Naturschutzverein
Lehrreiche Abendwanderung zu Orchideen, Weinbergen und Eiszeiten

Viele Naturfreunde an der Abendwanderung mit Paul Abt

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Das Programm war vielversprechend - und eine grosse Schar Naturfreunde liess sich verlocken, an der Abendwanderung des NAR teilzunehmen. Der Rundgang oberhalb des Aaretals, geführt von Paul Abt, war höchst interessant, lehrreich und freudvoll.

Die Orchideenpracht

Trotz schlechter Wettervoraussage hatten sich rund 30 Teilnehmer und Teilnehmerinnen auf dem Zurziberg versammelt, um an der Abendwanderung des NAR teilzunehmen. Und das Wetter hielt - erst beim Schlummertrunk in der Besenbeiz Wizacherhof in Tegerfelden fielen die ersten Tropfen. Präsident Luc Van Loon freute sich, zahlreiche bekannte, aber auch neue Gesichter begrüssen zu dürfen. - Unter der Führung von Paul Abt ging es dann sogleich in medias res - in ein Orchideengebiet mit grosser Vielfalt: Die Teilnehmenden lernten die langspornige und die wohlriechende Handwurz kennen, bewunderten den Frauenschuh und die Hummelorchis und erfuhren von der Nestwurz, die nur im dunklen Wald wächst, kleine braune Blüten trägt und sich von verrottendem Holz ernährt. Rund 40 Orchisarten sind im Zurzibiet zu finden, die zu unterschiedlichen Zeiten blühen.

Das untere Aaretal - von der Eiszeit geformt

Aus dem Wald heraus öffnete sich nun der Blick ins untere Aaretal mit dem Stausee, den von Gletschern ausgewaschenen kleinen Tälern mit den angrenzenden Gemeinden Klingnau, Döttingen, Leuggern und Böttstein. Eindrucksvoll wusste Paul Abt zu berichten und zu zeigen, wie sich die grossen Gletscher von Rhone, Aare, Linth und Rhein, erweitert durch den Reussgletscher, vor 200'000 Jahren vereinigten und zusammen durch den Jura eine Kluft erzwangen. Erst im Raum Möhlin wurde dieser riesige Gletscher gestoppt, heute noch sichtbar an der Moräne bei Möhlin. Die Gletscher waren gezwungen zurückzufliessen und hinterliessen am Rand riesige Schottermoränen - die heutigen Hügelzüge im Raum Leuggern und Leibstadt. Auch weitere Spuren der Vergletscherung sind noch heute sichtbar durch die Findlinge. So findet sich auf dem Gebiet der Gemeinde Böttstein ein Steinriese, der vom Gletscher mitgerissen und schön rund geschliffen wurde. Der Findling in Böbikon hingegen hat scharfe, eckige Kanten - er wurde auf dem Gletscherrücken mitgetragen. So ein Findling brauchte 3 -4'000 Jahre für seine Reise vom Grimsel- bis ins Zurzibiet.

Was ist die „Mandacher Störung"?

Das hat nichts mit den Mandachern selbst zu tun, was die anwesenden Mandacher sicher beruhigte, wohl aber mit der Geologie des Gemeindegebietes. Während rundherum der Tafeljura die Landschaft prägt, gibt es rund um Mandach unerwartet einige Faltenjuraberge - den Rothberg, Bessenberg und Böttenberg. Entstanden sind diese vor 70 - 80 Millionen Jahren, indem sich an einer Bruchstelle der Kalkjura aufstellte und diese Berge schuf. - Im Verlauf der Wanderung wies Paul Abt immer wieder auf die grünenden und blühenden Büsche hin, z. B. die Heckenkirsche, ein wichtiger Futterplatz für unsere einheimischen Vogel, oder die Elsbeere, ein sehr selten gewordener Busch.

Rundblick pur

Auf der Wanderstrecke oberhalb der Reben von Döttingenging es weiter zum Sennenloch, wo sich ein wunderbarer Rundblick bot vom Surbtal über das Aaretal bis hin zum Geissberg und dem weiterführenden Jura. Die im Tal liegende Aare beim alten Ortsteil von Döttingen war einst Schauplatz von Kriegshandlungen zwischen französischen und österreichischen Soldaten, wie Paul Abt mit einer Anekdote zu berichten wusste.

Erfreut und dankbar spendeten die Abendwanderer Paul Abt einen herzlichen Applaus für die exzellente und lehrreiche Führung, und eine grosse Anzahl genoss im Anschluss einen Schlummertrunk auf dem idyllisch gelegenen Wizacherhof in Tegerfelden. (ek)

www.natur-aare-rhein.ch