Aargauischer Gewerkschaftsbund
Europa geht uns alle an

Sekretär AGB
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Bilder zum Leserbeitrag

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Unter dem Titel „Europa bebt“ befasste sich Andreas Rieger an der AGB-Delegiertenversammlung vom 24. Oktober 2012 mit der europäischen Schuldenkrise und den Auswirkungen auf die Schweiz. Der Co-Präsident der Gewerkschaft Unia zeichnete ein ziemlich düsteres Bild. Die Schuldenlöcher in der EU hätten „bedrohliche Ausmasse“ angenommen.

Die einzige Medizin der EU gegen die Schuldenkrise heisse sparen. Arbeitnehmende und Rentner in den stark verschuldeten EU-Ländern im Süden seien von Lohn- und Rentenkürzungen hart betroffen. Diese Politik habe eine Abwärtsspirale in Gang gesetzt und verschärfe die Krise, sagte Rieder. In Griechenland sei das Volkseinkommen innerhalb von 2 Jahren um über 15 Prozent gesunken. Und in Portugal und Spanien sei die Jugendarbeitslosigkeit auf 50 Prozent angestiegen.

Eigentlich wäre genug Geld da für eine Politik, die wieder Arbeit und Kaufkraft schaffe, zeigte sich Rieger überzeugt. Davon werde jedoch nicht gesprochen. Als Alternative zum Spardiktat fordern die Gewerkschaften Investitionen in Bildung, Klimaschutz und Infrastruktur. „Es braucht einen Marshallplan für den Süden“, erklärte Rieger. Zudem müsse die Kaufkraft durch anständige Mindestlöhne gestärkt werden. Und schliesslich sollten hohe Einkommen, Vermögen, Erbschaften und Finanzmarktgeschäfte endlich fair besteuert werden.

Solidarität mit südlichen EU-Gewerkschaften

Aus Solidarität mit den südlichen EU-Staaten hat die Schweizerische Gewerkschafsspitze beim Europäischen Gewerkschaftsbund (EGB) vom 1. bis 14. November eine Aktionswoche beantragt. Am 1. November weisen die grossen Gewerkschaften der Schweiz, Deutschlands und Österreichs an einer Medienkonferenz in Zürich auf ihre Forderungen aufmerksam. Präsentiert werden dabei auch die Ergebnisse einer Umfrage in den drei Ländern zu Sparen und Umverteilung. Was dabei herausgekommen ist, wollte Rieger nicht verraten. In Aarau veranstaltet die Unia Region Aargau zudem am 8. November eine Diskussionsveranstaltung mit dem portugiesischen Gewerkschafter Manuel Correia.

Es sei wichtig, dass sich die Schweizer Gewerkschaften im Gleichschritt mit den Gewerkschaften aus den südlichen EU-Staaten engagierten. Die Schweiz sei keine „Insel der Seligen“, betonte der Unia-Co-Präsident. „Geht Griechenland unter, trifft es auch uns“. Zudem setze sich die Politik des Sparens und der Steuersenkungen für Unternehmen auch in der Schweiz durch.