Gospelchor
Mitreissende Gospel-Songs in Rothrist

Sandra Kretz
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Nur vereinzelte Plätze blieben unbesetzt, als der Gospelchor the tune ups und Band mit dem Konzert «feel the spirit» in der reformierten Kirche Rothrist auftrat und das Publikum mitriss. Dirigentin Kristine Jaunalksne, die selber über einen wunderbaren Sopran verfügt, leitete den Chor und die Instrumentalisten mit starker Gestik und Körpersprache sicher durch so unterschiedliche musikalische
Welten wie Gospels, Spirituals, Soul, Musicals, Popsongs und Schweizer Volkslieder. Verschiedene Mitglieder des Suhrer Chors sangen die Soli, tatkräftig und groovig begleitet von Martin Zangerl (Piano), David Jegge (E-Bass) und Daniel Lüthi (Percussion). Bei einigen fetzigen Stücken klatschte das Publikum stehend mit.

Gelebte, bewegende Spiritualität
Die Gospelkultur mit ihren stark jazzigen Rhythmen weist musikalisch natürlich auf ihren Ursprung in Schwarzafrika, ihre Texte jedoch sind im Evangelikalismus beheimatet und versprühen im Verein mit der Musik eine spezielle ansteckende Form von Spiritualität und Lebensfreude. Das wurde gleich beim ersten Vortrag
deutlich, als das Piano zunächst zaghaft den Song «Operator» von William Spivery anstimmte und die Melodie vorgab. Als dann die komplette Rhythmusgruppe hinzukam und der Chor sein volles Volumen entfaltete, lief es wie von selber: Die Dirigentin konnte sich – rhythmisch klatschend –- dem Publikum zuwenden und beispielhaft zum Mitmachen animieren.

Homogenes Klangbild
Das Chormitglied Herbie Waser moderierte den Abend mit kurzen Ansagen und Hintergründen. So war zu erfahren, das aktuelle Programm sei frisch (seit dem Sommer) einstudiert worden. Mit «Jesus Be a Fence» von Peter Sandwall war dann ein mitreissender traditioneller Gospel zu geniessen, bei dem Martin Zangerl am Piano sein besonderes Jazz-Feeling unter Beweis stellte. Ähnlich Temperamentvoll, im Rhythmus jedoch wesentlich schneller, gings bei «Jesus on the Main Line» von Tore W. Aas zu und her. Dabei entfaltete der vielstimmige Chor ein homogenes Klangbild und Bassist David Jegge legte ein tolles Solo hin.

Wunderbar einfühlsam vertonte Lyrik offenbarte das Volkslied «Bim Moonschyn» von Thomas Fricker, das am Jugendchorfestival 2004 in Basel den zweiten Preis gewann. Ein Juwel war das Bündner Lied «Dorma Bain», ein zauberhaftes Wiegenlied von Nuot Vonmoos, das sich längst über die Grenzen des rätoromanischen Sprachraumes verbreitet hat. Ohne Instrumentalbegleitung wurde der stark rhythmisierte Gesang «Ain’t Got Time to Die» (Hall Johnson) vorgetragen. Sehr schön gelang auch der traditionelle Gospel «Down the River to Pray», der schon von schwarzen Sklaven Ende des 19. Jahrhunderts gesungen wurde. «Ev’ry Time I Feel the Spirit», quasi die Titelmelodie, wurde ansprechend intoniert, und mit dem Zulu Folk Song «Jabula Jesu» ging die musikalische Reise ins Herz von Schwarzafrika.
Es folgten weltbekannte Songs und Hits aus den Bereichen Pop und Musical, unter anderem von Paul Simon, Peter Kraus und Leonard Cohen. Zum Schluss steigerte sich das Konzert mit Soul- und Gospelsongs zum Crescendo: Bei «Lord, Reign In Me» von Brenton Brown blieb niemand mehr sitzen. Die Leute klatschten begeistert mit, waren von der Musik buchstäblich mitgerissen. Der riesige Applaus mit lautem Rufen führte zu zwei Zugaben, die es in sich hatten, und bei denen sich auch der Chor noch einmal steigerte!

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