Berufsverband der Pflegefachfrauen und -männer
Hauptversammlung SBK 2010

Hauptversammlung mit Referat RR Susanne Hochuli „Der Pflegenotstand ist mehr als nur ein Phantom“

Hildebrandt Thomas
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Nach dem Apéro, in den grosszügigen Räumlichkeiten des Kongresshotels Arte, Olten, begrüsste Geri Müller, Co-Präsident der Sektion Aargau-Solothurn, Mitglieder und zahlreiche Gäste zur 32. Hauptversammlung des Schweizer Berufsverbands der Pflegefachfrauen und -männer (SBK). Sigrun Kuhn, Co-Präsidentin, erläuterte die Jahresrechnung, die Dank dem Engagement der Geschäftsstelle, mit einem Plus abschloss.
Im Jahr 2009 gehörte die Zusammenarbeit mit Mitgliedern der Gesundheitskommission beim Konzept zur Gesundheitsplanung Aargau, externe Beratungen im Spital und Heimen, die Neuorientierung SBK „orientation2010" in Zusammenarbeit mit anderen Sektionen, Beteiligung an den Sozialgesprächen beim Stellenabbau der Solothurnischen Spitäler AG (soH), zu den Tätigkeiten. Die Pflegenden der Solothurner Spitäler trafen auf das „Offene Ohr", die Sprechstunde des SBK.
Auch im Sektionsgebiet zwang die Hysterie zum Thema „Schweingrippe" den Vorstand zu einer Stellungnahme. Die Homepage www.sbk-agso.ch erfuhr ein farbenfrohes Update und eine verbesserte Navigation. Hier finden die Mitglieder zahlreiche Informationen und können die online Beratung zu Rate ziehen.
Alle Jahre wieder - trotz diverser Aktivitäten (Werbung in Schulen, Besuch im Spitälern, Gutschein für geworbene Neumitglieder), stagniert die Mitgliederzahl.
Protokoll, Jahresbericht und -rechnung wurden ohne Gegenstimme genehmigt und dem Vorstand Décharge erteilt.

Zu den Zielen 2010 zählt die Umsetzung der Neuausrichtung des SBK. Sie ermöglicht die Aufnahme assoziierter Mitglieder, dazu gehören Fachangestellte für Gesundheit und Anderen in der Pflege Tätigen.
Die Sektion Aargau-Solothurn unterstützt die Gestaltung zusätzlicher Ausbildungsplätze für Pflegeberufe. Geri Müller erläutert den Bericht „Bildung Pflegeberufe" vom Bundesamt für Berufsbildung und Technologie BBT. Der Bericht zeigt den bildungspolitischen Handlungsbedarf in den Pflegeberufen auf. Ein vordringliches Ziel sind mehr Ausbildungsabschlüsse, da gemäss Prognosen der Bedarf an Pflegefachpersonen in den nächsten Jahren massiv zunehmen wird.
Nach den Erneuerungswahlen für die Vorstandsmitglieder Melanie Pomplun und Norbert Taminé und die Delegierte Giulietta Scholl wurden Nadja Ernesto, Gaby Schmid und Matthias Müller als Delegierte gewählt.

Den offiziellen Teil schloss Thomas Hildebrandt, Geschäftsstellenleiter, mit seiner Laudatio für Dr. iur. Walter Studer.
Im März 1990 führte der SBK die dezentrale Rechtsberatung ein. Die Sektionen waren somit gezwungen, eigene Rechtsberater zu engagieren. Der SBK AG/SO unterzeichnete mit Dr. Studer eine Vereinbarung. Im Herbst 1990 begann Dr. iur. Studer sein Beratungsmandat beim SBK. Mit seinen Einschätzungen und Entscheidungen lag er immer richtig. Bestand ein Chance Recht zu bekommen, dann nahm er sie erfolgreich war. Seine Zuverlässigkeit schätzen Mitglieder und Geschäftsstelle.
Die Sektion Aargau-Solothurn sagt für seine zwanzigjährige, juristische Beratung herzlich „Danke" und wünscht sich ein weiter so.

Nach der Pause war dann die Bühne frei für Frau Regierungsrätin Susanne Hochuli. Die Vorsteherin des Departements Gesundheit und Soziales startete mit ihrem Referat
„Der Pflegenotstand ist mehr als nur ein Phantom"

Die Arbeit in der Pflege wird immer anspruchsvoller. Die Menschen in der Schweiz werden älter, Mehrfacherkrankungen nehmen zu. Medizinischtechnischer Fortschritt und Abnahme der familiären Strukturen sind weitere Faktoren welche zu einem qualitativen und quantitativen Mehrbedarf an Pflege führen werden. Diese Tatsache zeigt, dass das fehlende qualifizierte Personal nicht durch weniger gut ausgebildetes Personal ersetzt werden kann. Im Gegenteil: Die Ausbildungen müssen mit den steigenden Anforderungen der Praxis mithalten.
Susanne Hochuli zeigte am Beispiel der Attestausbildung auf, wie der Kanton Aargau die von einem massiven Personalmangel bedrohte Branche unterstützt. Der Kanton Aargau lancierte als erster Kanton im Sommer 2010 mit einem Pilotprojekt die zweijährige berufliche Grundbildung Praktikerin/Praktiker Gesundheit und Betreuung mit eidgenössischem Berufsattest (EBA).

Die nachfolgende Diskussion zeigte auf, dass die Attestausbildung zwar einen niederschwelligen Zugang zu den Berufen des Gesundheitswesens schafft. Der Personalmangel besteht aber beim diplomierten Pflegepersonal, also im tertiären Bildungsbereich. Für den SBK sind Arbeitsbedingungen und Löhne, die dazu führen, dass Pflegefachpersonen länger im Beruf bleiben sowie eine bessere Ausschöpfung das Ausbildungspotenzials die vordringlichsten Massnahmen, um dem absehbaren Personalmangel entgegenzuwirken. Der Verband wehrt sich jedoch gegen eine Absenkung des Ausbildungsniveaus.

Nach dem erfrischenden Referat entwickelte sich eine intensive und informative Diskussion, die selbst nach dem offiziellen Teil mit der Referentin fortgeführt wurde.