Ideen Werkstatt
IdeenWerkstatt Aargau lud zum Vortrag über die Krise

Drittes von vier Foren zur Finanz- und Wirtschaftskrise

Marcel Siegrist
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Wie tritt die Finanz- und Wirtschaftskrise an uns heran, was wissen wir, was löst sie in uns aus, und wie gehen wir damit um? Mit diesen Themen befasste sich am 14. Mai das dritte von vier Foren der IdeenWerkstatt Aargau. Die Milliarden- und Billionenbeträge, die uns seit Monaten in Form von Rettungspaketen, Staatsverschuldungen und Anlagevolumen präsentiert werden, übersteigen unser Vorstellungsvermögen bei weitem. Wir empfinden sie als Schnapszahlen, sind überfordert, verspüren aber gleichzeitig ein Unbehagen. Einiges scheint nicht mehr zu stimmen, hastig werden Massnahmen mit unabsehbaren Konsequenzen beschlossen - weltweit. Franc B. Schwyter, Ausbilder FA und Vizepräsident der IdeenWerkstatt Aargau, stellte in seinem Referat die drei Ebenen der Problemwahrnehmung - Empfindung, Verstand und Bewusstsein - in Konstellation zu Individuum, Kollektiv und Zeitgeist. Dabei zeigte er auf, dass wir, wenn wir auf der Empfindungsebene angesprochen werden, mit irrationalen Gefühlen konfrontiert sind und uns den Verstand zu Hilfe nehmen müssen, um uns ein genaueres Bild machen zu können. Der Verstand wiederum hängt davon ab, was wir als Individuum aufgrund unserer Bildung und Lebenserfahrung verstehen gelernt haben. In der Gesellschaft als Kollektiv, ist die Empfindung ebenso von Verunsicherung geprägt, während sich verschiedene Exponenten in Politik, Wirtschaft und Finanzwesen mit vermeintlichem Sachverstand und wissenschaftlichen Methoden der Problemlösung annehmen wollen. Notabene oftmals dieselben Spezialisten, welche zuvor mit ihrem Denken und Handeln mit zu den Problemen beigetragen haben. Welche Rolle kommt dem Zeitgeist zu? Ist er jene Wesenheit, welche im philosophischen Sinne seine Hand schützend über die Entwicklung der Menschheit hält, so müsste er ohnmächtig mit ansehen, wie die Menschheit selbst Zeitgeist spielt. Mächtige Interessengruppen steuern das Geschehen. Der Zweck heiligt die Mittel, wirtschaftliche Interessen und Spekulation prägen die Entwicklung. Und wessen Diener ist die Politik? Viele Staaten erhöhen die Zinsen für ihre Staatsanleihen, um noch Investoren zu finden. Schwyter wies darauf hin, dass sich die bisherigen Ansätze zur Problemlösung auf die Ebene des Verstandes beschränkten. Wenn bloss danach getrachtet werde, den alten Meccano möglichst schnell wieder herzustellen, zeuge dies von einer weitgehenden Abwesenheit des Bewusstseins. Anhand eindrücklicher Zahlen und Beispiele erläuterte Schwyter das Phänomen der Geldschöpfung, verwies auf blinde Flecken in der Ökonomie und stellte fragwürdige spekulative Anlageprodukte vor, welche schädigenden Einfluss auf die Realwirtschaft haben können. Die Finanz- und Wirtschaftskrise sei letztlich eine Systemkrise, welche ein neues Bewusstsein erfordere, ohne welches keine tragfähigen Lösungen gefunden werden können. Weitermachen wie bisher, kann nicht der Weg in die Zukunft sein, so Schwyter. Im Anschluss an das Referat wurde das Publikum zur Diskussion aufgefordert, welche angeregt bis in den späten Abend geführt wurde. Das vierte Forum der IdeenWerkstatt Aargau findet am 11. Juni statt.

www.ideenwerkstatt-aargau.ch

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