Pfadi
Das Spuken in Ramsei

Ein Einblick ins Sommerlager der Pfadi Big Horn Lengnau.

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Es war ein kühler und stürmischer Tag als sich neun wagemutige Pfader mit ihren sechs Leitern auf den 60 Kilometer langen Weg von Roggwil(BE) nach Ramsei(BE) machten. Das wäre im Grunde genommen keine spezielle Leistung, wenn da nicht noch ein Postwagen auf uns gewartet hätte, der, beladen mit unserem Gepäck, 700 Kilogramm schwer war. Diesen Postwagen galt es nun über Stock und Stein zu ziehen, sodass wir rechtzeitig in Ramsei ankamen, um dem Spuken im Emmental ein Ende zu bereiten. Wir hatten vier Tage Zeit, um diesen Weg zurückzulegen und verschiedenste Aufgaben zu lösen. Für die drei Nächte mussten wir uns in kleinen Dörfern jeweils eine Unterkunft suchen in der fünfzehn Leute Platz hatten, so kam es dazu, dass wir in der ersten Nacht in einer neu renovierten Wohnung, in der zweiten in einer Scheune im Heu und in der dritten in zwei Zimmern eines Gasthofes übernachteten. Auf dem Weg gab es keine grossen Pannen, lediglich einmal einen platten Reifen.

Als wir am vierten Tag alle erschöpft aber von den vielen spannenden Erlebnissen positiv gestimmt im Pfadiheim in Ramsei ankamen, warteten dort schon vierzehn junge Sprösslinge auf uns: unsere Wölfli. Ab diesem Zeitpunkt fing das Spuken im Tal so richtig an. An einem Tag verschwand unser ganzes Essbesteck, an einem anderen alle unsere Türen und einmal funktionierte Strom und Wasser im ganzen Haus nicht mehr. Diese und weitere Spukaktionen beunruhigten uns fünf Tage lang.

Als am Abend des sechsten Tages ein Leiter entführt wurde, erreichte das Spuken seinen Höhepunkt. Es vergingen ganze zwei Stunden, bis das jemandem auffiel und die Dunkelheit machte sich bereits breit in der Gegend, sodass nur die ältesten und mutigsten Pfader sich auf die Suche in den stockdunklen Wald machen konnten. Kaum hatten wir unsere Jacken angezogen, waren bereits wieder zwei Pfader verschwunden, da breitete sich die Furcht so richtig unter uns aus. Wir begaben uns dennoch in den finsteren Wald, da wir unsere Freunde nicht im Stich lassen konnten. Und schon bald fanden wir eine Bestätigung, dass wir auf der richtigen Fährte waren. Wir fanden unweit des Hauses unseren Leiter an einen Baum gefesselt. Wir banden ihn los und gingen weiter, um auch die anderen zu suchen. Doch es schien als ob der ganze Wald lebte, immer wieder ertönte das Lied eines Uhus, Stöcke zerbrachen und das Laub knisterte. Wir gingen den Weg weiter und als wir an einem Maisfeld vorbeikamen, sprang plötzlich eine Gestalt aus dem Feld und entführte einen weiteren Pfader! Ab diesem Augenblick blieb die ganze Gruppe so dicht zusammen, dass keine Chance blieb, weitere Opfer zu verschleppen. Schliesslich gelangten wir an einen Bach, der sehr unheimlich rauschte und da fanden wir unsere entführten Freunde. Doch da war auch noch eine andere Gestalt, die gespenstisch aussah; es war derjenige, der für das Spuken der letzten Tage verantwortlich war. Das Wesen verkündete uns, dass er erst wieder Ruhe geben werde, wenn wir aus seinem Tal verschwunden wären. Wir vereinbarten, dass wir am nächsten Tag, wenn die Sonne am höchsten stand, aus dem Emmental abreisen würden und nun durften wir die Entführten wieder mitnehmen. So mussten wir noch in dieser Nacht unser Gepäck packen und uns bereit für die Abreise machen. Am nächsten Tag verreisten wir wie versprochen aus dem Emmental, für die letzte Nacht schlugen wir unsere Zelte in der Nähe von Olten auf und feierten dort bis tief in die Nacht, dass das Spuken endlich ein Ende genommen hatte. (ani)

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