Bezirksschule
Bezirksschule Endingen wirbelte über Engelbergs Pisten

294 Schülerinnen und Schüler vergnügten sich im Schnee.

Marcel Siegrist
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Morgens um Sieben
Halblautes Gähnen, leises Gelächter und immer wieder das Rascheln der Papiersäckchen mit dem Frühstücksgipfel drin. Rund fünfzig Jugendliche stiegen um 7 Uhr morgens in Lengnau in einen der sechs Busse aus den verschiedenen Surbtaler Dörfern ein, die die gesamte Schülerschaft der Bezirksschule Endingen nach Engelberg brachten. Und obwohl um diese Zeit die meisten noch in ihren Betten liegen würden, war die Stimmung ausgezeichnet.

Simon Ammann oder Pinguin?
Acht Sportarten standen zur Auswahl, entweder als Ganztages- oder Halbtagesprogramm. Weil das Leiten derselben die Kapazitäten der Endinger Lehrerschaft sowohl von der Menge her als auch fähigkeitsmässig überstieg, hat das dreiköpfige Sportlehrerteam für diesen Tag zusätzliche Leiter und Betreuerinnen gesucht - und dank ihren grossen Anstrengungen auch gefunden. Die Begleiter machten ihre Arbeit an diesem Tag aus Freude am Sport mit jungen Menschen und aus purem Goodwill, denn Lohn dafür kriegen sie keinen.

Fast alle der 294 Schülerinnen und Schüler bestritten an diesem Tag das von ihnen selbst ausgewählte Sportprogramm. Da freut sich der schwarzhaarige Lengnauer auf das erste Mal Skispringen und die beiden Endingerinnen auf eine rasante Talfahrt auf dem Davoserschlitten am Morgen und die Gelegenheit am Nachmittag ihre Runden auf dem Eis zu drehen. Ein Mädchen mit Zipfelmütze aus Würenlingen meinte lachend, sie habe nicht gedacht, dass sie einmal freiwillig den Langlauf ausprobieren würde, das sei doch eine Sportart für alte Damen. Eine Stunde später auf den schmalen Skiern fühlte sie sich laut eigener Aussage eher wie ein Pinguin.

Für viele eine Premiere
Viele der Teilnehmer nutzten die Gelegenheit und probierten eine bis dahin unbekannte Sportart aus. "Die Gotte meines Bruders hat gesagt, das sei lustig, erklärte ein Junge seine erste Wahl. die Schneeschuhwanderung. Und? Es sei schon noch cool gewesen, aber sehr anstrengend. Das meinten auch einige der Jugendlichen nach dem nordischen Skikurs. Wandern kennt jeder, aber auf Schnee tut man es normalerweise nicht, deshalb war auch diese Disziplin eine Premiere. Und in der kitschig verschneiten Landschaft erst recht angenehm.
Auf die Frage, ob es nicht viel Mut gebraucht habe beim ersten Springen über die Schanze, sagte eine Erstbezlerin nach kurzem Überlegen. „Nein, eigentlich nicht, es hat einfach Spass gemacht." Die Schanze für die ersten Sprünge war an diesem Morgen von Patrick und Paul vom Skiclub in Engelberg eigens für die Surbtaler gebaut worden, denn für die übliche im Tal unten, war zuviel Schnee gefallen. Die Sprunganlage sah super aus und war mit vielen zum Messen in den Schnee gesteckten Tannenzweigen versehen. Das hat sich gelohnt, denn die Meisterleistung von 25 Metern beeindruckte lange nicht nur den jugendlichen Rekordhalter allein.

Auch der sichere Wert war begehrt
Sie fänden Schlittschuhlaufen einfach gut, erklärten sie ihre Wahl und zogen fröhlich aufs Feld. Die Eishockeyaner lieferten sich nebenan eine harte Schlacht und zeigten, dass Wettkampf und eine gute Stimmung sich nicht behindern. Das Schlitteln auf einer präparierten Bahn, auf der es genial gut lief, war ein riesiger Spass, vielleicht sogar noch mehr für die Piloten, die in den Kurven mehrmals in den Schnee katapultiert wurden. Zum unfreiwilligen Tiefschneefahren kamen die alpinen Skifahrer und die Snowboarder, einige fanden das toll, andere weniger, aber über die Attraktivität des Skigebietes war man sich einig.

50 kg Spaghetti auf 1800 Metern Höhe
Das Mittagessen bekamen die rund 330 Teilnehmenden im Bergrestaurant Trübsee. In der Küche ging es dabei zu wie in einem Bienenschlag. Um die hungrigen Aargauer zu verköstigen hatte das Team 50 kg Spaghetti gekocht und je 40 Liter Carbonara- und Tomatensauce zubereitet. In drei Schichten wurde gegessen, à discretion versteht sich, und eine beeindruckende Leistung vollbrachte dabei das freundliche Servicepersonal, das innerhalb einer Viertelstunde 120 Teller, Bestecke und Becher wegräumte und alle Tische putzte und auch den nächsten einen perfekten Service bot.

Grossartig organisiert, nur die Sonne verpasste ihren Einsatz, der Nebel aber nicht
Obwohl bereits vor vier Jahren ein vergleichbarer Schneesporttag stattgefunden hatte, musste enorm viel organisatorischer Aufwand betrieben werden. Die Kosten von 55 Franken für den ganzen Tagesausflug pro Kopf wurde vor allem dank dem bemerkenswert freundlichen Preis der Titlis Bahnen für Tageskarte und Mittagessen möglich. Genau der gleiche Preis bezahlte die Bezirksschule Endingen auch vor vier Jahren! Dem Verein ehemaliger Bezirksschüler Endingen verdanken die aktuellen Schüler einen grosszügigen Beitrag, so dass deren Eltern zusätzlich zum ausgeschöpften Sporttagetat nur noch dreissig Franken berappten.

Der Schneesporttag in Engelberg war minutiös vorbereitet worden. Thomas Uhlig, Andi Schibli und Marianne Schindelholz, das Sportlehrerteam der Bez Endingen, dürften dafür gut 300 Arbeitsstunden investiert haben. Zusätzlich zum normalen Arbeitspensum wohlgemerkt. Hat sich der Aufwand gelohnt? Die zufriedenen Gesichter beim Einsteigen in die Busse um fünf Uhr am frühen Abend waren Antwort genug.

Barbara Bircher