Karateclub
Erfolg für Laufenburger Karatekas

Zwei Karatekas des Karateclubs Laufenburg holen sich bei dem internationalen Wettstreit in Istanbul die Titel Shotokan Weltmeisterin und Vizeweltmeister

Marcel Siegrist
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Andrea Bornhauser, 28 Jahre (2. Dan) erkämpfte sich in der Kategorie Damen Kumite -55kg (Freikampf) den 1. Platz. Sie konnte sich im Finale gegen die U21 Europameisterin durchsetzen.Das Nachwuchstalent Luca Spitz, 10 Jahre (2. Kyu) konnte sich bei den Kindern U12 Kata (Formen) über den erfolgreichen 2. Platz freuen. Somit haben die beiden Laufenburger Karatekas ihre Titel an dem World Championship des WSKU (Word Shotokan Karate Union) in Istanbul erfolgreich und verdient erkämpft. In der Fatih Sporthalle in Istanbul trafen vom 31. Juli bis 01. August an die 890 Teilnehmer aus 33 Nationen aufeinander, um den Besten unter sich auszumachen. Die Schweizer SSKF Delegation, angeführt von Chefinstruktor Zübeyir Sahin, ist mit 21 Teilnehmern und 5 Begleitpersonen angereist. Nun ist es an der Zeit über die erfolgreichen Karatekas, ihre Emotionen und Erfahrungen zu berichten.
Interview mit Andrea und Luca über ihre Erlebnisse während der Karate-Weltmeisterschaft in Istanbul 2010

Was ist das für ein Gefühl Karate-Weltmeisterin zu sein?
Andrea: Natürlich ist es ein sehr schönes und spezielles Gefühl, Karate-Weltmeisterin zu sein. Eine Belohnung für das harte Training. Ich muss aber dazu auch sagen, dass ich mich nicht zu sehr davon beeindrucken lasse. Ich habe noch viel zu lernen und kann es mir nicht leisten, mich auf meinen Lorbeeren auszuruhen.

Wie fühlst du dich als Vizeweltmeister im Karate?
Luca: In Istanbul wurde ich zum zweiten Mal Vizeweltmeister. Ich war enttäuscht und traurig darüber, dass es wiederum so knapp für den Weltmeistertitel nicht gereicht hat. Meine Schwester konnte letztes Jahr schon WM Titel gewinnen und mein grösstes Ziel ist es auch einmal Weltmeister zu werden.

Wie habt ihr die Wettkämpfe in Instanbul erlebt?
Andrea: Die Wettkämpfe habe ich als sehr spannend und als richtige Herausforderung empfunden. Es wurde zwar hart, aber sehr fair gekämpft, das hat mir sehr gefallen. Durch die Trainingswoche am Meer, welche dem Turnier vorangegangen war, hatten wir eine optimale Vorbereitung und der Zusammenhalt des Teams wurde durch die vielen gemeinsamen Erlebnisse noch verstärkt. Bei dieser Gelegenheit möchte ich Sahin Sensei, stellvertretend für die SSKF (Swiss Shotokan Karate-Do Federation) nochmals dafür danken, dass uns dies alles ermöglicht wurde.

Luca: In meiner Kategorie hatte es sehr viele Karatekas. Ich hatte einige Kämpfe bis ins Finale. Diese kamen aus Iran und der Türkei und waren sehr starke Gegner. Allgemein waren die Gegner an dieser Weltmeisterschaft WSKU sehr, sehr stark.

Gegen wen musstet ihr im Finale antreten, und was ist euch in dieser Endrunde durch den Kopf gegangen?
Andrea: Der Finalkampf wurde zwischen mir und der Türkin, Tuba Yenen, ausgetragen. Das Wissen, dass sie die amtierende Europameisterin U21 ist und auch noch dazu einen Heimvorteil hatte, spornte mich nur noch mehr an, mein Bestes zu geben. Ich wollte unbedingt den ersten Platz erreichen, um meine Senseis - Sahin Sensei und Murat Sensei - sowie meine Teamkollegen, welche mich mit Herzblut anfeuerten, stolz zu machen.

Luca: Im Finale musste ich gegen einen türkischen Karateka antreten. Sein Name war Furkan Kara. Dieser zeigte einen sehr hohen Kata für Schwarzgurt, da blieb mir nichts anderes übrig als auch diesen zu zeigen. Leider verlor ich nur ganz knapp drei zu zwei. Mir ist durch den Kopf gegangen, ich will und muss gewinnen, mit einem zweiten Platz bin ich nicht zufrieden. Der 2. Platz ist der erste Verlierer. Doch der 2. Platz bringt mich dazu noch besser zu trainieren, mein Sensei tröstete mich und motivierte mich besser zu werden. Seit dem ist er auch strenger geworden, und ich gebe mir mehr Mühe im Training.

