Natur- und Vogelschutzverein
Mit dem Natur- und Vogelschutzverein in den National-Park

Marcel Siegrist
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Jedes Jahr zu Beginn der Sommerferien führt der Natur- und Vogelschutzverein Gipf-Oberfrick eine Wanderung in ein botanisch und faunistisch interessantes Gebiet der Schweiz durch. Diesmal war der bald hundertjährige Schweizerische Nationalpark im Engadin das Ziel.

Man traf sich am Morgen früh am Bahnhof Frick zur gut

dreistündigen Zugsfahrt nach Zernez. Dort erwartete der Wanderleiter Rinaldo Salvett die fünfzehn Fricktaler vor dem modernen Nationalparkzentrum und führte sie zu einer ersten Information ins schön gestaltete Ausstellungsgelände. Noch vor der Mittagspause startete man anschliessend zur abwechslungsreichen Wanderung, die am ersten Tag bis zur „Chamanna Cluozza“ mit verschiedenen Pausen etwa fünf Stunden dauerte. Bereits an der Ofenpassstrasse, noch bevor der Aufstieg begann, begleiteten zwei gaukelnde Apollofalter - eine Schmetterlingsart, die zu den Kostbarkeiten der Alpenfauna zählt - die Wandergruppe. Nach dem Überqueren der gedeckten Holzbrücke über den Spöl führte der Weg aufwärts an bunten Blumenwiesen vorbei und Rinaldo machte auf seltene Pflanzen aufmerksam, deren Namen man sich immer wieder ins Gedächtnis rief: Da war die blaue „Himmelsleiter“, dann die „Mückenhandwurz“, eine Vertreterin aus der Orchideenfamilie, und der „Wiesenwachtelweizen“, um nur wenige aus der Vielfalt zu nennen. Nach ungefähr einer Viertelstunde erreichte man eine Waldlichtung mit einem grossartigen Ausblick aufs Val Cluozza. Hier erinnert eine Gedenktafel an den Basler Naturforscher Paul Sarasin, der 1914 zu den Mitbegründern des Schweizerischen Nationalparks gehörte. Weiter ging’s auf weichem Nadelboden recht anhaltend steil hinauf bis zu einem Rastplatz auf 2126 m, von wo man eine herrliche Aussicht auf die wilde Cluozza-Schlucht und auf die Berge im Hintergrund hatte. Rinaldo stellte hier sein Fernrohr auf und man konnte einen Blick ins Erdmittelalter werfen und auf einer Felsplatte am Piz dal Diavel versteinerte Saurierfussspuren erkennen. Ein Rudel Hirsche, ebenfalls durchs Fernrohr sichtbar, brachte einen wieder in die Gegenwart zurück. Etwas später erreichte man dann nach einem Abstieg durch Legföhren und Arvenbestände die Brücke über den Cluozzabach, dem noch ein recht ermüdender Aufstieg von gut zwanzig Minuten bis zum Nachtquartier folgte. Die „Chamanna Cluozza“ ist die einzige bewirtete Hütte im Nationalpark und wurde bereits im Jahr 1910 errichtet, also noch vier Jahre bevor der Nationalpark geschaffen wurde.

Am anderen Morgen verhiess ein trügerisch blauer Himmel einen schönen Tag und es war möglich, auf den besonnten Bergflanken gegenüber durch Rinaldos Fernrohr ganze Gruppen von weidenden Hirschen und Gämsen zu beobachten.

Als man dann jedoch zum Abmarsch startete - die eine Hälfte der Gruppe auf den Weg zurück nach Zernez und die andere auf den Aufstieg, gleich hinter der Hütte zum knapp siebenhundert Meter höher liegenden Pass, dem Murtér, setzte der Regen ein.

Schade, statt einer ausgedehnten Rast mit Blick hinunter ins Spöltal, war kein Verweilen dort oben und man nahm schnell den glitschigen Abstieg unter die Füsse, immer mit Blick auf eine verregnete Nebellandschaft. Erst unten, kurz bevor man die Ofenpassstrasse und die Postautohaltestelle für den Bus nach Zernez erreichte, zeigte sich die Sonne wieder. Immerhin erlaubte sie der Wandergruppe vor der Heimfahrt ins Fricktal noch zwei warme Stunden in der Gartenwirtschaft des Hotels „A la Staziun“.

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