Gemeinnütziger Frauenverein Gränichen
Bei den Bärenführern der AlpTransit

Barbara Ducceschi-Küng
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AlpTransit - Wir bauen die Zukunft
Tunnelportal Nord (li Richtung Süden, re Richtung Norden)
Baustelle mit Entlüftungsschacht Der Entlüftungsschacht verhindert, dass die Züge den Tunnel mit einem Knall verlassen. ca. 300 m vor dem Tunnelende wird die nach der schnellen und langen Tunnelfahrt vor der Komposition 'komprimierte' Luft über diesen Schacht abgeleitet.
Führung Baustelle erste Gruppe
Führung Baustelle zweite Gruppe
Auf der Besucherplattform beim Bahninstallationsplatz Rynächt
Unser Reisecar auf der Fähre nach Beckenried
Tellsprung
Wildromantischer Vierwaldstättersee

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U. Hartmann

Am Freitag, 22. Juni 2012 machte sich eine Gruppe von 27 Personen des Gemeinnützigen Frauenvereins Gränichen (davon 7 Männer(!)) auf zur jährlichen Vereinsreise. Ziel, und wohl auch Erklärung für die aussergewöhlich zahlreiche männliche Begleitung, war die AlpTransit Baustelle in Erstfeld/Rynächt. Das Jahrhundertbauwek Gotthard-Basistunnel vermochte zu interessieren und die Reisenden wurden in der Folge nicht enttäuscht.

Die Reise führte durchs Suhrental nach Sursee und von dort zum mit Freude erwarteten Kaffeehalt in Neuenkirch. Dann weiter via Luzern, Seelisbergtunnel nach Erstfeld wo die Gruppe zeitgerecht im Info Center der AlpTransit ankam. Vor dem Vortrag und der Führung bot sich noch die Gelegenheit, die Ausstellung im Info Center anzuschauen. Vor allem das Modell der Tunnelbormaschine wusste zu faszinieren. In natura eine über 400 Meter lange Fabrik auf Schienen! Die Dimensionen dieses Kolosses sind fast unvorstellbar – wie noch einiges am gigantischen Bauwerk „Basistunnel“. Anschliessend erfuhr die Reisegruppe in einem interessanten und spannenden Vortrag einiges über den aktuellen Stand der Bauarbeiten. Die Ausbrucharbeiten sind schon seit längerem abgeschlossen und der Ausbau des Tunnels ist in vollem Gange. Von Biasca bis Faido ist zum Beispiel ein rund fünf Kilomter langes Teilstück schon komplett ausgebaut und wird demnächst für Testfahrten dienen. Zum Fahrplanwechsel 2016 – ein Jahr früher als geplant – sollen dann Züge mit bis zu 250 km/h durch den 57 Kilometer langen Gotthard Basistunnel brausen und so die Reisezeit zwischen Zürich und Mailand auf gut 2 1⁄2 Stunden verkürzen. Der Scheitelpunkt des neuen Tunnels liegt gerade noch auf 550 Metern über Meer – so hoch wie die Stadt Bern. Im Vergleich dazu, führt die heutige Strecke bis auf 1151 müM. Die Züge werden durch zwei getrennte Röhren verkehren, die alle 225 Meter mit Querstollen miteinander verbunden sind. Ursprünglich waren Querverbindungen nur alle 500 Meter geplant. Nach der Bandkatastrophe im Gotthard Strassentunnel vom Oktober 2001 mit 11 zu beklagenden Toten und den danach gewonnenen Erkenntnissen hat der Bundesrat entschieden, dass die Querverbindungen (die im Unglücksfall als Fluchtwege dienen), in kürzeren Abständen angebracht werden müssen. Mit allen Quer- und Verbindungsstollen wurden somit über 150 km Tunnel angelegt!

Nicht nur im Innern des Berges wird gebaut, auch der Talboden des Reusstals wird sich verändern. So wird zum Beispiel die heutige Linienführung ins obere Urnerland zur Bergseite hin, neben die Basislinie verlegt. Damit kann wertvolles Kulturland zurückgewonnen werden; der Kanton Uri ist ja mit flachem Ackerland nicht gerade verwöhnt. Bäche, in die Wasser aus dem Tunnelinneren abgeführt wird, wurden renaturiert und bieten heute Fischen und Wasservögeln einen Lebensraum. Ebenso wurde die Mündung der Reuss in den Urnersee renaturiert und aufgewertet. Mit Ausbruchmaterial aus dem Gotthard Basistunnel wurden sechs Inseln aufgeschüttet. Drei davon sind als Naturschutzgebiet deklariert, die anderen drei als Badeinseln freigegeben. Auf den geschützten Inseln haben bereits im zweiten Jahr nach der Aufschüttung wieder Zugvögel Rast gemacht, die vorher jahrzehntelang im Urnerland nicht mehr beobachtet werden konnten. Der Gotthard Basistunnel ist somit nicht nur in Hinsicht auf die Umlagerung des Strassentransportes auf die Schiene ein echtes Naturschutzprojekt.

Nach dem Vortrag war dann „Ortstermin“ angesagt Die steife Brise, die an diesem Tag durchs Reusstal fegte, machte die Besichtigung zu einer kühlen Angelegenheit. Auf zwei Besucherplattformen konnte das nördliche Tunnelportal, bzw. der Bahninstallationsplatz in Rynächt überblickt werden. Unsere „Bärenführer“ ergänzten den Ausblick mit zusätzlichen Informationen. Diese Plattformen sind interessierten Personen übrigens täglich und kostenlos zugänglich! Ach ja, die Bärenführer: So werden die Spezialisten genannt, die interessierte Personen über die Baustelle der AlpTransit führen!

Die warme Suppe im Hotel Krone in Attinghausen war eine mehr als willkommene Stärkung für die durchkühlten Baustellenbesucherinnen und –besucher. Nach dem leckeren Mittagessen (es gab mehr als nur Suppe) ging’s mit dem Car weiter Richtung „Glasi“ in Hergiswil. Die Axenstrasse bot viele wunderbare Ausblicke auf die wildromantische Landschaft entlang dem Urnersee. In Brunnen führte der Weg dann gegen Gersau, wo auf der Fähre „Tellsprung“ nach Beckenried Platz für unseren Reisebus reserviert war. So kam die Reisegruppe als kleine Überraschung noch zu einer kurzen Schifffahrt auf dem Vierwaldstättersee.

Der freie Aufenthalt in der „Glasi“ in Hergiswil wurde individuell für einen Besuch im Glasmuseum, in der Glashütte oder eben – im Glasi-Laden genutzt. Pünktlich fuhr die Gesellschaft in Hergiswil ab und erreichte nach einer Fahrt via Rothenburg, Beromünster durchs Wynental wieder ihr „Dorf zum Daheimsein“ – Gränichen. Ein interessanter, abwechslungsreicher und schöner Tag ging glücklich zu Ende.

Mehr Informationen zur Alp Transit, dem Stand der Arbeiten, Standorte und Öffnungszeiten der Info Center etc. finden Sie jederzeit unter www.alptransit.ch. Am 30. Juni 2012 findet in Erstfeld/Rynächt der „Tag der offenen Baustelle“ statt. (bdk)