Seid ihr über das Ergebnis der Platzierung überrascht oder hat sie euren Erwartungen entsprochen?
Andrea: Meine erste Priorität an Turnieren ist es, gute Wettkämpfe zu bestreiten. Dies ist mir - meinem Empfinden nach - in Istanbul gelungen. Dass ich dazu noch den Titel geholt habe, erfreut mich doppelt.

Luca: Ich bin enttäuscht über diesen zweiten Platz, weil ich immer mehr von mir erwarte, aber ich muss auch lernen verlieren zu können.

Wie habt ihr euch mental und physisch auf die WM vorbereitet?
Andrea: Der WSKU Weltmeisterschaft ging ein intensives Vorbereitungstraining unter der Leitung von meinem Sensei, Murat Sahin, voran. Zu den 4 Karate-Trainings pro Woche kamen noch mehrere Kraft- und Ausdauereinheiten dazu. Bei so viel Sport ist es aber auch wichtig, einen freien Tag pro Woche zur Regeneration einzulegen und sich regelmässig in der Physiotherapie massieren zu lassen. Die mentale Vorbereitung habe ich in Gesprächen mit meinen beiden Senseis erlebt, was mir den nötigen Biss gebeben hat.

Luca: Ich gehe regelmässig viermal in der Woche ins Training. Auch hatten wir leider nur eine kurze, aber intensive Vorbereitungszeit in den Ferien, da die erste Gruppe viel früher in die Türkei gehen konnte. Da fehlte mir mein Sensei (grosses Vorbild) sehr.

Habt ihr noch Zeit gefunden euch die Stadt Istanbul anzusehen?
Andrea: Ich bin bereits einige Male in Istanbul an Karateturnieren gewesen. Somit kenne ich diese eindrückliche Stadt bereits ein wenig. Wir hatten jedoch die Möglichkeit, an unseren freien Tagen Sehenswürdigkeiten - von denen es sehr viele gibt - anzuschauen oder zum Beispiel shoppen zu gehen, was ich wärmstens weiterempfehlen kann.

Luca: Wir hatten einen Tag zur freien Verfügung, da machten wir einen Ausflug in die Stadt und ans Meer. Auch gingen wir jeden Abend in Istanbul auswärts essen.

Was spornt euch an zu den Besten zu gehören?
Wer oder was ist eure Motivation?
Andrea: Es gibt sehr vieles, was mich anspornt oder motiviert, mein Bestes zu geben. Da wäre zum Beispiel mein eigener Ehrgeiz und der Spass am Karate, die mich immer weiter vorantreiben. Oder der Beweis, dass auch traditionelle Karatekas im Sportkarate erfolgreich sein können. Und ganz wichtig natürlich meine Familie und meine „Karatefamilie".

Luca: Ich möchte so gut wie mein Sensei Murat Sahin werden, sein Können und seine Kampfkunst spornt mich an.

Wer sind eure Vorbilder?
Andrea: Bestimmte Vorbilder habe ich eigentlich nicht. Ich bin aber sehr beeindruckt und begeistert von Personen, welche Karate sowohl als Kampfsport aber auch als Kampfkunst beherrschen. Karate ist für mich nicht nur eine Sportart sondern auch eine Lebenseinstellung.

Luca: Meine Senseis. An erster Stelle Murat Sensei, Sahin Sensei, Bruce Lee und Jean-Claude van Damme.

Was ist euer nächstes Ziel? Wann und wo findet der nächste grosse Wettkampf statt?
Andrea: Da ich den Weltmeistertitel in den beiden Verbänden WSKF und WSKU habe, ist mein nächstes Ziel einen Titel im WKF-Verband.. Dies ist aber ein längerfristiges Ziel. Anfangs Oktober haben wir von unserem Verband SSKF aus die Chance erhalten, in Zypern am WSKF Weltcup teilzunehmen. Ausserdem stehen bis Ende Jahr noch internationale Turniere in Deutschland, Oesterreich und der Türkei an.

Luca: Mein nächstes Ziel ist es, in Zypern am 11.10.-18.10.2010 an dem Weltcup teilzunehmen und zu gewinnen.