Naturforum Baselland
«Der Mensch braucht die Natur»

Natalie Oberholzer
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Referentin Sarah Wauquiez, Psychologin und Naturpädagogin

Referentin Sarah Wauquiez, Psychologin und Naturpädagogin

Vielen ist nicht bewusst, wie wichtig Natur für uns ist. Die Psychologin und Naturpädagogin Sarah Wauquiez hat diese Woche in ihrem Vortrag in der Kantonsbibliothek aufgezeigt, dass die Natur uns nicht nur mit frischer Luft, Rohstoffen und Nahrung versorgt, sondern auch psychologische Bedürfnisse erfüllt und wichtige Kompetenzen fördert.

Natur tut gut. Spätestens, wenn wir uns nur noch in der technisierten oder digitalen Welt bewegen, merken wir, dass uns etwas fehlt. Wir suchen den Kontakt zur Natur. Nicht umsonst boomen heutzutage Outdooraktivitäten, Urban Gardening Projekte, Agrotourismus, Waldwochen und Naturspielgruppen. Denn die Natur ist nicht nur als Rohstofflieferantin für uns lebenswichtig. Auch für Körper und Geist ist Natur unverzichtbar. Direkte Naturerfahrungen sollten nach Sarah Wauquiez schon in früher Kindheit und möglichst häufig stattfinden. Kinder, die öfters draussen in der Natur spielen, sind meist kreativer, lernfähiger, kooperationsfähiger, krankheitsresistenter, selbstbewusster und fühlen sich auch psychisch wohler, wie Sarah Wauquiez mit einer Reihe an Studien belegte. Auch Erwachsene brauchen dieses «Vitamin N» wie sie es nannte. Aufenthalte in der Natur können wie Glückshormone wirken. Die Japaner bieten für Heilungszwecke und Stressabbau gar «forest bathing» an.

«Der Mensch braucht die Natur, die Natur den Menschen nicht» ergänzte einst Richard Freiherr von Weizäcker. Wenn der Mensch die Natur zerstört, schadet er sich selbst. Daher sollten wir mit der Natur sorgsamer umgehen als bisher. Doch reines Wissen über die Natur führt nicht zur gewünschten Verhaltensänderung. Es braucht eine emotionale Beziehung zur Natur um Umwelthandeln zu bewirken, wie Umweltpsychologen lehren. Auch Sarah Wauquiez ist davon überzeugt und unterrichtet als ehemalige Primarlehrerin heute hauptsächlich Naturpädagogik. Sie sieht die Natur als idealen ausserschulischen Lernort, um Kompetenzen des Lehrplans 21 zu fördern. Gleichzeitig erreicht sie damit: Förderung der kindlichen Entwicklung und Gesundheit, Vermittlung komplexer, ökologischer Zusammenhänge sowie Motivation zum Umwelthandeln.

Diese Zusatznutzen der naturbezogenen Umweltbildung schätzen inzwischen viele Lehrpersonen. Dies spürt man auch beim Naturforum Baselland. Die Anfragen für Naturerlebnisse nehmen laufend zu. Naturforum Baselland, das regionale Netzwerk von Wald- und NaturpädagogInnen, versucht diesen Bedarf zu decken und präsentiert auf der Plattform laufend neue Angebote zu diversen Natur- und Umweltthemen ­– nicht nur für Schulen auch für Private. Solche Wald- und Wassererlebnistage bleiben haften, fördern Körper und Geist und führen zu erhöhten Wertschätzung der Natur – unserer Lebensgrundlage in vielen Bereichen.