasserflächen beherbergen viele Entenarten, Teichhühner, Gänsesäger, Haubentaucher oder auch den tagaktiven Seidenreiher beziehungsweise den nachtaktiven Nachtreiher. Und selbstverständlich sind sie Lebensraum für die vielen Libellenlarven und Fischarten.

Den vergnüglichen Ausflug verdanken wir Richi Oesterreicher. Er hat für uns nach dem lehrreichen Rundgang auch eine elsässische Tafel im Lion d’Or in Rosenau organisiert. Niemand ist hungrig oder durstig nach Hause zurückgefahren.

Die Bilder hat Hans Boss verdankenswerterweise zur Verfügung gestellt.

Nino Kuhn, 27.06.2017